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Heinrich Trosch Ein kritischer Geist in der Kirche

Heinrich Trosch studierte in Frankfurt, als die Proteste begannen. Ein Gespräch über 1968 und die katholische Kirche, heimliche Treffen in Ost-Berlin und die Frage der politischen Verantwortung der Kirchengemeinden.

Heinrich Trosch
Heinrich Trosch, hier in seinem Wohnzimmer, hätte nach 1968 gerne bei einem katholischen Bildungsträger gearbeitet. Aber als kritischer Geist? „Keine Chance.“ Foto: Peter Jülich

Wie ging es für Sie weiter nach der Zeit an der Spitze der katholischen Studenten?
Ich habe versucht, bei einem katholischen Bildungsträger angestellt zu werden. Aber das scheiterte. Klaus Lang und ich waren persona non grata in der katholischen Kirche. Wir hatten keine Chance bei einer katholischen Organisation.

Ist der Funke der Revolte später übergesprungen auf die Gemeinden?
Teilweise. Einer von uns wurde Arbeiterpfarrer und Betriebsratsvorsitzender bei Neckermann in Frankfurt. Ein anderer aus unserer Generation war Franz-Walter Nieten, der Pfarrer im Frankfurter Gallusviertel wurde und dort die Arbeiter etwa von den Adlerwerken unterstützt hat.

Also hat die Revolte von 1968 etwas bewirkt in den Gemeinden?
Ja. Es gibt heute viele Basisgemeinden in der katholischen Kirche. Das sind häufig eingetragene Vereine und unterliegen nicht den Regeln der Kirchengemeinden. In Frankfurt existieren heute zwei Basisgemeinden. Das ist eine konkrete Folge von 1968. Eine tolle Sache. Und es gibt in allen Gemeinden kritische Mitglieder wie mich. Leider ist die Wahlbeteiligung für die Pfarrgemeinderäte sehr gering. 1968 sind in der katholischen Kirche viele Aufbrüche versucht worden. Aber viele sind auch gescheitert. Insgesamt bleibt der Prozess der Veränderung in der katholischen Kirche schwierig und langwierig.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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