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Wirtschaft Selbstbewusster reicher Zwerg

Katars Wirtschaftskraft ist für deutsche Unternehmen sehr wichtig.

Hamsterkäufe in Katar
Die Bürger Katars decken sich mit Lebensmitteln ein. Rund 40 Prozent des täglichen Bedarfs werden importiert. Foto: dpa

Wenn bei Volkswagen wichtige strategische Entscheidungen getroffen werden, dann haben auch Hussain Ali Al-Abdulla und Hessa Sultan al-Jaber ein Wörtchen mitzureden. Der Manager und die Ministerin sind die Abgesandten von Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Er herrscht in Katar. Dort leben gerade einmal 2,7 Millionen Menschen. Die Halbinsel besteht weitgehend aus Wüste.

Doch der Staatsfonds des Landes ist einer der wichtigsten Investoren weltweit, mit einer Vorliebe für deutschen Unternehmen. Rund 300 Milliarden Dollar hat Katars Staatsfonds insgesamt im Ausland investiert. So sind die Araber mit einem Stimmrechtsanteil von 17 Prozent nach dem Familienclan Porsche-Piech der größte Einzelaktionär bei Volkswagen. Doch die bislang gern gesehenen Investoren werden nun zu einem Reputationsproblem für deutsche Konzerne. Katar wird in die Nähe eines Schurkenstaats gerückt, der Terroristen unterstützt. Benachbarte Ländern – allen voran Saudi-Arabien – haben die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Sie wollen das Land isolieren. Womöglich einen Machtwechsel provozieren.

Katar ist ein Kuriosum. Einerseits ist die Staatsform Erbmonarchie. Die Herrscherfamilie hat das unumschränkte Sagen, kontrolliert auch die Wirtschaft im Land. Das wirkt wie finsteres Mittelalter. Andererseits ist das Land viel stärker als seine Nachbarn mit dem westlichen Kapitalismus verflochten. Möglich ist dies durch ungeheuren Reichtum an Erdgas. Vor der Küste liegt das North Field, wo sich die weltgrößten Vorkommen für den leichtflüchtigen Brenn- und Treibstoff befinden. Das Gas wird zu sogenanntem LNG verflüssigt und vor allem nach Japan und in andere asiatische Staaten und aber auch nach Europa verschifft.

Die Einnahmen aus diesem Geschäft haben Katar zu dem Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen (knapp 130 000 Dollar im Jahr) weltweit gemacht.

Die enormen Einnahmen werden seit Jahren in Unternehmen mit großen Namen investiert. Als der Sportwagenbauer Porsche 2009 VW übernehmen wollte, sich dabei verhob und beinahe Pleite ging, kaufte Katar einen Anteil von zehn Prozent, um frisches Geld in das Unternehmen zu pumpen und rettete es so vor der Pleite. Inzwischen ist Porsche ein Teil von Volkswagen und Katar gehört zu den Großinvestoren, denen Experten ein langfristiges Interesse zutrauen. So soll die Interessenlage auch bei der Deutschen Bank liegen, an der der Wüstenstaat mit rund sechs Prozent beteiligt ist.

Anteile lange halten und dann mit Profit verkaufen, das war jedenfalls bislang die vorherrschende Strategie der staatlichen Investoren von der arabischen Halbinsel – so lief es auch beim Baukonzern Hochtief: Ein Anteil von zehn Prozent wurde im Herbst 2015 lukrativ verkauft. Anders könnte es beim Solaranlagenhersteller Solarworld laufen. Die Araber sind in das einstige Vorzeigeunternehmen mit 29 Prozent eingestiegen. Gemeinsam wurde in Katar eine Fabrik für Sonnenstromtechnik errichtet, die gerade fertiggestellt wurde. Doch Solarworld musste vor einigen Wochen Insolvenz anmelden. In Branchenkreisen kursieren nun Spekulationen, dass die Firma Qatar Solar Technologies das deutsche Unternehmen ganz übernehmen könnte, um die Solartechnik auf eigene Faust weiterzuentwickeln – für die Zeit nach dem Erdgasgeschäft.

Vom fossilen Rohstoff mit einer Strategie der Diversifizierung unabhängig zu werden, ist offenbar ein Motiv für die Kapitalanlagen, zu denen auch ein 14,1-Prozent-Anteil an der Containerreederei Hapag Lloyd gehört. Aber auch Liebhaberei in der Herrscherfamilie scheint eine Rolle zu spielen. So investiert Katar ins Nobelkaufhaus Harrods und den Juwelier Tiffany, aber auch in den Fußballclub Paris Saint-Germain. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Katar

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