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Auschwitz-Chronik Ein fabrikmäßig organisierter Massenmord

In Auschwitz, dem größten Vernichtungslager der deutschen Nationalsozialisten, wurden zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen ermordet. Die Chronik zeigt die Entwicklung des 1940 gegründeten Lagers in Südpolen.

20.01.2005 00:01

Frankfurt/Main (ap). In Auschwitz, dem größten Vernichtungslager der deutschen Nationalsozialisten, wurden zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen ermordet. Die Chronik zeigt die Entwicklung des 1940 gegründeten Lagers in Südpolen. Mit seinen Gaskammern und Krematorien wurde Auschwitz zu einem Symbol des fabrikmäßig organisierten Massenmords an den europäischen Juden.

1940

April: Die SS beschließt, in dem an einem Eisenbahnknotenpunkt gelegenen Auschwitz (Oswiecim) ein Konzentrationslager zu errichten. Einbezogen werden Häuser und Holzbaracken eines 1916/17 gebauten Lagers für polnische Wanderarbeiter, die in Preußen Saisonarbeit verrichteten ("Sachsengängerlager").

4. Mai: Der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, ernennt Rudolf Höß zum Lagerkommandanten.

14. Juni: Auschwitz geht als Quarantäne- beziehungsweise Durchgangslager mit einer geplanten Kapazität von zunächst 10.000 Häftlingen in Betrieb. Die ersten Häftlinge sind 728 politische Gefangene aus Polen - hauptsächlich Studenten, Gymnasiasten und Militärangehörige.

August/September: Weitere große Transporte mit 1.666 und 1.705 Häftlingen treffen ein. Nahezu alle werden mindestens zehn Stunden täglich beim Ausbau des Lagers eingesetzt. Ihre Namen werden durch Nummern ersetzt, ihre Köpfe rasiert, sie müssen gestreifte Anzüge aus grobem Drillich tragen.

1941

Frühjahr: Der Frankfurter Chemiekonzern IG Farben baut in Monowitz, sieben Kilometer vom Stammlager entfernt, eine neue Fabrik für das Spezialgummi Buna. Es ist mit Kosten von 600 Millionen Reichmark eines der teuersten Investitionsprojekte des Reichs im Zweiten Weltkrieg.

1. März: Himmler besucht zum ersten Mal Auschwitz. Der IG-Farben-Fabrik werden tausende Häftlinge als Zwangsarbeiter zugewiesen. Das Stammlager wird auf eine Kapazität von 30.000 Gefangenen hin ausgebaut.

August/September: Die SS verübt versuchsweise die ersten Massentötungen mit dem Blausäuregift Zyklon B.

Oktober: Zwei Kilometer vom Stammlager entfernt beginnt der Bau des Lagers Birkenau für zunächst 50.000 Häftlinge, geplant ist eine Ausbaukapazität von bis zu 200.000 Insassen. Später werden insgesamt 45 Zwangsarbeitslager in der Umgebung gebaut.

1942

Januar: Die erste provisorische Gaskammer in Birkenau mit einem Fassungsvermögen von etwa 800 Menschen, "rotes Haus" oder "Bunker I" genannt, wird in Betrieb genommen. Im Mai folgt das "weiße Haus" ("Bunker II"), in das 1.200 Personen passen. Die Leichen wurden im Krematorium des Stammlagers verbrannt oder in Massengräber geworfen.

26. März: Das Frauenlager wird eingerichtet.

Mai: Massentransporte mit Juden aus ganz Europa treffen ein. Die Selektion der Häftlinge nach ökonomischer "Verwertbarkeit" wird ab Juli die Regel. Es beginnt die systematische Vernichtung: Wer als nicht arbeitsfähig gilt, wird unmittelbar ermordet.

Juli/August: Etwas abseits der Häftlingsbaracken beginnt in Birkenau der Bau der neuen Krematorien II, III sowie später IV und V mit jeweils eigenen Gaskammern. Sie werden zwischen März und Juni 1943 in Betrieb genommen. Nach Berechnungen der Herstellerfirma Topf & Söhne aus Erfurt können täglich 4.756 Leichen verbrannt werden.

31. Oktober: Die ersten 2.000 Häftlinge werden in das neu errichtete Nebenlager Auschwitz-Monowitz direkt neben der Buna-Fabrik verlegt; Versorgung und Ernährung der Zwangsarbeiter war Sache der IG Farben. Mitte 1944 waren insgesamt 42.000 Auschwitz-Häftlinge als Zwangsarbeiter für deutsche Firmen im Einsatz, weitere 8.500 für SS-Unternehmen.

21. Juli: Die polnische Exilregierung veröffentlicht erstmals Meldungen über Vergasungsexperimente. Spätestens im Herbst 1943 erreichen die Schreckensmeldungen über die BBC die Weltöffentlichkeit.

1943

Februar: In einem Nebenlager für "Zigeuner" werden vom 21. Februar bis 21. Juli 1944 ingesamt 21.000 Menschen interniert.

Mai: Der Widerstand innerhalb des Lagers formiert sich unter dem Dach der "Kampfgruppe Auschwitz", Fernziel ist ein bewaffneter Aufstand. Die Kampfgruppe beschafft Lebensmittel und Ausweise, organisiert Fluchtversuche und schmuggelt SS-Dokumente nach draußen. Der NS-Arzt Josef Mengele beginnt seine verbrecherischen Experimente.

1944

Mai: Nach einjähriger Bauzeit im Lager Birkenau geht ein Nebengleis, die so genannte Judenrampe, in Betrieb.

Juni: Detaillierte Berichte von entkommenen KZ-Häftlingen über den Massenmord erreichen alliierte Stellen; auch Luftaufnahmen der US-Luftwaffe liegen vor. Trotzdem werden die Tötungsanlagen nicht bombardiert, jedoch fünfmal die benachbarten IG-Farben-Werke.

Sommer: Die Massenvernichtung erreicht einen letzten Höhepunkt. Zwischen dem 15. Mai und 9. Juli treffen 438.000 Menschen ein, hauptsächlich ungarische Juden. 85 Prozent werden sofort getötet.

Ab Juli: Sowjetische Truppen stehen im Juli 200 Kilometer vor Auschwitz. Die Räumung beginnt. Mit Lastwagen und Zügen werden Material und die Hälfte der 155.000 Häftlinge in Konzentrationslager im "Altreich" deportiert.

2. August: Mit der Vergasung von knapp 3.000 Menschen wird das "Zigeuner"-Lager aufgelöst.

7. Oktober: Unter den Häftlingen des Sonderkommandos, das in den Krematorien die Leichen verbrennen muss, bricht ein Aufstand aus.451 Gefangene werden getötet.

November: Auf Himmlers Befehl werden in allen Lagern die Vergasungen eingestellt. Die Gefangenen des Sonderkommandos demontieren die Tötungsanlagen, Mulden von Massengräbern werden mit Grasnarben getarnt.

1945

17. Januar: Mit der Evakuierung von 58.000 Insassen beginnt die letzte Phase der Räumung. Die meisten müssen tagelang zu Fuß Richtung Westen marschieren; dabei sterben Tausende. Die Lager-SS versucht fieberhaft, alle Zeugnisse des Massenmords zu verbrennen und Spuren zu verwischen.

19. bis 23. Januar: Die Häftlinge werden bei Gleiwitz und Wodzislaw Slaski in offene Güterwagen verfrachtet. In den Lagern im Westen kommen nur 43.000 der vormals 58.000 Häftlinge an. In Auschwitz räumt die SS die Wachtürme. Reste der Krematorien II und II werden am 20. Januar gesprengt, - 26. Januar: Das Krematorium V, wo bis zuletzt Exekutionen stattfinden und Leichen verbrannt werden, wird gesprengt.

27. Januar: Nachmittags erreichen Soldaten der Roten Armee das Lager und finden mindestens 600 Leichen vor. Im Stammlager, in Birkenau und Monowitz sind noch 7.000 Häftlinge am Leben. In den Magazinen finden die Befreier unter anderem 837.000 Damenmäntel und Kleider sowie 7,7 Tonnen transportfertig verpacktes Menschenhaar.

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