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Auschwitz-Überlebende „Ich bin zum Leben verurteilt“

Anna Nussbächer ist Jüdin. Mit 14 Jahren wurde sie deportiert. Bis heute fällt es ihr schwer, über die Zeit im Konzentrationslager zu reden. Eine Begegnung.

Auschwitz-Birkenau
Auschwitz, 2018: Die 14-jährige Anna Nussbächer, ihre Eltern und ihr vier Jahre jüngerer Bruder kamen im Juli 1944 dorthin. Foto: rtr

Mehrmals fährt sie mit Schulklassen in das KZ Dachau, wo ihr Vater zwei Tage vor Kriegsende von den Deutschen erschossen wurde. Keiner in ihrem beruflichen Umfeld weiß, dass sie Jüdin ist: Anna Nussbächer schweigt sich aus über ihre Vergangenheit. Lediglich dem Schulrektor erzählt sie davon. „Daraufhin hat sich sein Verhalten mir gegenüber komplett verändert. Er hat mich wie ein rohes Ei behandelt. Genau das, was ich nicht wollte.“ 

Die Ausschreitungen gegen Juden nach dem Beschluss des US-Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, machten ihr Angst, sagt sie. „Haben die Menschen denn gar nichts gelernt? Überall spürt man den wachsenden Antisemitismus.“

Anna Nussbächer schaltet den Computer ein. Ein ungarischer Freund hat ihr eine Videosequenz aus dem Pariser Rodin-Museum gemailt. Viele Freunde habe sie nicht, sagt sie. „Ich bin ein einsamer Mensch. Früher habe ich Gesellschaft gebraucht. Jetzt brauche ich sie nicht mehr.“ Bilder aus dem Museum huschen über den Bildschirm. Der Denker. Das Liebespaar. Dazu singt Edith Piaf: „Non, je ne regrette rien“ – nein, ich bedaure nichts.“

Die alte Dame geleitet den Besuch zur Tür. So viel habe sie schon lange nicht mehr geredet, sagt sie. Ich verabschiede mich mit einer Umarmung von Anna Nussbächer, die uns geschrieben hat. 

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