Lade Inhalte...

Dresden „Die Erinnerungskultur wird trügerischer“

Anlässlich des Jahrestags der Zerstörung Dresdens zeigt eine Studie, wie stark sich öffentliches Gedenken ändert.

Menschenkette in Dresden
Anlässlich der Erinnerung an die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg formen die Dresdner eine Menschenkette entlang der Elbe. Foto: rtr

Ebenfalls 18 Prozent geben an, Vorfahren hätten potenziellen Opfern geholfen. Aber 36 Prozent wussten auf die Frage keine Antwort. „Es gibt hier eine große Erinnerungslücke“, meint der Bielefelder Psychologe Jonas Rees, der die Studie mit Zick betreute. Gleichzeitig antwortet mehr als jeder Zweite auf die Frage, ob Vorfahren unter den Kriegsopfern waren, mit Ja. Die Erinnerungskultur, so ein Fazit der Autoren, werde also trügerischer. Allerdings wurde in der Befragung nicht genauer definiert, wer zu den Tätern und wer zu den Opfern gehört, wie die Forscher gegenüber der FR einräumten.

„Wir werden von einem Volk der Täter zu einem Volk der Helfer und Opfer“, konstatiert auch Stiftungsvorstand Andreas Eberhardt. Weil die Ergebnisse der Studie auch international relevant seien, soll sie über drei Jahre hinweg weitergeführt werden. Eine Mehrheit der Befragten interessiert sich stark für deutsche Geschichte, so ein weiteres Ergebnis der Studie, und hält den Geschichtsunterricht an den Schulen für sehr wichtig, um historisches Wissen zu vermitteln.

Aber auch das Internet bekommt eine immer größere Bedeutung. Drei von vier sagen allerdings, sich nicht schuldig für den Holocaust zu fühlen, eine Mehrheit ist aber der Ansicht, dass Deutschland aufgrund seiner Geschichte eine besondere moralische Verantwortung habe. Ein angeblicher „Schuldkult“ der Deutschen, wie ihn auch der völkische Flügel der AfD um Björn Höcke immer wieder behauptet, ist also empirisch nicht zu belegen.

Knapp die Hälfte der Befragten macht sich auch Sorgen, dass sich ein Ereignis wie der Holocaust wiederholen könnte, und jeder Dritte fordert, dass in Deutschland mehr für die Erinnerung an den Nationalsozialismus getan werden müsse. (mit afp)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen