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68er-Serie „Der militärische Weg hat einen zu hohen Preis“

Für Thomas Carl Schwoerer von der Deutschen Friedensgesellschaft führt kein Weg am Pazifismus vorbei. Ein Gespräch über die Macht von Demonstrationen und die Erwartungen der Kriegsgegner.

Demo gegen den Vietnamkrieg in Hamburg 1968
Friedlicher Protest 1968: „Diese Demonstrationen waren damals ein wichtiger Beitrag dazu, dass der Vietnam-Krieg zu Ende ging.“, meint Schwoerer. Foto: dpa

Ist das nicht auch eine moralische Frage, sich mit einem Mann wie Assad an den Verhandlungstisch zu setzen? 
Der politische Pazifismus ist nicht frei von moralischen Dilemmata, aber das geringere Übel im Vergleich zu den Tausenden von Opfern, die Kriege fordern – wie das Beispiel Syrien zeigt. Unser Hauptanliegen als Friedensbewegung ist es immer, die Zahl der Opfer zu minimieren. 

Vor 50 Jahren haben Hundertausende von Menschen gegen den Vietnam-Krieg demonstriert, warum kommt es heute nicht zu Massendemonstrationen gegen den Krieg in Syrien?
Weil die Menschen teilweise nicht viel Hoffnung haben. Es braucht aber Hoffnung. Den Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg gingen damals viele Zeichen voraus, dass es möglich wäre, diesen Krieg zu beenden. Aber es gibt auch heute Kampagnen der Friedensbewegung gegen den Krieg in Syrien, es gibt die Kampagne „Macht Frieden. Zivile Lösungen für Syrien“. 

Es ist doch auffällig, dass gerade in Deutschland nicht viele Menschen an Demonstrationen teilnehmen. Wenn wir nach Frankreich, Italien oder Griechenland schauen, gibt es dort gegenwärtig immer wieder Massenproteste auf den Straßen.
Ich sehe es nicht so, dass die Proteste auf den Straßen in Deutschland zum Erliegen gekommen sind. Es gibt sicher durch die sozialen Medien andere Formen des Protests. Manche Menschen bevorzugen diese Formen: Also etwa Unterschriftensammlungen online. Es gibt kein Monopol mehr für den Widerstand auf der Straße. Aber wenn Sie sich zum Beispiel den Protest gegen die Freihandelsabkommen wie TTIP anschauen, dann gab es dort 2017 riesige Demonstrationen. Es ist aber genau so legitim, kleinere dezentrale Aktionen zu machen. Eine sehr wichtige Aktion der Friedensbewegung in diesem Jahr wird beispielsweise der Staffellauf gegen Rüstungsexporte „Frieden geht!“ sein, der mit Mitteln des Laufsports, also Gehen und Joggen, arbeitet.

Wann beginnt der? 
Der startet am 21. Mai und führt von Oberndorf, dem Sitz des Waffenproduzenten Heckler & Koch, bis nach Berlin. Er wird in Frankfurt am Main und Neu-Isenburg am 25. Mai Station machen. Das sind Beispiele, wie vor Ort Menschen erreicht werden können. 

Es stehen jetzt bald wieder die Ostermärsche der Friedensbewegung an. Das waren in den zurückliegenden Jahren doch eher kleinere Demonstrationszüge. 
Es waren mal mehr Menschen, mal weniger. Die Ostermärsche sind nach wie vor eine sehr effektive Protestform, die auch von den Medien gut begleitet wird. Ich kann die Menschen nur dazu aufrufen, an den Ostermärschen teilzunehmen.

Aber sind Sie denn zufrieden mit dem Echo der vergangenen Jahre? 
Insgesamt ja. Wir sind auch mit unserem letztjährigen 125-jährigen Jubiläum zufrieden. Die Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte der Kriegsdienstgegner freut sich auch über Menschen, die nach der Wahl von Donald Trump bei uns eingetreten sind. Wir haben etwa 4000 Mitglieder, es gab jetzt 200 Eintritte.

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