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1914-Gedenkfeier in Lüttich Gauck bekräftigt deutsche Verantwortung

Bundespräsident Joachim Gauck wiederholt bei der 1914-Gedenkfeier in Lüttich sein Plädoyer für eine wehrhafte Demokratie. Aktuelle Konflikte wie der im Nahen Osten und der in der Ukraine nannte der Präsident nicht namentlich, doch war der Bezug unmissverständlich.

Joachim Gauck bei der Begrüßung durch das belgische Königspaar Philippe und Mathilde vor der Abtei St. Laurent in Lüttich. Foto: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck hat das Gedenken an den Ersten Weltkrieg zum Anlass genommen, seine Forderung nach einer „aktiven und werteorientierten“ Außenpolitik zu bekräftigen.

Im belgischen Lüttich sagte er am Montag, aus der Geschichte erwachse eine gemeinsame Verantwortung für die Welt. „Wir können nicht gleichgültig bleiben, wenn Menschenrechte missachtet werden, wenn Gewalt angedroht oder ausgeübt wird. (…) Zeigen wir nicht nur in den Worten der Erinnerung und des Gedenkens, sondern auch durch unser Handeln in Gegenwart und Zukunft, dass wir unsere Lektion wirklich gelernt haben.“

Aktuelle Konflikte wie der im Nahen Osten und der in der Ukraine nannte der Präsident nicht namentlich, doch war der Bezug unmissverständlich: „Wieder wird in einer Region das Völkerrecht missachtet, in anderen Regionen der Welt das Kriegsrecht, oder unverhältnismäßige Gewalt wird in Konflikten eingesetzt.“ Gauck zeichnete ein düsteres Bild der derzeitigen Weltlage und verurteilte Gewalt, Bürgerkriege und Terror. „Immer noch werden politische, völkische oder religiöse Überzeugungen instrumentalisiert, um als Rechtfertigung von Gewalt und Mord zu dienen.“

Deshalb forderte er: „Wir müssen aktiv eintreten für Freiheit und Recht, für Aufklärung und Toleranz, für Gerechtigkeit und Humanität“, sagte er. Wie schon am Vortag in Frankreich würdigte er die europäische Integration. „Statt des Rechts des Stärkeren gilt heute in Europa die Stärke des Rechts.“

Bei der Gedenkfeier in Lüttich erinnerten ein Dutzend Staats- und Regierungschefs aus Europa an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Am 4. August 1914 hatten deutsche Truppen die belgische Stadt angegriffen, nachdem sie in der Nacht zuvor in das neutrale Belgien einmarschiert waren. Die Bürger der Stadt leisteten heftigen Widerstand, die deutschen Soldaten gingen mit großer Brutalität vor. An der Feier in Lüttich nahmen Gäste aus 80 Ländern teil, darunter Frankreichs Präsident François Hollande und der britische Prinz William mit seiner Frau Kate. Belgiens Königspaar Philippe und Mathilde begrüßte die hochkarätigen Gäste.

Gauck erinnerte auch an die deutschen Verbrechen im Ersten Weltkrieg. „Der Nationalismus hat beinahe alle Herzen und Hirne verblendet.“ Es sei heute noch beschämend, dass in Deutschland auch Intellektuelle und Kulturschaffende gerechtfertigt hätten, wie das deutsche Militär gegen Land und Leute vorgegangen sei und auch Kulturstätten zerstört hätte. Symbol dafür sei die Vernichtung der weltberühmten Bibliothek in Löwen mit unersetzlichen Werken. Am Nachmittag besuchte Gauck auch diese im Ersten Weltkrieg fast vollständig zerstörte flandrische Stadt.

Auf Einladung des britischen Premierministers David Cameron nahm er am Abend an einer Feier auf dem deutsch-britischen Soldatenfriedhof St. Symphorien bei Mons teil. Am 4. August 1914 hatte Großbritannien den Deutschen wegen des Einfalls in Belgien den Krieg erklärt. (mit dpa)

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