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28. April 1945 Der Duce ist tot

Am Morgen kommt der Befehl aus Mailand. Irgendwer hat entschieden, vielleicht das dortige CLNAI (Komitee der nationalen Befreiung), vielleicht die Sozialisten, die finden, Benito Mussolini gehöre „abgeknallt wie ein räudiger Köter“, vielleicht die Kommunisten, die keine Begründung für seinen Tod brauchen. Egal auch, dass die Alliierten den Duce lebend haben wollen.

Seit gestern sind Mussolini und seine Geliebte Claretta Petacci in der Hand der Partisanen vom Comer See, herausgepickt aus einem Konvoi flüchtender Deutscher, in dem sich der Führer des faschistischen Italiens versteckt hielt, sein allzu markantes Profil unter einem Stahlhelm leidlich maskiert. Ein Mailänder Partisan namens „Colonello Valerio“ sagt den Kameraden, er habe Befehl, die Gefangenen abzuholen.

Der Abend bricht herein. In dem kleinen Dorf Giulino di Mezzegra an einer Gartenmauer zersiebt Valerio aus wenigen Schritten Entfernung seine beiden Gefangenen mit einem MG. In Mailand werden die Leichen am nächsten Morgen, dem 29., auf der Piazzale Loreto auf einen Haufen geschmissen, zusammen mit anderen erschossenen Notabeln der Faschisten. Eine Menge versammelt sich, wird zum Mob, tritt, schlägt, spuckt und bepisst die Leichen, bis sie kaum noch zu identifizieren sind.

Dann werden sie aufgeknüpft. Fünf Monate zuvor hatten ihm die gleichen Massen noch frenetisch zugejubelt. Der italienische Faschismus ist am Ende. Oder?

1946 gründet sich eine neofaschistische Partei, um „Mussolinis Ideen“ parlamentarisch zu verwirklichen. Seine wirklichen Ideen während seiner letzten verwirrten Monate zwischen der kaltschnäuzigen Instrumentalisierung durch die deutschen Besatzer und der Verachtung seiner politischen Gegner? Wohlfahrtsstaat, Verstaatlichung der Industrie, Auflösung der Faschisten. Damals nimmt niemand in Italien diese Ideen ernst, denn der Duce ist nur noch ein erbärmlicher Clown.

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