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17. April 1945 Aktion Rheinland

Gauleiter Karl Florian befiehlt am 16. April, beim Einrücken der US-Armee, alle Düsseldorfer Versorgungsbetriebe, Eisenbahn- und Straßenbrücken zu sprengen. Den Alliierten soll nur verbrannte Erde überlassen werden.

In dieser Situation wendet sich eine Widerstandsgruppe aus Architekten, Bäcker- und Schreinermeistern sowie einem Anwalt an den örtlichen Kommandeur der Schutzpolizei, Oberstleutnant Franz Jürgens. Mit seiner Hilfe kommt Kontakt zur 83. US-Infanteriedivision zustande, die die Stadt seit 10. April eingekesselt hat, und die dank der „Aktion Rheinland“ – so nennen die Widerständler ihre Initiative – Düsseldorf nun retten soll.

Am 17. April geschieht das auch, die G.I.s rücken fast ohne Gegenwehr in die Stadt ein. Aber Jürgens und vier Mitverschwörer erleben das nicht, sie wurden einen Tag zuvor verraten, verhaftet, abgeurteilt und noch am Abend standrechtlich erschossen.

Ähnliche Vorfälle gibt es nun überall in Deutschland. Wer die Alliierten nicht „mit allem Fanatismus“ (Goebbels) bekämpfen will, sich ihnen gar ergibt, gilt als Wehrkraftzersetzer und darf „von jedem aufrechten Deutschen“ hingerichtet werden.

Die neue Bundesrepublik wollte um des inneren Friedens mit ehemaligen Nazis und Ex-Soldaten willen Widerständler eher vergessen. Die Düsseldorfer Todesurteile wurden sogar vom Bundesgerichtshof als rechtmäßig befunden. Erst 1999 wurden sie durch das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile revidiert.

Aloys Odenthal, Überlebender der „Aktion Rheinland“, hingegen besuchte bis zu seinem Tode 2003 regelmäßig Schulen, um Schülern von damals zu erzählen und sie gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu impfen. Die Journalistin Jeanne Andresen, Enkelin des ermordeten Widerständlers Theodor Andresen, setzt dies fort: Sie nahm unter anderem mit den Toten Hosen eine CD auf und verteilte sie am Donnerstag an Schulen.

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