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Wikileaks-Dokumente Deutschland setzte Taliban auf Jagdlisten

Die Bundeswehr ist offenbar tiefer in die gezielten Tötungen von Taliban-Kämpfern durch US-Spezialeinheiten in Afghanistan verwickelt als bisher bekannt. Das geht laut "Spiegel" aus den Afghanistan-Protokollen hervor.

31.07.2010 15:32
Die Dokumente sind auf der Wikileaks-Homepage hinterlegt. Foto: AFP

Die Bundeswehr ist offenbar tiefer in die gezielten Tötungen von Taliban-Kämpfern durch US-Spezialeinheiten in Afghanistan verwickelt als bisher bekannt. Mindestens ein von Deutschland auf Fahndungslisten der NATO gesetzter Taliban-Kommandeur sei von amerikanischen Spezialkräften in Nordafghanistan getötet worden, berichtete „Der Spiegel“ am Samstag nach der Veröffentlichung geheimer Afghanistan-Protokolle auf der Internetplattform Wikileaks.

Die Bundeswehr habe den Taliban-Kommandeur Qari Bashir, der im Raum Kundus rund 50 Kämpfer unter seinem Befehl hatte, 2009 mit dem Vermerk auf eine Jagdliste der NATO setzen lassen, er solle festgesetzt werden. Im November 2009 sei er bei einer mehrtägigen Operation nordwestlich von Kundus von US-Spezialkräften getötet worden. Seit 2007 haben die Deutschen nach „Spiegel“-Informationen mindestens 13 Personen auf die Liste setzen lassen. Zwei seien wegen fehlender neuer Hinweise wieder gestrichen, zwei weitere festgenommen worden.

Weitere 31 NATO-Ziele für Nordafghanistan wurden dem Bericht zufolge von anderen verbündeten Nationen beigesteuert. Die Deutschen hätten sich an der Mission der US-Kräfte gegen Bashir nicht beteiligt, da der zuständige Bundeswehrgeneral bei der Vorstellung der Pläne durch einen US-Major vor der Operation den Eindruck bekommen habe, es sollten gezielt hochrangige Taliban ausgeschaltet werden.

Insgesamt stünden aktuell noch sieben von Deutschland genannte Taliban auf der NATO-Liste, darunter der Taliban-Stratege Maulawi Shamsuddin aus Kundus und Abdul Rahman, der am 3. September 2009 die beiden später bombardierten Tanklaster habe entführen lassen.

Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels kritisierte in dem Zusammenhang die Informationspolitik der Bundesregierung. „Es genügt nicht, nur die Obleute des Verteidigungsausschusses zu informieren, wenn die ihr geheimes Wissen dann nur begrenzt weitergeben dürfen“, sagte er dem Magazin. „Stattdessen sollte nach Abschluss von Operationen das gesamte Parlament in Kenntnis gesetzt werden.“ Bartels hält „Capture or Kill“-Operationen für „prinzipiell problematisch, nicht zielführend und kontraproduktiv“. (ddp)

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