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Sachbuch Eine "Bresche" haben sie geschlagen

Zeitzeuge aus Frankreich: Claude Lefort kommentiert 1968 - damals und 20 Jahre danach.

12.06.2008 00:06
CHRISTINE PRIES

Noch ein Blick auf 1968, der gängige Vorurteile von der Seite her zu korrigieren scheint und doch aus der Mitte des Geschehens kommt: Die erste deutsche Übersetzung von Claude Leforts 1968 entstandenem Aufsatz "Die neue Unordnung" erreicht uns aus der doppelten historischen Distanz von zwei bzw. vier Jahrzehnten, denn sie wurde für das Bändchen "Die Bresche" um des Autors "Relektüre" 20 Jahre später ergänzt. Beide Texte bestechen noch heute.

Am Mai 68 arbeitet der in Deutschland wenig bekannte, in Frankreich aber zu den großen zählende Philosoph besonders "Die Bresche" (Daniel Cohn-Bendit) heraus, die der Aufstand der Studierenden in die überkommenen Verhaltensmuster, Hierarchien und Institutionen schlug. Die jungen "Enragés von Nanterre" verließen die "ausgetretenen Pfade" der "Gewerkschaften, Parteien und Gruppierungen"; eine neue Form von Öffentlichkeit entstand, die die alte Ordnung nicht durch eine neue ersetzte, sondern sie schlicht in Unordnung brachte.

Trotz des enthusiastischen Tons 1968 ist es bemerkenswert, dass Lefort, die schon damals einsetzende Herabwürdigung von 68 aufgreifend (hinter der er einen Versuch wittert, die "Sinnlosigkeit und Leere" der zeitgenössischen Gesellschaft zu erweisen), bei der nüchternen "Relektüre" seines Aufsatzes kaum etwas zurücknehmen muss von seiner Sympathie für den revolutionären Aufruhr - Gleiches würde weitere 20 Jahre später gelten.

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