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Deutsche Städte versanken im Bombenhagel

Eine Chronik der schwersten LuftangriffeIn den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs entluden sich die Bombenschächte der alliierten Luftflotten fast täglich über Deutschland und richteten schwerste Verwüstungen an. Die britische Royal Air Force (RAF) und seit Januar 1943 die US-Luftwaffe flogen zwischen 1940 und Kriegsende insgesamt etwa 1,4 Millionen Einsätze gegen den NS-Staat.

09.03.2005 00:03
Ein Verdunkelungsaufruf auf einem Plakat, aber auch er hat nicht mehr geholfen. Foto: FR

Hamburg (dpa). In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs entluden sich die Bombenschächte der alliierten Luftflotten fast täglich über Deutschland und richteten schwerste Verwüstungen an. Die britische Royal Air Force (RAF) und seit Januar 1943 die US-Luftwaffe flogen zwischen 1940 und Kriegsende insgesamt etwa 1,4 Millionen Einsätze gegen den NS-Staat.

Deutsche Luftangriffe gegen England begannen Anfang Juni 1940, nachdem die RAF erste Einsätze gegen das Reich geflogen hatte. Sie erreichten ihren zerstörerischen Höhepunkt noch im selben Jahr mit dem Bombardement der Stadt Coventry in der Nacht vom 14. zum 15. November. Bereits einen Monat später schlug die RAF mit ihrem ersten Flächenbombardement massiv zurück. 134 Maschinen erschienen über Mannheim. Die Bilanz: 1266 Obdachlose, 34 Tote.

Mit der Dauer des Krieges verschärften die Alliierten ihre Bombeneinsätze gegen Deutschland. Tagsüber griffen US-Maschinen an, nachts die RAF. Die sowjetische Luftwaffe war im östlichen Frontbereich aktiv. Nahezu zwei Millionen Tonnen Bomben wurden abgeworfen, Hunderttausende Zivilisten starben, fast jede fünfte Familie wurde obdachlos. In Berlin lagen bei Kriegsende 51 Millionen Kubikmeter Trümmer, in Hamburg fast 36 Millionen, in Dresden 25 Millionen und in Köln 24 Millionen.

Eine Entscheidung des Kriegskabinetts in London vom 14. März 1942 verschärfte den Bombenkrieg entscheidend. "Das Hauptziel unserer Operationen (ist) jetzt der Widerstandswille der Zivilbevölkerung des Feindes und vor allem der Industriearbeiter (...)", lautete die Order. Als erstes Ziel dieser neuen Strategie wählte der Chef des Bomberkommandos Arthur Harris die militärisch unbedeutende Hansestadt Lübeck. Am 28. März warf die RAF rund 300 Tonnen Bomben, der historische Stadtkern ging in Flammen auf. Ende Mai zerstörten fast 1000 Bomber Köln.

Deutschland war fortan Dauerziel der alliierten Bombenschützen. 1943 begannen die Großangriffe auf Berlin. Die Operation "Gomorrha" machte Ende Juli Hamburg tagelang zu einem Inferno, in dem mehr als 30.000 Menschen starben. 1944 wurden die Zentren der Rüstungsindustrie zu Hauptzielen.

Die schwersten Luftangriffe 1945

1945, als die alliierten Heere schon auf deutschem Boden kämpften und die Verteidiger Stück und Stück zurückdrängten, erreichte der Bombenkrieg seinen Höhepunkt. Einige der schwersten Luftangriffe:

29. Januar: Rund 2000 Bomber der alliierten Luftflotte greifen in pausenlosen Einsätzen Eisenbahneinrichtungen deutscher Städte (u.a. Hamm, Münster, Krefeld, Koblenz und Siegen) an.

3. Februar: Die US-Luftwaffe wirft über dem Zentrum Berlins mehr als 2500 Tonnen Bomben ab, die Zerstörungen an zahlreichen Regierungsgebäuden anrichten. Unter den etwa 2600 Toten ist auch der Vorsitzende des berüchtigten "Volksgerichtshofs", Roland Freisler.

13. Februar: Die Barockstadt Dresden mit ihren weltberühmten Bauwerke wird von mehr als 1000 RAF- und US-Bombern schwer verwüstet. 35.000 Menschen sterben.

18. Februar: Beginn der alliierten Luftoperationen zur gezielten Zerschlagung der Verkehrsnetzes in Deutschland.

26. Februar: Bislang schwerster Tagesangriff von mehr als 1100 US- Maschinen auf Berlin; fast 2900 Tonnen Bomben werden abgeworfen.

2. März: Köln sturmreif bombardiert und nach 262 Fliegerangriffen seit Kriegsbeginn am 7. März von US-Einheiten eingenommen.

12. März: US-Luftangriff auf deutsche Marinebasis Swinemünde fordert 23.000 Menschenleben.

14. März: Bei einem Luftangriff auf Bahnanlagen bei Bielefeld setzen die Briten erstmals die 10 Tonnen schwere Präzisionsbombe "Grand Slam" ein, die unterirdische Schockwellen erzeugt.

16. März: RAF-Angriff auf die militärisch unbedeutende Stadt Würzburg.

18. März: US-Flugzeuge werfen auf Berlin 4000 Tonnen Bomben ab.

3. April: Luftangriff auf den Hafen Kiel, wobei der Schwere Kreuzer "Admiral Hipper" versenkt wird.

10. April: US-Luftangriff auf Leipzig, das kurz darauf von der US- Armee eingenommen wird.

14. April: Potsdam wird von 512 RAF-Maschinen bombardiert. 5000 Tote und schwerste Schäden an historischen Gebäuden.

18. April: Britische Luftwaffe wirft 5000 Tonnen Bomben auf Helgoland.

19. April: Letzter britischer Luftangriff auf Berlin.

25. April: Die sowjetische Luftwaffe fliegt mit fast 1500 Maschinen Luftangriffe auf die von der Roten Armee bereits eingeschlossene deutsche Hauptstadt.

3. Mai: Britischer Angriff auf die Lübecker Bucht vor Neustadt, wobei mehr als 7000 KZ-Häftlinge auf Schiffen, darunter der ehemalige Luxusdampfer "Cap Arcona", getötet werden.

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