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Schlacht von Stalingrad „Wir waren Soldaten, keine Politiker“

Karl-Hans Mayer hat als Wehrmachtssoldat an der Ostfront gekämpft. Ein Zufall rettete ihn vor dem Tod im Kessel von Stalingrad.

Kampf um Stalingrad
Deutsche Wehrmachtsoldaten im Oktober 1942 in Stalingrad. Foto: imago

Zu dieser Zeit habe er von seinem Vorgesetzten einen Marschbefehl nach Deutschland bekommen, sagt Mayer. „Ich sollte nach Heidenheim, Ersatzteile für die Panzer besorgen. Ich hatte noch gesagt, was soll das bringen, unsere Panzer haben wir doch schon längst eingegraben, die fahren doch sowieso nicht mehr vor dem Winter. Aber der Offizier bestand darauf – zu meinem Glück.“

Mayer fährt zurück nach Deutschland, belädt in Heidenheim vier Waggons mit Panzer-Ersatzteilen und macht sich auf den langen Rückweg an die Ostfront. „Ich musste mir ja immer Züge suchen, an die ich meine Waggons ankoppeln konnte“, erzählt er. Inzwischen ist strenger Winter, Schnee und Kälte behindern das Fortkommen in den Osten. Als Mayer schließlich Odessa erreicht und den Verantwortlichen im Bahnhof nach dem nächsten Zug Richtung Stalingrad fragt, an den er seine Waggons anhängen kann, schüttelt der nur mit dem Kopf. „Stalingrad gibt es nicht mehr, sagte er zu mir. Und erst da erfuhr ich von der Kapitulation der 6. Armee im Kessel. Meine Kameraden habe ich nie wiedergesehen.“

Mayer wird mit seiner Fracht nach Tiflis abkommandiert, von dort geht es für ihn weiter nach Stalino, dem heutigen Donezk. Das ist zu dieser Zeit noch in deutscher Hand, aber nicht mehr lange. Am 8. September 1943 erobert die Rote Armee die Stadt zurück, wenig später beginnt der Rückzug der Heeresgruppe Süd. Auch Mayer wird nun immer weiter Richtung Heimat verlegt. Als seine Division am 6. Mai 1945 aufgelöst wird, ist er schon in Tschechien. Zusammen mit einem Freund tauscht er die Uniform gegen Zivilklamotten und schlägt sich nach Bayern durch.

In Selb greift sie eine US-Militärstreife auf. „Wir haben gesagt, wir seien Müllergesellen und auf Wanderschaft. Aber der Offizier lachte nur: So viele junge Männer, die jetzt Müllergesellen sind“, erinnert sich Mayer. Ein paar Tage später hätten ihn die Amerikaner an eine sowjetische Militäreinheit übergeben. Mayer wurde wieder in den Osten verlegt, diesmal von der Roten Armee und als Kriegsgefangener. Die folgenden zehn Jahre durchläuft er Arbeitslager. Brjansk, Gorki, Swerdlowsk. Und kommt schließlich auch zurück nach Stalingrad, wo er als Kriegsgefangener am Wiederaufbau der von der Wehrmacht zerstörten Stadt mitwirkt.

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