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Eintracht Frankfurt 1968 Die Eintracht im März 1968

Was war bei Eintracht Frankfurt im Jahre 1968 los? Die Frage kann beantwortet werden, indem wir einen Blick in die FR vor 50 Jahren werfen.

Jürgen Grabowski
Jürgen Grabowski vor dem 5:3 gegen Werder Bremen am 26.8.1967. Foto: Imago

Am 26. Februar 1968 wurde groß gefeiert, der Rosenmontag machte alle Narren ganz jeck. Vielleicht ja auch die Kicker von Eintracht Frankfurt, denn die hatten am Wochenende die Fußballstiefel nicht schnüren müssen. Das Pokal-Achtelfinale beim 1. FC Köln war ausgefallen und wurde erst am 12. März nachgeholt.

Die Woche danach stand aber ganz im Zeichen von Jürgen Grabowski. Die FR machte sich jedenfalls große Sorgen um den 23-Jährigen, dem der Arzt äußerste Ruhe verordnet hatte. „Was ist mit Jürgen Grabowski los?“, fragte die FR am Dienstag ganz besorgt und klärte ihre Leser*innen darüber auf, dass die langwierige Grippe, die den Eintracht-Rechtsaußen schon vier Wochen lang geplagt hatte, weiter zum Zuschauen verurteilte. Training komme erst in acht bis 14 Tagen wieder in Frage, erklärte Grabowski auf Nachfrage, jede Anstrengung sei ihm untersagt.

Auch das von Trainer Elek Schwartz geführte (und von der FR ausgiebig zitierte) Krankenbuch bestätigte einmal: „Sofort aussetzen!“ Welche Symptome dieses Fußballverbot notwendig machten, erschloss sich FR-Autor Ludwig Dotzert nicht ganz. „Man läßt jedoch die Feststellung gelten, daß eine verschleppte Grippe die Organe schädlich beeinflussen kann. Völlig einig sind sich sämtliche Beteiligten darin, im Fall Grabowski nichts zu übereilen.“ Eine weise Entscheidung.

Jürgen Grabowski tippt

Fußballerisch zum Nichtstun verurteilt, hatte der Nationalspieler aber Zeit, um tags darauf beim beliebten FR-Tippspiel mitzumachen. Natürlich setzte Grabi im Spiel der Eintracht (damals Tabellen-14. mit 22:24-Punkten) gegen Hannover 96 (8., 24:22-Punkte) auf einen Sieg der SGE. Und warum auch nicht? Hannover war ja damals die  „Mannschaft der geplatzten Illusionen“, wie der Bericht über den Eintracht-Gegner an diesem Tag betitelt war. Ludwig Dotzert jedenfalls wusste zu berichten, dass mit den „einst so soliden und biederen Niedersachsen seit Beginn der vorigen Saison die Gäule durchgegangen“ seien. Huch, was da wohl geschehen sein mag?

Nun, die „750.000 DM des Vereinsvermögens, die der Kassierer der 96er vor dieser Saison in den Ankauf des Jugoslawen Skoblar, des Mönchengladbacher Heynckes und diverser anderer Anschaffungen steckte, erwiesen sich schlicht als glatte Fehlinvestition“. Logisch also, dass Grabowski die Eintracht als Sieger sah. Und seine weiteren Tipps in der Toto-Zwölferwette, die erst 1969 zur Elferwette wurde? Dem damaligen Spitzenreiter 1. FC Nürnberg sagte er ein Unentschieden bei 1860 München (9.) voraus, auch dem Tabellenzweiten Bayern München traute er beim Hamburger SV (13.) nur ein Remis zu.

Im Bild die komplette Liste, wobei die beiden hinteren Reihen nicht von ihm stammten, sondern, wie die FR mitteilte, von der Redaktion als Ergänzung hinzugefügt worden waren.

Spannend für den Zocker waren natürlich auch die Tipps für die Auswahlwette „6 aus 39“. Ob aber die „Goldene Reihe (gute Nulltendenz)“, die „Silberne Reihe (mittlere Nulltendenz)“ oder die „Bronzene Reihe (Überraschungstendenz für Null)“ am besten abschnitt, muss hier offen bleiben.

Das Spiel gegen Hannover

1968 war ein Schaltjahr, doch am 29. Februar war die Eintracht kein Thema im Blatt. Erst am Freitag, dem 1. März, erfuhr man Neues aus dem Riederwald: Eine sid-Meldung informierte die Leser*innen, dass Frankfurt am Samstag gegen Hannover 96 unverändert antreten werde. Nebenstehend die geplante Aufstellung.

Am Spieltag selbst ging die FR in ihrer Gesamtvorschau auch noch mal auf das Spiel der Eintracht ein. Die Mannschaft habe ihre Enttäuschungen gegen Hannover schon hinter sich, hieß es dort, und leider böten sich neue Spieler nicht an – und das, „obwohl die Verantwortlichen in jedem Training mit der Lupe nach ihnen suchen.“ Was blieb da also zu tun? Die FR wusste Rat: „In solchen Fällen hilft meistens nur die Flucht nach vorn, und da auch die Hannoveraner dem entlassenen [Trainer] Buhtz zum Trotz stürmen wollen, dürfte an diesem Samstag so schnell keine Langeweile aufkommen.“

Na, das versprach ja eine ganze Menge Spektakel. Trotzdem wollten am Ende nur 12.500 Zuschauer das Spiel im Waldstadion sehen. Und das Ergebnis? Nun, Grabowski sollte recht behalten, die Eintracht gewann mit 3:0.

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