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#wirsindmehr Chemnitz ist mehr

Zehntausende setzen beim Protestkonzert in Chemnitz ein Zeichen gegen Rassismus und Gewalt. Auf der Bühne stehen unter anderem Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet und Die Toten Hosen.

#wirsindmehr in Chemnitz
50.000 Menschen waren beim Konzert in Chemnitz. Foto: rtr

Immer wieder erklären die Künstler sich, stimmen Sprechchöre an. Das hier soll kein normales Konzert sein, keine reine Party. „Nazis raus, Nazis raus“ und „Alerta, Alerta, Antifascista“, schallt es dann aus Tausenden Kehlen. Da, wo nur wenige Tage zuvor „Volksverräter“- und „Lügenpresse“-Schreie dominierten.

Sicher, einige in der Menge sind nur wegen der Musik hier. „Weil KIZ spielen“ oder „Für Casper“, sagen sie auf die Frage nach dem „Warum?“. Fabian F., 32 Jahre alt, stört das nicht, auch wenn er selbst mit einer Mitfahrgelegenheit extra aus Hannover angereist ist, um ein Zeichen „gegen Menschenfeindlichkeit“ zu setzen. „Auch die Leute, die nur wegen des Konzerts kommen, wissen, was sie für eine Botschaft senden: Sie zeigen Masse, sie zeigen, wer das Volk ist.“

Den Chemnitzern bedeutet das Konzert viel

Am meisten bedeutet das den gebürtigen Chemnitzern und den Neuzugezogenen, die an diesem Abend hier sind. Jörg Franik, 55 Jahre alt, geboren in Chemnitz, nie weggezogen, steht mit einem Freund weit vorne beim Konzert. Er will hier „Gesicht zeigen“, für ihn ist das ein Zeichen gegen die „katastrophalen Zustände“ und die „riesengroße Schande“, die AfD, Pegida und Pro Chemnitz mit der Instrumentalisierung von Daniel H. über seine Stadt gebracht haben.

Hamid S. hingegen ist neu in Chemnitz, der 21-Jährige ist aus Afghanistan geflüchtet, seit sieben Monaten lebt er in der Stadt. Trotzdem ist er am Samstag zur Gegendemo gegangen, obwohl Opferverbände Migranten davor warnten. Ein Freund von ihm sei am Samstag von Nazis krankenhausreif geschlagen worden, er zeigt Fotos von dessen blau und rot geprügelten Gesicht auf seinem Smartphone. An diesem Abend aber sei alles anders: „Heute muss ich keine Angst haben“, sagt der 21-Jährige und nickt in Richtung Bühne. „Heute ist alles gut.“

Doch viele fragen sich, noch während die Musik läuft und die „Nazis raus“-Schreie schallen, was morgen sein wird. „Wenn das alles vorbei ist, wenn die Presse weg ist“, sagt Maria S. „dann blieben wir hier in Chemnitz mit all diesen Menschen, die nicht wissen, wohin mit ihrer Wut.“

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