Lade Inhalte...

Wladimir Putin und Donald Trump Donald Trump gibt sich die Ehre

Gedämpfter Optimismus und Skepsis prägen die Stimmung in Russland vor dem Treffen zwischen Trump und Putin. Es werden allenfalls magere Kompromisse erwartet.

Donald Trump
Donald Trump beim Golfen in Schottland. Eigentlich ist der rechtspopulistische Amerikaner vielen Russen sympathisch. Foto: afp

Mögen sich Wladimir Putin und Donald Trump? Kann bei ihrem Tête-à-tête etwas herauskommen? Die Staatsmedien feiern allein das Zustandekommen des Gipfels als Sieg: Kurz nach den Besuchen von Emmanuel Macron und Angela Merkel gibt sich auch der US-Präsident die Ehre. Russlands Isolation nach der Krimkrise von 2014 scheint also gesprengt zu sein. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow bezeichnete den Zwölf-Uhr-Termin in Helsinki als „das Hauptereignis des Sommers“.

Zugleich herrscht Skepsis, in Moskau schwirren Trump-Zitate herum. Da nennt der US-Präsident die Beamten seiner Administration, die den Gipfel verhindern wollten, „Dummköpfe“. Und außerdem habe er ein Geschenk für Putin, eine Überraschung. Klingt vielversprechend. Aber dann rüffelt der US-Präsident die Deutschen als „Gefangene Russlands“, weil sie zu viel Geld für russisches Gas ausgäben. Kann der Rohstoff-Exportweltmeister Russland diesem Trump trauen?

Eigentlich ist der rechtspopulistische Amerikaner vielen Russen sympathisch. Denn Trump ist einer, der wie Putin wenig von kritischen Journalistenfragen oder politischer Korrektheit hält. Nach Trumps Wahlsieg 2016 feierten sie ihn als wahrscheinlichen Gesinnungsalliierten, gar als „unseren Mann im Kreml“. Aber dann gab es neue US-Sanktionen, Raketenschläge gegen Syrien und Panzerabwehrsysteme für die Ukraine.

„Man sollte keine großen Erwartungen an dieses Treffen haben“, sagte Aschdar Kurtow, Chefredakteur der Zeitschrift Problemy Nationalnoi Strategii, der FR. „Beide Seiten werden eher Meinungen austauschen, aber die direkte Kommunikation könnte zumindest das gegenseitige Verständnis verbessern.“ 

Kein Durchbruch ... 

Diesen sehr gedämpften Optimismus teilen auch andere russische Experten. „Welche netten Komplimente die Präsidenten auch austauschen werden, einen realen Durchbruch wird es nicht geben“, sagt der Politologe Stanislaw Belkowski. „Nach dem Gipfel wachen wir in derselben Welt auf, in der wir eingeschlafen sind.“ 

Die Skeptiker vermuten, Trump käme vielleicht sehr gern mit Russland und Putin ins Geschäft. Aber das politische Establishment der USA habe ihn so eingemauert, dass ihm die Bewegungsfreiheit dazu fehle. So besteht das imposante Sanktionspaket gegen Russland aus Gesetzen, die nicht Trump, sondern nur der Kongress aufheben kann. Zudem steht Trump wegen der mutmaßlichen Wahlhilfe russischer Hacker für Trump gegen Hillary Clinton unter öffentlichem Dauerdruck. Am Freitag klagte der Sonderermittler Robert Mueller zwölf russische Geheimdienstler an. Das russische Außenministerium kommentierte erbost, Washington versuche mit aller Kraft eine alte Zeitungsente zu reanimieren. „Das Ziel dieser Fehlinformation ist es, die Atmosphäre vor dem russisch-amerikanischen Gipfel zu verderben.“

... oder doch eine Sensation?

Schon vor dem Eklat galt es in Moskau als ausgeschlossen, dass Putin in Helsinki auch nur die geringste oder mittelbare Einflussnahme Russlands auf die US-Wahlen eingesteht. Oder dass er gar eine Garantie abgibt, dass sich solches nicht wiederholen werde. Laut der Zeitung „Kommersant“ aber würde Trump genau das gerne von ihm hören.

Auch bei anderen Themen werden allenfalls magere Kompromisse erwartet. So gilt die Lage im Donbass als festgefahren. Im Syrien-Konflikt sollen die USA bereit sein, den Verbleib Baschar al-Assads an der Macht zu dulden. Im Gegenzug will Trump, dass alle iranischen Streitkräfte aus Syrien verschwinden. Aber nach Ansicht von Moskauer Experten sind Russlands politische Hebel in der Region zu kurz, um diese Forderung zu erfüllen. 

Allerdings bemühte sich Israel in den Tagen vor dem Gipfel um eine amerikanisch-russische Vereinbarung, dass sich keine proiranischen oder iranischen Kämpfer in einer Sicherheitszone von 80 bis 100 Kilometern zur israelischen Grenze aufhalten. Premier Benjamin Netanjahu war deshalb am Mittwoch sogar bei Wladimir Putin vorstellig geworden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Russland

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen