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68er-Serie „Der militärische Weg hat einen zu hohen Preis“

Für Thomas Carl Schwoerer von der Deutschen Friedensgesellschaft führt kein Weg am Pazifismus vorbei. Ein Gespräch über die Macht von Demonstrationen und die Erwartungen der Kriegsgegner.

Demo gegen den Vietnamkrieg in Hamburg 1968
Friedlicher Protest 1968: „Diese Demonstrationen waren damals ein wichtiger Beitrag dazu, dass der Vietnam-Krieg zu Ende ging.“, meint Schwoerer. Foto: dpa

Herr Schwoerer, vor 50 Jahren demonstrierten in Deutschland Hunderttausende gegen den Krieg in Vietnam. Was sagen uns diese Demonstrationen heute?
Das Wichtigste, was sie uns sagen, ist: Wenn genügend Menschen auf die Straße gehen und an einem Strang ziehen, können sie etwas bewirken. Diese Demonstrationen waren damals ein wichtiger Beitrag dazu, dass der Vietnam-Krieg zu Ende ging. Die Deutsche Friedensgesellschaft war als Teil der Ostermarsch-Kampagne ein wichtiger Teil dieser Demonstrationen. Die gewaltfreie Bewegung hat den Vietnam-Krieg mit beendet.

Es gab damals interne Konflikte zwischen den Demonstranten. In Frankfurt am Main haben Studierende durchaus auch gewaltsam protestiert, es gab Sachbeschädigungen und gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Das ist richtig. Es waren aber nur einige Studierende, die sich für Gewalt entschieden. Andere haben auch den gewaltfreien Weg eingeschlagen. Es gab eine heftige Kontroverse 1968, keine Frage. Diese Kontroverse setzt sich bis heute fort, wenn sie an die Proteste beim jüngsten G20-Gipfel in Hamburg denken. Es muss aber immer genau hingeschaut werden: Was tragen die Protestierenden zur Gewalt bei und was ist der Anteil der Polizei?

Sie setzen auf den gewaltfreien Protest. Warum?
Weil es der beste Weg zum Erfolg ist. Mahatma Ghandi und Martin Luther King haben mit gewaltfreiem Protest große Erfolge erzielt. Und auch heute noch führt der gewaltfreie Weg zum Erfolg. Denken Sie an den Friedensnobelpreis für ICAN, die internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, denken Sie an die Verhinderung der Waffenmesse ITEC in Köln und jetzt bald auch in Stuttgart …

… wann sollte die stattfinden? 
Die in Stuttgart ist für dieses Jahr angesetzt, aber die Stadt hat bereits erklärt, dass sie das im nächsten Jahr nicht fortsetzen möchte. Auch die Tatsache, dass eine Mehrheit der Bevölkerung gegen Atomwaffen eingestellt ist und dass die Rüstungsexporte so kritisch gesehen werden, ist ein Erfolg der Friedensbewegung.

Gibt es nicht geschichtliche Situationen, in denen Gewalt erforderlich ist, um gewalttätige Regime zu stürzen, denken wir an das Niederringen des Nationalsozialismus und seiner Militärmaschinerie?
Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sind Alternativen zur Gewalt manchmal schwer durchsetzbar. Aber auch während des Dritten Reichs gab es Alternativen: Lange vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren die Pläne der deutschen Opposition weit gediehen, Hitler wegen seiner unverantwortlichen Weltkriegsabsichten durch einen Hochverratsprozess zu entmachten. So eine Entmachtung hätte Auschwitz verhindert, fand aber auch im Ausland keinerlei Unterstützung. Vielmehr wurden diese Pläne durch das Abkommen mit Hitler im Rahmen der sogenannten „Appeasement-Politik“ vereitelt.

Ist der jetzt schon seit Jahren andauernde Krieg in Syrien nicht auch ein Beispiel dafür, dass manchmal nur Gewalt hilft? Ist es tatsächlich realistisch, diesen Konflikt ohne Gewalt zu beenden? 
Nun, tatsächlich hat ja gerade dort der gewaltsame Weg seit Jahren nicht zum Erfolg geführt. Ein blutiges Chaos ist das Ergebnis des militärischen Weges. Alle beteiligten Mächte sind dem alten Denken der Gewalt verpflichtet. Es gäbe aber durchaus Möglichkeiten, auf friedlichem Wege zum Erfolg zu kommen.

Wie sieht Ihre Strategie für Syrien denn aus? 
Ich setze nach wie vor auf Verhandlungen und eine politische Lösung. Tatsächlich müssen unbedingt auch die Kurden einbezogen werden, die bisher nicht am Verhandlungstisch saßen.

Aber sollte man mit einem blutigen Diktator wie Assad tatsächlich verhandeln? 
Ich sehe keine Alternative zu Verhandlungen – auch mit solchen Leuten.

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