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Prager Frühling „Ich war immer antikommunistisch“

Ein Gespräch mit dem Grünen-Mitbegründer Milan Horácek über seinen Wandel vom Fundi zum Reformer und warum die AfD in unserer kapitalistischen Demokratie keine Chance auf eine Mehrheit hat.

Prager Frühling
Prag im August 1968: Protestierer stehen mit einer Fahne der Tschechoslowakei auf einem umgekippten Militärfahrzeug. Foto: dpa

Wenn heute jetzt die AfD antritt und sagt, sie will all diese Ziele und Ideale der 68er-Bewegung wieder konterkarieren und zurückdrehen, was halten Sie ihr entgegen?
Die AfD schafft es nicht. Wenn ich jünger wäre, würde ich mich mit denen prügeln. Es geht um eine Gruppierung, die grob intolerant und faschistoid ist. Ich kenne Alexander Gauland, den heutigen AfD-Vorsitzenden, seit 1981. Er war damals Büroleiter des Frankfurter Oberbürgermeisters Walter Wallmann. Er ist sehr gebildet ...

...Was hat Gauland zu dem gemacht, der er heute ist?
Damals war Gauland relativ liberal. Er hat uns Grüne Anfang der achtziger Jahre immer korrekt behandelt. Er sagte: Lernt erst mal, den städtischen Haushalt zu lesen und zu verstehen, dann könnt ihr euch auseinandersetzen.

Was ist mit Gauland geschehen?
Ich glaube, die CDU hat ihn in seinen Augen zu wenig gewürdigt. Das ist seine Antwort.

Eigentlich ist doch die AfD weit unter Gaulands Niveau.
Ja. Das trifft zu. Aber ich habe schon vor Jahren gewettet, dass er Vorsitzender wird. Denn in solchen Gruppierungen setzen sich Leute durch, die gezielt schweinisch sind. Solche Sätze wie zu Merkel: Wir werden sie jagen – das steht dafür. Das begeistert die AfD-Gefolgsleute.

Sie sagten vorhin, die AfD werde es nicht schaffen. Was haben Sie damit gemeint?
Die AfD stößt an eine gewisse Grenze, weil sie in einer aufgeklärten politischen kapitalistischen Demokratie wie Deutschland nicht die Mehrheit bekommen wird. Die Grünen entwickeln sich gleichzeitig immer mehr zur neuen politischen Mitte.

Sollte man sich mit Angela Merkel gegen Rechts verbünden?
Ja, das muss man sogar. Ich habe Angela Merkel in Prag kennengelernt, als sie Umweltministerin war. Manchmal sagte sie etwas auf Tschechisch zu mir. Sie hat in Prag einen Teil ihrer Doktorarbeit gemacht. An der Prager Universität waren Leute, die hätten zur Zeit des Faschismus wie des Kommunismus da sein können. Die Kombination von evangelischer Pastorentochter und Naturwissenschaftlerin gibt es nicht oft. Angela Merkel ist nicht schweinisch, sie besitzt einen Rest von Humanität.

Das Interview führten Claus-Jürgen Göpfert und Stephan Hebel

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