Lade Inhalte...

Das Erbe von 1968 „Armut ist nicht alternativlos“

Thomas Gebauer von „medico“ über Chancen und Tücken der humanitären Hilfe, die internationalistische Tradition von 1968 und „seinen“ Neubau in Frankfurt. Ein Gespräch unter Freunden.

Mathis Bromberger
„Es wurde alles Mögliche probiert“: Der Frankfurter Arzt Mathis Bromberger (links) 1971 bei der Arbeit mit Flüchtlingen aus Bangladesch in Indien. Foto: medico international

Ein milder Abend, wir sitzen beim Bier und besprechen das Interview, das ich in ein paar Tagen mit Thomas Gebauer führen will. Wir kennen uns seit 30 Jahren und sind befreundet. Ich habe ein paar Jahre im Vorstand von „medico international“ mitgearbeitet und gehöre jetzt dem Kuratorium der medico-Stiftung an. Es kann also kein klassisches Interview werden, sondern ein Gespräch unter Freunden.

Thomas Gebauer: So, 68. Es gibt ja in der FR diese lange Serie …

Stephan Hebel: Ja, genau, dazu gehört das Interview.
Rudi Dutschke hat 1968 etwas Großartiges gesagt: dass radikale Opposition, die ein schöpferisches Leben unabhängig von Krieg, Hunger und repressiver Arbeit durchsetzen will, notwendigerweise global kämpfen muss. Und das, bevor die Globalisierung, wie wir sie heute kennen, begonnen hat.

Langsam, das kannst Du mir dann im Interview erzählen! Fragt sich nur, wie wir anfangen sollen. Mit Nicaragua? 
Ja. El Tanque wäre gut, da war ich gerade im Januar.

Ein paar Tage später treffen wir uns wieder, jetzt in Thomas Gebauers Büro:

Was macht eigentlich El Tanque?
Es ist ein bisschen in die Jahre gekommen.

Ich kenne El Tanque, ich war ja im Jahr 2000 auf Einladung von euch, von medico, da. Da war das neue Dorf gerade fertig. Eine Gruppe von Bauern, deren Häuser und Felder 1998 beim Hurrikan „Mitch“ zerstört worden waren, hatte es aufgebaut und eine Genossenschaft gegründet.
Ja, ich war in der Anfangszeit auch schon mal dort, und ich habe eine wunderbare, neu gestaltete Landschaft in Erinnerung, mit frisch gestrichenen Häusern. Jetzt ist die Farbe ab, es gibt auch soziale Konflikte.

Inwiefern?
Die sandinistische Revolution vor 40 Jahren hat einerseits das Selbstbewusstsein der Leute gestärkt: Man spürt den Stolz, einen Diktator gestürzt und die Armee ausgetauscht zu haben. Auf der anderen Seite gibt es einen autoritär gewendeten Herrscher, den ehemaligen Revolutionär Daniel Ortega. In El Tanque gerät die selbstbewusste Kooperative in Konflikt mit den Ortega-Komitees, die gern die Kontrolle gewinnen würden.

Das klingt nicht gerade positiv.
Aber jetzt kommt die gute Nachricht: Die Kooperative steht heute hervorragend da. Es geht den Leuten wirtschaftlich gut, die Kinder haben Ausbildungen gemacht und viele haben gute Jobs. Es ist eine Menge erreicht worden – auch wenn der europäische Blick, der sich gern auf schön angemalte Häuschen richtet, ein bisschen enttäuscht wird.

Warum funktioniert es ausgerechnet dort?
Das Wichtigste ist wohl die Mischung aus Gemeineigentum und Privatbesitz: Der gemeinschaftliche Besitz ist groß genug, um die Kooperative stark zu halten, aber der private genügt, um persönliche Bedürfnisse zu befriedigen.

Was ist an diesem Projekt so modellhaft für die Arbeit von medico international?
Nach dem Hurrikan haben die Menschen dort eine brachliegende Hacienda besetzt und dann die Legalisierung erkämpft. Sie haben also nicht auf Hilfe von außen gewartet, sondern selbst die Grundlage dafür geschaffen, dass eine von außen kommende Hilfe auch fruchten kann. 

medico betont immer wieder, dass es auch um eine Veränderung der politischen Verhältnisse gehe. Andererseits gibt es Hunderte Projekte, die stattgefunden haben, ohne dass sich politisch etwas geändert hätte.
Als wir seinerzeit nach Nicaragua kamen, haben uns Menschen, die in Armut lebten, gesagt: Viel besser ist es noch nicht geworden, aber heute wisst ihr wenigstens, dass es uns gibt. Auch das ist ja schon eine Veränderung. Insgesamt haben die Projekte meistens dann Erfolg, wenn es gleichzeitig Veränderungsprozesse in der Gesellschaft gibt. Die Armut ist politisch gemacht und weder schicksalhaft noch alternativlos. Wenn wir mit unserer Arbeit dazu beitragen wollen, Menschen aus Not und Unmündigkeit zu befreien, dann geht das nur, wenn wir in die politischen Verhältnisse eingreifen. 

Hast Du ein Beispiel?
Nehmen wir Bangladesch: Das Land ist überhaupt erst 1971 mit der Loslösung von Pakistan als eigener Staat entstanden, praktisch ohne Verwaltungsstrukturen. Das war die Geburtsstunde von NGOs, die Beispielhaftes entwickelt haben. Sie betreiben eigene Universitäten, sie haben pharmazeutische Betriebe in Eigenregie aufgebaut und die Überschüsse in Sozialprojekte gesteckt. So ist etwas ganz Neues entstanden.

In Bangladesch wart ihr schon sehr früh aktiv. Wie hat das Ganze überhaupt angefangen?
Die Gründung von medico 1968 war keine Initiative von radikalen Menschen. Das waren Frankfurter Bürger, die die Bilder aus Vietnam oder Biafra im Fernsehen gesehen hatten. Sie wollten nicht mehr nur demonstrieren, sondern konkret etwas tun.

Aber später habt ihr dem Konkreten das Allgemeinpolitische wieder hinzugefügt …
Ja. Wir sind schon bald auf Dutschkes Aussage von 1968 zurückgekommen. Global zu handeln, bedeutet eben auch: Wenn wir grundlegend etwas ändern wollen, müssen wir zu Hause anfangen – ohne die Projekte im Süden zu vernachlässigen. Deshalb gibt es Netzwerke wie die „Deutsche Plattform für globale Gesundheit“, wo einzelne Personen aus Gewerkschaften oder Ärzteverbänden – die Institutionen als Ganze leider nicht – über gesundheitspolitische Fragen beraten.

Welche Fragen zum Beispiel?
Wie können wir es schaffen, dass die Gewerkschaften auf die Arbeitsplätze im Braunkohlebergbau verzichten? Da geht es sehr wohl um globale Gesundheit. Etwas zugespitzt: Wer seine eigene Lebensweise nach solidarischen und ökologischen Kriterien umstellt, hilft den Elenden und ihrer Emanzipation mehr als mit einer Spende. 

Auch so ein zentrales Wort bei euch: Emanzipation…
Ja, aber wir meinen es durchaus anders als der Neoliberalismus, der inzwischen leider unter Grünen verbreitet ist. Uns geht es nicht um eine von oben aufgesetzte Freisetzung von Menschen, denen man sagt: Seht selbst, wie ihr zurechtkommt. 

Aber die liberale Forderung nach Freiheit und Selbstentfaltung des Individuums wird doch dadurch nicht falsch…
Absolut nicht! Aber Freiheit geht nur unter den Bedingungen sozialer Sicherung, und soziale Sicherung ist nichts wert ohne Freiheit.

Hast Du ein aktuelles Beispiel?
Ein Grundeinkommen, von dem jede und jeder Einzelne privat für Gesundheit oder Bildung aufkommen muss, hätte mit Freiheit nichts zu tun. Ein Grundeinkommen hat nur Sinn, wenn es von einer sozialen Infrastruktur begleitet wird. Umgekehrt sollten auch Linke verstehen, dass Freiheitsthemen wie zum Beispiel Minderheitenrechte keine „Nebenwidersprüche“ sind. Wir sollten nicht das Motiv der 68er übersehen, individuelle Subjektivität gegen eine formierte Gesellschaft zu verteidigen, in der der Mensch nur noch als kleines Rädchen im Getriebe funktioniert – auch wenn ein Teil von ihnen später wieder in repressiven Strukturen wie den K-Gruppen oder der RAF gelandet ist.

Womit wir wieder bei den Anfängen von medico sind…
In den ersten zehn Jahren wurde alles Mögliche ausprobiert, von der Entsendung von Hilfspersonal in Katastrophengebiete bis zur Unterstützung von Befreiungsbewegungen. Während der zweiten Dekade haben wir dann mit dem Ziel „Gesundheit für alle“ ein strategisches Grundkonzept entwickelt.

Da warst Du schon dabei…
Ich habe 1979 bei medico angefangen, mit 24, und ich habe diese Zeit als echten Aufbruch erlebt. Damals gründeten sich die Grünen und auch die taz, und das war für uns wichtig: Wir hatten ein neues Medium, über das wir uns äußern konnten, und eine politische Partei, die mit der zugleich wachsenden Solidaritätsbewegung verbunden war. Aber bald wurde klar, dass mit voranschreitender Globalisierung die Zeit nationaler Befreiungen zu Ende kam.

Und die dritte Dekade?
Nach dem Fall der Mauer ging es um andere Formen der Einflussnahme, vor allem um globale Rechte. In dieser Zeit, 1991, entstand unsere Kampagne gegen Landminen.

Wie seid ihr darauf gekommen?
Das ergab sich von selbst: Wir kümmerten uns damals um die Versorgung von Kriegsopfern, die häufig durch Minen verletzt wurden. Wir hatten Kontakt zu Vietnamveteranen, zum Beispiel zu Dave Evans aus West Virginia, der im Vietnamkrieg beide Beine verloren hatte und dann selber Prothesen herzustellen begann. Er hat für uns die Partner in den Prothesenwerkstätten ausgebildet, erst in Kuba salvadorianische Kriegsopfer, dann in Angola und an vielen anderen Orten. Es kann ja kaum jemanden geben, der das überzeugender macht als einer, der selbst zwei Prothesen trägt. Und dann natürlich Bobby Muller, der Aktivist der kritischen Veteranenbewegung. Das ist derjenige, über den Bruce Springsteen sein großes Lied gesungen hat: Born in the USA. Zusammen mit Bobby habe ich die Initiative für die Minenkampagne ergriffen.

Am Ende stand 1997 das weltweite Verbot der Landminen, und ihr habt gemeinsam mit euren Partnerorganisationen den Friedensnobelpreis bekommen. Ich darf Dich also Nobelpreisträger nennen…
In gewisser Hinsicht schon, weil wir es ja auch sind. Ich hätte im Leben nicht geträumt, dass ich so etwas erlebe. Aber entscheidend war der Moment, als der Vertrag über das Verbot der Landminen abgeschlossen wurde. Es war großartig, zu spüren, wie eine kleine Initiative sich so entwickelt, dass sie am Ende die Staatenwelt zu einem Zugeständnis zwingen kann. Die ganze Kampagne war ja ohne feste Strukturen ausgekommen: Es gab kein eigenes Büro, kein Personal, nicht mal ein Konto. Das brauchten wir erst, als das Nobelpreis-Komitee anrief und fragte, wohin sie das Geld überweisen sollen. 

Ich war an dem Tag bei euch, und es ist einiges an Sekt geflossen.
Klar haben wir gefeiert. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie abends in den Nachrichten unsere Sammlung von Sektgläsern gezeigt wurde. Da waren keine zwei gleichen dabei.

Was habt ihr mit dem Preisgeld gemacht?
Das wurde für die weitere Arbeit in der Kampagne verwendet. Es ging und geht um die Durchsetzung des Verbots und um die Versorgung von Opfern.

Das waren die 90er-Jahre. Und dann?
Seit 2000 haben wir uns immer stärker kritisch mit dem Thema Hilfe selbst auseinandergesetzt. Da entstand das Motto „Hilfe verteidigen, kritisieren, überwinden“.

Was bedeutet das?
Menschen in Not darf man Hilfe nicht verweigern. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Entsolidarisierung bemühen wir uns um die Verteidigung von Hilfe. Wir stellen aber auch fest, wie Hilfe dazu beiträgt, bestehendes Unrecht abzufedern, oder dazu dient, Geschäftsinteressen zu bedienen. Solche Hilfe müssen wir kritisieren, und wir müssen darauf dringen, dass eine nur wohltätige Hilfe abgelöst wird durch gesellschaftliche Institutionen, die einen Rechtsanspruch auf soziale Unterstützung gewährleisten.

Das wirkt wie eine grundsätzliche Kritik an anderen Hilfsorganisationen.
Ich sage nicht, dass alle alles falsch machen. Ich glaube aber, dass manche Organisationen den ersten Schritt – konkret helfen, wo gerade Not ist – überhöhen, etwa nach dem Motto: Die Welt ist, wie sie ist, es entsteht halt Elend, und das mildern wir ab. Es geht aber um die nachhaltige Überwindung von Not und Krankheit. Das erfordert die Schaffung menschenwürdiger Lebensumstände.

Was müsste geschehen, um das Recht auf Gesundheit zu garantieren?
Wir fordern zum Beispiel eine „globale Bürgerversicherung“.

Nach dem Vorbild der deutschen Sozialsysteme?
Einerseits ja, denn diese Systeme sind durchaus besser als vieles, was es anderswo in der Welt gibt. Andererseits tragen sie immer auch ein Element der Disziplinierung in sich: Sie sind ja seinerzeit als Gegenmodell zur Selbstorganisation der ersten Arbeitervereine und Gewerkschaften entstanden. Wir stellen uns ein System vor, das von unten demokratisch organisiert ist. Es wäre auch das Gegenmodell zu der Tendenz, Krankheitskosten auf die Einzelnen abzuwälzen. Auf Dauer werden wir die eigenen Sozialsysteme nur erhalten können, wenn sie ins Globale ausgeweitet werden. 

Dann kommen wir jetzt zum fünften Jahrzehnt.
Da rückt immer stärker der Aspekt in den Vordergrund, den wir mit einem Romantitel von Ilija Trojanow zum Motto unseres Jubiläums gemacht haben: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. 

Das heißt?
Der Psychoanalytiker und Ethnologe Paul Parin hat mir 2004 in einem Interview gesagt: „Wenn es euch gelingt, zu zeigen,  dass es auch anders geht, habt ihr schon viel gewonnen.“ Das war für mich wie ein Auftrag: Es geht um Orte, wo Prinzipien wie Selbstorganisation und Solidarität wieder konkret werden können. So etwas wie El Tanque.

Du bist seit 1996 Geschäftsführer, seit 1979 bei medico. Aber die Ziele, die Du skizzierst, liegen in weiter Ferne. Woher nimmst Du eigentlich die gute Laune, um Deinem Standardsatz „Die Welt ist schlecht“ jedes Mal ein „Das Leben ist schön“ hinterherzuschicken?
Es gibt eine unglaublich vielfältige Bereitschaft zu alternativem Handeln. Viele Menschen versuchen, mit den Verhältnissen auf andere Weise umzugehen und das Leben schön zu machen. Das zu spüren, gibt einem Stärke.

Ich erinnere mich an eine Diskussion, die wir mal über den Begriff Öffentlichkeit hatten. Ich habe immer an die Art von öffentlichem Raum gedacht, den die Medien bespielen, also letztlich die ganze Gesellschaft. Du hast den Begriff ganz anders definiert…
Wir haben nie den Anspruch gehabt, das, was medico denkt, in einem großen Schritt in die sogenannte Mainstream-Öffentlichkeit zu bringen. Das würde auch nur gehen, indem man viele Abstriche vom eigenen Denken macht…

…außer im Interview mit der FR.
Witzbold! Wir nutzen natürlich jede Gelegenheit, um das zu sagen, was wir denken. Aber wir rechnen nicht damit, dass die Positionen und Ideen von medico jeden Abend in den Hauptnachrichten gesendet werden. Wir sind Teil einer kritischen, unabhängigen Öffentlichkeit, und auf diese Weise versuchen wir, breite Unterstützung zu finden und Diskurse zu verändern. 

Wir sitzen hier in einem nagelneuen Gebäude, das die medico-Stiftung aus den Zuwendungen vermögender Menschen finanziert hat. Mit den Mitteln des Kapitalismus die kapitalismuskritische Arbeit zu finanzieren: geht das?
Die Stifter sind keine Kapitalisten. Es sind Menschen, die Erbschaften gemacht haben und Vermögen abgeben wollen. Sicher: Der Bau eines Hauses ist Teil der Prozesse am Immobilienmarkt. Aber wir haben damit versucht, das Geld aus dem Kreislauf der Finanzindustrie herauszunehmen. Wir nutzen die Immobilie gemeinsam mit gleichgesinnten Organisationen. Wir versuchen also so etwas wie eine interne solidarische Ökonomie: Die Miete, die wir alle im Haus zahlen, fließt in die Projekte von medico. 

Ihr bietet hier im Haus zahlreiche Veranstaltungen an, auch zu Frankfurt-bezogenen. Was hat das mit Eurem globalen Ansatz zu tun?
Eine Menge! Nicht nur durch die hier ansässigen Banken, die an der globalen Zerstörungsdynamik nicht unbeteiligt sind, sondern auch dadurch, dass sich in Frankfurt viele Migranten angesiedelt haben, die Stadt längst eine globale ist. Das gibt es viele Berührungspunkte. Das Grundrecht auf Wohnen etwa, aber auch die Frage des Umgangs mit der Vergangenheit. In der Betreuung von Kriegs- und Terroropfern in Afghanistan arbeiten wir mit Methoden, die man auch im Frankfurter Historischen Museum mit seiner „Bibliothek der Generationen“ sehen kann. Am 1. Juni eröffnen wir bei uns im Haus eine gemeinsame Ausstellung mit sogenannten „Memory-Boxen“ aus Afghanistan. 

Demnächst wechselst Du als Geschäftsführer in die medico-Stiftung. Was ist Deine Bilanz nach fast 40 Jahren?
Als ich hier anfing, waren wir sechs Zivildienstleistende und drei Festangestellte. Heute sind wir mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das klingt nach Erfolg, ist aber nur die halbe Wahrheit: Die Verhältnisse in der Welt sind ja nicht besser geworden. Das spricht aber nicht gegen die Richtigkeit unserer Ideen von Emanzipation und Gerechtigkeit. 

Wie geht es weiter?
In den kommenden Jahren erwartet uns eine noch stärkere Indienstnahme von Hilfe für Sicherheitspolitik und für Wirtschaftsinteressen, auch ein immer stärkerer Zugriff von Herrschaftsinteressen auf noch bestehende Räume der Emanzipation. Da wird es einiger Abwehrkämpfe bedürfen. 

Das klingt pessimistisch.
Ich mache mir aber keine Sorgen, dass es nicht gelingt. Ich stelle eine wachsende Empörung bei vielen Menschen fest, die überhaupt nicht einverstanden sind mit der Entsolidarisierung in der Gesellschaft. 

Wenn Du persönlich zurückblickst: Was war das Wichtigste für Dich?
Mich begeistert, dass es möglich ist, Kontinuität im Leben zu bewahren. Es gibt in Deutschland nicht viele Arbeitsplätze, die diese Gestaltungsfreiheit, diese Unabhängigkeit und diese Möglichkeiten für politische Arbeit bieten. Dass ich das, was ich mir als von 68 geprägter Schüler erträumt habe, hier verwirklichen konnte, das ist ein großes Geschenk.

Interview: Stephan Hebel

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen