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Frankfurt nach 9/11 Sichere Hochhäuser

Die blutigen Anschläge vom 11. September 2001 haben auch in der Hochhaus-Metropole Frankfurt viel verändert. Die umfassendste Konsequenz entsteht an der Gießener Straße.

Blick auf die Frankfurter Skyline. Foto: dapd

Die blutigen Anschläge vom 11. September 2001 haben auch in der Hochhaus-Metropole Frankfurt viel verändert. Die umfassendste Konsequenz entsteht an der Gießener Straße.

Der Tag steht ihm noch heute präzise vor Augen. Die Angst, die Ungewissheit der ersten Stunden. Noch am Abend des 11. September 2001 saß Reinhard Ries in Frankfurt „in einer Krisenrunde“. Mehr ins Detail will der Direktor der Branddirektion nicht gehen. „Es war eine hektische Zeit“, so fasst er seine Erinnerungen zusammen. Und das ist für den Mann, dessen fachlicher Ruf weit über Deutschland hinaus exzellent ist, geradezu ein Gefühlsausbruch. Er neigt nicht zu Übertreibung, Dramatisierung.

Schon bald nach jenem 11. September gehörte Ries einem anderen vertraulichen Gremium an, das regelmäßig in der Bundeshauptstadt Berlin tagte. Auch hier ging es um die zentrale Frage: Was sind die Lehren aus den blutigen Anschlägen von New York und Washington?

In einem Urteil stimmen die Experten in Frankfurt, der europäischen Hochhaus-Metropole, überein. „Unsere Hochhäuser sind sicher – der Schutz-Standard musste nicht verbessert werden“ , urteilt Ries.

Und Michael Kummer, der Leiter der städtischen Bauaufsichtsbehörde, kommt zu einem ähnlichen Schluss: „Unsere baulichen Vorschriften bedurften keiner grundlegenden Veränderung – wir haben eine völlig andere Sicherheitsphilosophie als im angloamerikanischen Raum.“

Kummer weiß natürlich: Dass ein entführtes Flugzeug in einen Büroturm rast, „das könnte auch in Frankfurt passieren“. Aber die Menschen, zum Beispiel im 300 Meter hohen Commerzbank-Tower, „hätten eine höhere Chance auf Rettung“. Das ist ein großes Wort. Doch anders als in den Frankfurter Hochhäusern hätten im World Trade Center in New York „Flucht- und Rettungswege nicht lange genug und nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung gestanden“. Anders als in Frankfurt würden die Treppenhäuser „in US-Bauten nicht konstruktiv gesondert betrachtet“.

Konkret bedeute das: Etwa im Commerzbank-Hochhaus „würden die Treppenhäuser aus Beton den Flammen zwei Stunden standhalten – ohne Eintritt von Rauch“. Genug Zeit zur Rettung der Menschen im Turm, rechnet Kummer vor. Branddirektor Ries betont, dass die Stahlträger in deutschen Hochhäusern „mit feuerfestem Material verkleidet“ seien, sich die Feuerwehr „in eigenen Aufzug-Schächten“ bewege.

Das modernste „Katastrophen-Trainingszentrum“ Europas

Aber natürlich hat der 11. September auch in Frankfurt viel verändert. Für die umfassendste Konsequenz wird die Frankfurter Feuerwehr im September den Grundstein legen: An der Gießener Straße entsteht das modernste „Katastrophen-Trainingszentrum“ Europas. „Weit über 20 Millionen Euro“, so viel verrät Ries, werden investiert, „damit wir Großlagen üben können“. Eine vergleichbare, wenn auch längst nicht so moderne Anlage gebe es nur noch in den Niederlanden.

„Weit über 99“ Krisen-Szenarien existierten deutschlandweit inzwischen, sagt der Fachmann – die Palette reicht vom großflächigen Stromausfall bis zum Anschlag mit Bio-Kampfstoffen. In Frankfurt gibt es Einsatzpläne „für Messe, Flughafen, U-Bahn“. Die beantworten, so Ries, auch die Frage: „Was machen wir mit 500 Verletzten?“ Die neue Messehalle 11 hat außen umlaufende Fluchtbalkone, das Dach des Commerzbank-Stadions besteht aus „nicht heiß abtropfendem Material“, so Kummer – auch da schwingt der 11. September mit.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier 911

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