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Youtube-Adventskalender AfD hilft dem geknechteten weißen Mann

Was haben Bertolt Brecht, Alexander Gauland und Thilo Sarrazin gemeinsam? Glaubt man der Berliner AfD, sind alle Mitglieder einer diskriminierten Spezies. Eine Glosse.

Die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2018 in Sachsen-Anhalt
AfD-Chef Alexander Gauland. Foto: Michael Kappeler (dpa)

Neben Schwarzen, Frauen und Homosexuellen wird, wenn man der Berliner AfD glaubt, eine Spezies ganz besonders diskriminiert: der weiße Mann.  

„Weiße Männer sind im Zuge einer längst aus den Fugen geratenen Gender-Kampagne in den letzten Jahren für manche zum Schimpfwort geworden“, klagt der AfD-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Georg Pazderski.

Es liegt ja auf der Hand: Weiße Männer werden von ihren Frauen versklavt, sie müssen sich ständig rassistische Beleidigungen anhören (Kartoffel, Nazi, Weißbrot), sie werden von Mario Barth repräsentiert und in der Straßenbahn will sich nie jemand neben sie setzen. Den AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland will, wie berichtet wird, nicht einmal Jerome Boateng als Nachbar haben - ein klassischer Fall von Diskriminierung. 

Um den Geknechteten Gehör zu verschaffen, veröffentlicht die Berliner AfD einen „Adventskalender“. Er besteht aus Youtube-Videos, jeden Tag wird ein anderer prominenter weißer Mann vorgestellt. Das ganze läuft unter der  „Aktion Weiße Weihnacht“, Twitter-Hashtag #JaZuWeißenMännern.

Vertreten sind so unterschiedliche Größen wie Berthold Brecht (sic!), Helmut Schmidt (immerhin richtig geschrieben), Thilo Sarrazin, Ronald Reagan, Martin Luther und Johannes Paul II.  Eine Liste mit Männern, die nur gemeinsam haben, dass sie sich nicht mehr wehren können - mit Ausnahme von Thilo Sarrazin, der ideologisch auf derselben Wellenlänge unterwegs ist. 

Twitter-Nutzer ergänzen die Liste umgehend um: Josef Stalin, Mario Barth, Gandalf, viele Schneemänner und Adolf Hitler. 

Vorgestellt werden die weißen Männer in den Videos von anderen weißen Männern, die Mitglieder der AfD sind, der Partei der weißen Männer. Helmut Schmidt beispielsweise wird präsentiert von Hugh Bronson, einem offenbar benachteiligten älteren AfD-Funktionär aus Berlin. Hinterlegt ist das Video mit besinnlicher Musik, Weihnachtsoptik  und weißen Schneeflocken. Schmidt habe gewusst, „was Pflicht und Verantwortungsbewusststein bedeutet“, sagt die Stimme aus dem Off über den „Kämpfer gegen den linken Terror“. 

Bei den Betroffenen findet die Aktion eher wenig Anklang - jedenfalls werden via Twitter kaum Geschichten im Sinne der Aktion geteilt. Stattdessen: Bilder von Alexander Gauland in Badehose, Berichte über einen weißen Serienkiller und die gewohnte Häme der linksversifften Gender-Grünen („Ich sage lieber #NeinZuBraunenKartoffeln!"). 

Offenbar ist er noch nicht bereit, aber eines Tages, ganz sicher, wird der weiße Mann seine Ketten sprengen. 

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