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Bobby Kennedy Tod eines Hoffnungsträgers

Robert F. Kennedy war Polit-Stratege und für den Vietnam-Krieg, doch die Ermordung seines Bruders veränderte ihn von Grund auf. Als Präsidentschaftskandidat setzte er sich 1968 für die Schwachen und Unterdrückten ein – und dann fielen wieder tödliche Schüsse.

Attentat auf den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy 1968
Die Menge ruft „We want Bobby“: Robert F. Kennedy und seine Frau Ethel wenige Minuten vor seiner Ermordung am 4. Juni 1968 im Ambassador Hotel in Los Angeles. Foto: epd

Die Menge ist ekstatisch, als Robert Kennedy am 4. Juni 1968 im Ambassador Hotel von Los Angeles ans Mikrofon tritt, Kennedy muss Minuten warten, bis die „We want Bobby“-Rufe abebben. Kennedy hat an diesem Tag die Vorwahlen zur Präsidentschaft in Kalifornien gewonnen – und ist damit dem Weißen Haus einen entscheidenden Schritt näher gekommen.

Es liegt Hoffnung in der Luft, ganz ähnlich wie während der Präsidentschaftswahl 2008, als die Möglichkeit der Wahl von Barack Obama einen neuen Kurs für das Land versprach. Amerika ist im Juni 1968 zutiefst zerrissen, es scheint, als würde das Land im Chaos versinken. Kennedy scheint in dieser Lage der einzige, der die Menschen in den USA einander wieder näher bringen kann.

In den Monaten vor der Vorwahl in Kalifornien waren der Zorn und die Frustration auf den Straßen Amerikas eskaliert. Die wachsende Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg geriet in immer härtere Auseinandersetzungen mit der Staatsgewalt. Nach der Ermordung von Martin Luther King im April waren in Dutzenden von Städten Unruhen ausgebrochen. Die schwarze Bürgerrechtsbewegung radikalisierte sich. Ein versöhnlicher Weg in die respektvolle Koexistenz, wie King ihn gepredigt hatte, schien immer unmöglicher. Bei einer Schießerei mit der Polizei in Oakland war im April Bobby Hutton, einer der Anführer der Black Panther Partei, umgekommen.

Worte, nach denen sich Menschen sehnen

Wie schon während seines gesamten Wahlkampfes, findet Kennedy in diesem Augenblick genau jene Worte, nach denen sich die Menschen sehnen: „Wir können das überwinden, was unser Land in den vergangenen Jahren geplagt hat“, sagt Kennedy, „die Spaltung, die Gewalt, die Desillusionierung. Wir können es schaffen, zusammen zu kommen, wir sind ein Volk, das mitfühlen kann, und ich werde diese Fähigkeit zum Mitgefühl wieder zur Grundlage unserer Gesellschaft machen.“

Der Applaus für die Rede ist kaum verklungen, als die Schüsse durch die Hotelgänge des Ambassador hallen, die Bobby Kennedy töten. In der Küche, die Kennedy durchquert, um diskret zum Hinterausgang zu gelangen, wartet der Palästinenser Sirhan Sirhan auf Kennedy – und feuert aus nächster Nähe acht Schüsse ab.

Kennedy wird noch in der Nacht nach New York geflogen, wo er 24 Stunden später seinen Verletzungen erliegt. Als am 8. Juni sein Sarg mit dem Zug auf den Nationalfriedhof Arlington in Washington überführt wird, kommen Hunderttausende von Menschen an die Gleise, um Abschied zu nehmen. Die Trauer eint die Nation – vielleicht zum letzten Mal. Es ist eine tiefe Trauer nicht nur um einen Mann, sondern vor allem auch um die Hoffnung einer gesellschaftlichen Versöhnung.

Die Menschen hatten Robert Kennedy vertraut. „Kennedy hatte den Nimbus der Authentizität“, schreibt sein Biograf Joseph Palermo. „Es war eine Authentizität, die nicht aus Fokus-Gruppen und Sitzungen mit PR-Beratern entstanden ist, sondern aus Lebenserfahrung.“

Robert Kennedy hatte vor den Augen des ganzen Landes eine dramatische Transformation durch den Tod seines Bruders erfahren. Als Wahlkampfchef von John F. Kennedy, später auch als Justizminister, war Robert Kennedy ein kühl kalkulierender Politiker gewesen, ein mit allen Wassern gewaschener Drahtzieher. Doch John F. Kennedys Ermordung im Jahr 1963 veränderte ihn von Grund auf.

Als überzeugter kalter Krieger hatte Robert Kennedy den Krieg in Vietnam, den sein Bruder angezettelt hatte, zunächst unterstützt. Je offensichtlicher zynisch der Krieg wurde, desto offener trat Kennedy jedoch in Opposition zu Präsident Johnson und setzte sich für einen raschen Abzug aus Vietnam und für eine diplomatische Lösung ein. „Das Sterben in Vietnam muss aufhören“, betonte er immer wieder. 

Vor allem aber wurde sein Kampf für die Entrechteten des Landes immer bedingungsloser. Als Justizminister hatte Kennedy noch zwischen Interessen laviert und nicht zuletzt auch der Überwachung von Martin Luther King zugestimmt. Nach dem Tod seines Bruders, so schien es, wurde ihm jegliches Kalkül egal, er tat nur noch, was ihm sein Gewissen diktierte.

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