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Kurz vor der Kapitulation brachten Bomben Dresden den Tod

Keine Schonung für Zivilisten und kulturhistorisch einmalige BautenLange blieb Dresden vom Zweiten Weltkrieg verschont. Selbst die NS-Strategen glaubten nicht an eine Gefahr. Aus ihrer Sicht gab es "lohnendere Ziele" im Bombenkrieg der Alliierten. Doch das war ein Irrtum. Wenige Wochen nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, zwei Tage nach der Konferenz von Jalta und drei Monate vor der Kapitulation Hitler-Deutschlands starben jedoch die Hoffnungen der Dresdner, dem Grauen zu entkommen: Faschingsdienstag 1945 kam der Tod tausendfach auch nach "Elbflorenz".

08.02.2005 00:02
SIMONA BLOCK UND JÖRG SCHURIG (DRESDEN, DPA)
Nur noch Ruinen blieben nach dem 13. und 14. Februar 1945 von Dresden übrig (undatiertes Archivbild). Historiker sind uneins, ob die alliierten Luftangriffe auf die Stadt vor 60 Jahren knapp drei Monate vor Kriegsende, angesichts der sich abzeichnenden Niederlage von Hitler-Deutschland militärisch noch nötig waren. Foto: dpa

Lange blieb Dresden vom Zweiten Weltkrieg verschont. Selbst die NS-Strategen glaubten nicht an eine Gefahr. Aus ihrer Sicht gab es "lohnendere Ziele" im Bombenkrieg der Alliierten. Doch das war ein Irrtum. Wenige Wochen nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, zwei Tage nach der Konferenz von Jalta und drei Monate vor der Kapitulation Hitler-Deutschlands starben jedoch die Hoffnungen der Dresdner, dem Grauen zu entkommen: Faschingsdienstag 1945 kam der Tod tausendfach auch nach "Elbflorenz". Die Bomben, die alliierte Flugzeuge in mehreren Tages- und Nachteinsätzen ausklinkten, vernichteten das Zentrum einer der schönsten Städte Europas.

In wenigen Stunden wurden aus den meisten Zeugnissen höfischen Glanzes der Barockzeit brennende Ruinen. Semperoper, Zwinger, Schloss und Frauenkirche - das Alte Dresden versank in Schutt und Asche. Die einstige Königsresidenz war nach Hamburg, Köln, Würzburg, Nürnberg und Berlin eine der letzten deutschen Großstädte im Fadenkreuz der Anti-Hitler-Koalition. Etwa 35.000 Menschen starben.

Von den späteren Gedenkfeiern in Dresden ging schon immer eine Botschaft für Frieden und Versöhnung aus. Trotz der Schrecken haben viele Dresdner die Vorgeschichte des Angriffs nicht vergessen. Schließlich hatte Hitler-Deutschland bereits britische Städte wie London, Birmingham und Coventry aus der Luft angegriffen.

Obwohl beide Seiten militärische Ziele anführten, gab es im gnadenlosen Bombenkrieg keine Schonung für Zivilisten und kulturhistorisch einmalige Bauten.

Missbrauch des Gedenkens nicht neu

In Dresden hat der Schmerz über den Verlust wie in kaum einer anderen deutschen Stadt als "Erinnerungskultur" überlebt, auch wenn viele der damals zerstörten Bauwerke wiedererstand. "Die Stadt war damals auf den Angriff nicht vorbereitet. Im Unterschied zu Köln, Hamburg und Berlin fehlte Dresden die tägliche Erfahrung von Bombenangriffen", sagt der Historiker Reiner Pommerin. Die tödliche Effizienz der Bomber und der Blick auf die hohen Opferzahlen hat bei einem Teil der Betroffenen aber auch den Blick auf Ursachen getrübt.

"60 Jahre Gedenken an die Zerstörung Dresdens heißt auch sechs Jahrzehnte Missbrauch dieses Ereignisses für eigene politische Zwecke", sagt Matthias Neutzner von der Interessengemeinschaft 13. Februar 1945. In deren Regie laufen viele Gedenkveranstaltungen.

Gerade zum 60. Jahrestag ist das Bemühen um Vereinnahmung deutlich. Rechtsextreme benutzen die Bombardements gern als Paradebeispiel für alliierte Kriegsverbrechen, rechnen Opferzahlen hoch und stellen die Schuldfrage losgelöst vom Kriegsgeschehen. Mit dem Einzug der NPD in den Landtag bekamen solche Theorien inzwischen eine offizielle Bühne.

Historiker wie Pommerin oder sein britischer Kollege Frederick Taylor werden nicht müde, die Luftangriffe in einen größeren Kontext zu stellen und damit ein Begreifen des scheinbar Unbegreiflichen zu ermöglichen. "Die Briten wollten das Vordringen der russischen Front erleichtern", sagt Pommerin. Dresden habe als Eisenbahnknotenpunkt für Truppentransporte gen Osten in Zielplanungen der Militärs eine Rolle gespielt. Die Ausweitung der Flächenbombardements betraf in Sachsen auch Chemnitz, Leipzig, Plauen und Zwickau.

Insgesamt waren 39 deutsche Großstädte ins Fadenkreuz der Bomber geraten, die den Widerstand der Zivilbevölkerung brechen und sie zum Aufstand gegen die Nazi-Diktatur bewegen sollte. Der Feuersturm kehrte an seinen eigentlichen Herd zurück. Allerdings nahm das Zerstörungswerk ebenso wenig Einfluss auf den Kriegsverlauf wie die blindwütigen "Vergeltungsschläge" deutscher Bomben auf Antwerpen oder London. Im Bombenkrieg wurde der Mensch zum Verlierer. Im Fall von Dresden kam eine kulturelle Dimension hinzu. "Die Zerstörung Dresdens war nicht nur ein Verlust für Deutschland, sondern für die ganze Menschheit", sagte der Brite Taylor.

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