Lade Inhalte...

Wikipedia offline Wikipedia schaltet ab - aus Protest gegen US-Gesetze

Die englischsprachigen Seiten der populären Online-Enzyklopödie Wikipedia werden am Mittwoch 24 Stunden lang nicht erreichbar sein. Mit dieser Aktion will die Plattform gegen ein geplantes Gesetz protestieren, das die Verbreitung von Raubkopien im Ausland verhindern soll. Gegner sehen darin eine Zensur der Meinungsfreiheit.

18.01.2012 12:19
So könnte die US-Seite der Wikipedia am Mittwoch aussehen. Foto: dpa

#image

Einen Tag lang werden die Amerikaner ohne das Online-Nachschlagewerk Wikipedia auskommen müssen. Das wird vielen nicht leicht fallen, schließlich gehört die Webseite zu den beliebtesten Anlaufstellen im Netz. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat Montag per Online-Dienst Twitter angekündigt, die (englischsprachigen) Seiten einen Tag lang abzuschalten. Mit einer geschwärzten Seite will die Stiftung gegen eine "zerstörerische ('devastating') Gesetzgebung" protestieren, heißt es in der Erklärung.

"Beängstigendes Vorbild" für Internetzensur

Grund für den Protest sind zwei Gesetzesvorhaben: Der Stop Online Piracy Act (SOPA) des US-Kongresses und der Protect Intellectual Property Act (PIPA) des Senats. Beide Gesetze sollen die Verbreitung von Raubkopien im Ausland unterbinden und geistiges Eigentum schützen.

#infobox

Unterstützt werden die Gesetze von der US-Film- und Musikindustrie. Der illegale Verkauf ihrer Produkte verletze Urheberrechte und vernichte Arbeitsplätze in den USA, argumentieren die Befürworter.

Kritiker befürchten aber, dass durch das Gesetz lediglich die Meinungsfreiheit eingeschränkt würde. Das größte Problem: Vermeintliche Piraterieseiten könnten im Verdachtsfall schnell abgeschaltet oder ausgefiltert werden - ohne vorherige Anhörung. Das sei ein "beängstigendes Vorbild" für Internetzensur in der ganzen Welt, schreibt Wikipedia-Gründer Wales.

Nach Protestwelle: Politiker rudern zurück

Die Aktion der Wikipedia dürfte die Anti-SOPA-Bewegung stärken. Weitere Online-Netzwerke, Webseiten-Betreiber und Blogger wollen sich anschließen, auf ihren Seiten auf die Problematiken hinweisen oder ganz vom Netz gehen. Auch Konzerne wie Google, Facebook, Yahoo, Twitter, eBay und AOL überlegen ähnliche Protestaktionen.

Durch die laute Kritik rücken viele Kongressabgeordnete wieder von dem Vorschlag ab oder versprechen, sich für Kompromisse einzusetzen. Auch die Regierung von US-Präsident Barack Obama hatte sich gegen das Gesetz ausgesprochen.

Wikipedia: Platz 8 weltweit

In Wikipedia darf jeder Internetuser Artikel anlegen und bearbeiten. Die englischsprachige Version enthält mittlerweile nach Angaben der Stiftung fast vier Millionen Beiträge, die deutsche Version liegt unter eineinhalb Million Artikeln. Wikipedia ist das meistbenutzte Online-Nachschlagewerk und liegt nach eigenen Angaben auf Platz acht der meistbesuchten Websites zu rangieren. (swe, dapd)

#video

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen