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60 JAHRE DANACH Geheimpost

Margarete Fahle-Obijou arbeitete in den letzten Kriegsmonaten im Büro eines Wehrbezirkskommandos in Dortmund. Über ihren Schreibtisch ging der Befehl, alle verbliebenen intakten Brücken und Hochöfen zu zerstören, damit die anrückenden alliierten Truppen nicht davon profitieren konnten.

28.02.2005 00:02

Meine Erinnerungen an die letzten Kriegsmonate sind mir immer noch sehr gegenwärtig. Es waren Erlebnisse, die ich nicht vergessen, nur verdrängen kann. Als Zivilangestellte an einem Wehrbezirkskommando saß ich im Vorzimmer des Kommandeurs und verwaltete in der Hauptsache die anfallende Geheimpost. Besonders wichtig war die "Geheime Kommandosache". Wehe, wenn hier ein Schriftstück verloren gegangen wäre! Diese Schriftstücke mussten bei einem Fliegeralarm im Keller, im Panzerschrank verschlossen werden. Und oft gab es Alarm!

Der geheime Befehl lautete: "Räumung, Lähmung und Zerstörung!" Hochöfen und Brücken, die durch Fliegerangriffe nicht zerstört waren, sollten durch uns zerstört werden. Der Feind sollte verbrannte Erde vorfinden.

Hitler hatte einmal gesagt: "Und sollte ich mich geirrt haben, dann geht ein Millionen-Volk mit mir zugrunde!" (Wir waren auf dem besten Weg dazu). Wie sollte ich als 20-jährige, junge Frau nach fünf Jahren härtestem Bombenkrieg damit fertig werden?

Meine ehemalige Dienststelle ist heute wieder eine Grundschule. Wenn ich die Kinder dort spielen und die Mütter Handarbeiten machen sehe, dann denke ich oft: "Warum musstest du dort Panzergräben ausheben? Ob diese Generation sich bewusst ist, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, sondern ein Geschenk des Himmels!"

Margarete Fahle-Obijou, Dortmund

Serie: Das Tagebuch, FR-Leserinnen und Leser berichten 60 Jahre danach

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