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Massenflucht aus dem Osten

Im Frühjahr 1945 rieb die Sowjetarmee die deutsche Ostfront aufDer sowjetische Diktator Josef Stalin zog auf dem Höhepunkt der Kämpfe eine triumphierende Zwischenbilanz. "Den 27. Jahrestag der Roten Armee begehen wir im Zeichen neuer historischer Siege über den Feind", schrieb er in seinem Tagesbefehl am 23. Februar 1945 an die Rote Armee. Seit Mitte Januar waren seine dem Gegner weit überlegenen Truppen unaufhaltsam durch Polen und den Osten des Deutschen Reiches vorgestoßen.

25.02.2005 18:02
FRIEDEMANN KOHLER (MOSKAU, DPA)
Undatierte Aufnahme des sowjetischen Diktators Josef Stalin. Stalin wurde am 6. Dezember 1878 als Josif W. Dschugaschwili in Georgien geboren und starb am 5. März 1953 in Moskau. Foto: dpa

Der sowjetische Diktator Josef Stalin zog auf dem Höhepunkt der Kämpfe eine triumphierende Zwischenbilanz. "Den 27. Jahrestag der Roten Armee begehen wir im Zeichen neuer historischer Siege über den Feind", schrieb er in seinem Tagesbefehl am 23. Februar 1945 an die Rote Armee. Seit Mitte Januar waren seine dem Gegner weit überlegenen Truppen unaufhaltsam durch Polen und den Osten des Deutschen Reiches vorgestoßen.

Die Schrecken von Tod und Vernichtung, die die deutschen Angreifer seit 1939 über ihre Nachbarn gebracht hatten, richteten sich nun endgültig gegen sie selbst. Im Januar 1945 begann die verzweifelte Massenflucht der deutschen Bevölkerung aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Am 30. Januar 1945 versenkte auf der eisigen Ostsee ein sowjetisches U-Boot den Dampfer "Wilhelm Gustloff", mehr als 5300 Menschen, meist Flüchtlinge, starben.

Hitlers Generäle standen der so genannten Winteroffensive machtlos gegenüber. Die 1. Weißrussische Front (Heeresgruppe) unter dem Befehl von Marschall Georgi Schukow hatte Warschau erobert und seit Ende Januar bei Küstrin und Frankfurt Brückenköpfe an der Oder gebildet.

Andere Heere drangen in Richtung Ostsee vor und riegelten Ostpreußen ab. Posen fiel nach vier Wochen Widerstand. Am 26. Februar brach die Rote Armee in Hinterpommern zur Ostsee durch, sechs Tage darauf erreichten sowjetische Panzer die Küste bei Kolberg.

Im Süden rückte die 1. Ukrainische Front von Marschall Iwan Konjew vor. Sie belagerte seit dem 27. Januar die von den Nazis zur Festung erklärte Stadt Breslau (heute Wroclaw), die ein Volkssturm von alten Männern und Jugendlichen unter schweren Verlusten schließlich noch bis zum 6. Mai verteidigte. Das oberschlesische Industrierevier, das Stalin als "Gold" bezeichnet hatte, wurde bis Ende Februar fast unzerstört erobert.

Die deutschen Truppen im besetzten Polen, die Heeresgruppen A, Mitte und Weichsel, wurden bei dem raschen Vormarsch der Sowjets über Hunderte von Kilometern aufgerieben oder eingekesselt. Es gab keine zusammenhängende deutsche Verteidigungslinien mehr. Die pommersche Küstenstadt Kolberg, über die Hitler noch den Durchhaltefilm "Kolberg" drehen ließ, kapitulierte am 18. März. In Danzig (Gdansk) streckte die Wehrmacht am 30. März die Waffen, in der fast völlig zerstörten Stadt Königsberg (Kaliningrad) am 9. April.

Auf allen Seiten forderten gerade die letzten Kriegsmonate die höchsten Opferzahlen. Doch weder der militärische Zusammenbruch im Osten, noch die apokalyptischen Szenen der Flüchtlingstrecks und Bombenangriffe auf deutsche Großstädte brachten den verblendeten deutschen Führer zum Einlenken. Sein Propagandaminister Joseph Goebbels forderte am letzten Februartag 1945 über das Radio die Deutschen zum Durchhalten auf. "Wir wollen lieber sterben als kapitulieren."

Noch Ende März 1945 wies Hitler den "Mythos" zurück, dass die Rote Armee Berlin einnehmen könne. Bis Mitte April arbeiteten sich die sowjetischen Kräfte soweit an die Oder vor und rüsteten für den letzten Schlag gegen Nazi-Deutschland. Die Heerführer Schukow, Konjew und Konstantin Rokossowski konnten ihren von Stalin geschürten Wettlauf um die 80 Kilometer entfernte deutsche Reichshauptstadt beginnen.

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