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Wolfgang Niedecken „Ihre Augen haben mich nicht mehr losgelassen“

BAP-Sänger Wolfgang Niedecken über seine Begegnungen mit Kindersoldaten und sein Engagement für Afrika.

Kindersoldaten in Norduganda
Auf Flyern wird für die Abkehr von Krieg und Kämpfen geworben. Manchen Kindersoldaten gelingt es, vor den Rebellen zu fliehen. Foto: epd

Herr Niedecken, Sie engagieren sich schon lange für Hilfsprojekte in Afrika. Wann und wie begann das?
Als Bob Geldof und Midge Ure 1984 ihr Projekt Band Aid initiierten, stellten wir in Deutschland die „Band für Afrika“ zusammen und nahmen das Lied „Nackt im Wind“ auf. Die Musik war von Herbert Grönemeyer, der Text von mir. Wir traten damit 1985 im Rahmen des weltweiten Live-Aid-Konzerts gemeinsam auf. Seitdem hat mich Afrika eigentlich nicht mehr losgelassen.

Seit 2004 sind Sie Botschafter der Gemeinschaftsaktion vieler Hilfsorganisationen „Gemeinsam für Afrika“. Was bedeutet Ihnen das Engagement?
Das ist schwer zu beschreiben. Wer einmal in Afrika war, das Mühen der Menschen dort sieht und ihre Hoffnungen spürt, den lässt dieser Kontinent nie wieder los. Er ist irgendwie zu meiner Leidenschaft geworden. Ich bin froh darüber, als Botschafter der Gemeinschaftsaktion die vielen Helfer aus Deutschland unterstützen zu können, die dort Projekte unter widrigsten Umständen auf die Beine stellen.

Wann begegneten Sie zum ersten Mal Kindersoldaten?
Das war 1988 in Mosambik. Ich spielte dort mit der Band meines ersten Soloalbums in Maputo und Beira, mitten im Bürgerkrieg. Es waren zumeist Jungen mit schockierenden Wunden. Nicht mehr losgelassen haben mich jedoch ihre Augen. In denen war nur noch Leere zu sehen. Das ließ mich zunächst hilflos zurück, so geht es vielen.

Was war dann der Auslöser für Ihr Projekt „Rebound“, das Kindersoldaten und Kinderprostituierten eine zweite Chance eröffnen will?
Eine Reise in den Norden Ugandas 2004. Joseph Konys Miliz entführte Kinder aus Dörfern und Flüchtlingslagern. Ich sah dort verängstigte und verletzte Kinder und Jugendliche, die ihm entkommen waren. Und ich sah riesige Sammelzelte, die von Soldaten bewacht wurden, um diese Kids zu schützen. Als Vater von vier Kindern hat mich das dermaßen mitgenommen, dass ich über nichts anderes mehr reden konnte als ich wieder nach Hause kam.

Und so begann dann Ihre Mission?
Normalerweise bin ich nicht dermaßen missionarisch drauf, aber hiermit bin ich vielen gehörig auf die Nerven gegangen. Wenn man hier etwas verbessern will, darf man nicht lockerlassen. Gemeinsam mit World Vision, die bestens vernetzt waren mit lokalen Organisationen, fingen wir 2008 konkret an.

Die Berufsausbildung im ugandischen Kalongo war eines der ersten Projekte, die „Rebound“ vor zehn Jahren unterstützte. Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden?
World Vision ist hier unglaublich agil. Wir konnten mit „Rebound“ mehr als 800 Jungen und Mädchen soweit unterstützen, dass sie wieder Licht am Ende des Tunnels sahen. Dabei geht es um Ausbildung, Kinderschutz, Schulungen in Konfliktlösungen oder psychosoziale Betreuungen für vom Krieg betroffene Jugendliche. Die Projekte laufen meistens drei Jahre und werden dann in die Hände engagierter Menschen vor Ort gegeben. Das hat in Uganda, wo wir begannen, super funktioniert. Jetzt geht es im Osten Kongos weiter. Rebound ist schon eine Erfolgsgeschichte.

Interview: Thoralf Cleven

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