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Wulffs Kreditaffäre "Das ist das System Maschmeyer"

Der TV-Journalist Christoph Lütgert hat gemeinsam Kollegen des NDR-Magazins Panorama den Film "Der Drückerkönig und die Politik" produziert. Er schildert die Geschäftspraktiken von Carsten Maschmeyer und dessen Finanzdienstleister AWD.

22.12.2011 18:11
TV-Journalist Christoph Lütgert. Foto: privat

Herr Lütgert, im Fall Wulff ist Maschmeyer nicht nur als Urlaubsgastgeber im Spiel, er soll 2007 auch Anzeigen für das biografische Wulff-Buch „Besser die Wahrheit“ finanziert haben. Hat Sie das überrascht?

Nicht wirklich. Das ist das System Maschmeyer. Er sucht die Nähe zu maßgeblichen Politikern, insbesondere denen, die aus Hannover kommen. Er hatte ja schon einmal eine Anzeigenkampagne finanziert, die für großes Aufsehen sorgte: „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein“. 1998 machte sich Maschmeyer damit – ebenfalls zunächst anonym – für den SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder stark. Später hat er offen zugegeben, dass er damit den Kandidaten Oskar Lafontaine verhindern wollte. Und man kann schon mal die Frage stellen, ob es diesen enormen Privatisierungsschub bei der Altersversorgung auch unter Lafontaine gegeben hätte.

SPD, CDU – das Parteibuch scheint für Maschmeyer nicht so wichtig zu sein, oder?

Ich glaube, Maschmeyer kommt es darauf an, dicht an Entscheidungsträgern dran zu sein und dass er es genießt, der generöse Gönner zu sein. Bei dem unendlich vielen Geld, das er hat, muss sich nicht jedes Investment sofort auszahlen. Wulff war und ist eine ganz, ganz wichtige Figur in der Union.

Was haben Sie bei dem Dreh Ihres Films von diesem Hannoveraner Beziehungsgeflecht mitbekommen?

Darum ging es in dem Film nur am Rande, denn im Zentrum stand ja Maschmeyers Geschäftsmodell. Was ich aber mitbekommen habe, ist Folgendes: Viele Journalisten und Redaktionen versuchen da tiefer einzudringen, da hat sich bisher jeder die Zähne dran ausgebissen. Manchem Kollegen, der da tiefer eingestiegen ist, ist das beruflich nicht so gut bekommen. Es geht da um ein faszinierendes Biotop, das von Anwaltskanzleien über Unternehmen und Sportvereine bis hinein ins Rotlichtmilieu reichen soll. Das ist das, was man von dieser bunten Mischung auf der Oberfläche sieht – über das, was noch da drunter ist, gibt es irre Spekulationen.

Was Ihren Film angeht: Ist das Thema Maschmeyer für Sie abgeschlossen?

Journalistisch vorerst ja, denn es ist uns gelungen, zu zeigen, wie dieser Mann an seinen Reichtum gekommen ist und den Opfern eine Stimme zu geben, die ihre Ersparnisse verloren haben. Ich glaube, dass die Reputation von Herrn Maschmeyer nach dem Film eine andere ist, als davor. Was mich aber nach wie vor umtreibt, ist die Tatsache, dass sich Leute aus Politik und Kultur weiterhin mit Maschmeyer zeigen und sagen, der Mann ist mein Freund. Dass die Leute seine Nähe suchen, statt ihn zu ächten, ist kein gutes Zeichen.

Das Gespräch führte Hans-H. Kotte.

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