Lade Inhalte...

Wikileaks Die Aufbereitung der Daten

Der Wikileaks-Server ist zeitweise nicht zu erreichen, die Nachricht verbreitet sich dennoch online im Minutentakt. Außergewöhnlich ist, wie breit die Internet-Plattform Wikileaks dieses Mal mit traditionellen Medien kooperiert hat.

24.10.2010 20:25
Marin Majica
Die Internetseite von Wikileaks. Foto: dpa

Die Webseite von Al-Dschasira platzte als erstes mit der Nachricht heraus. Gegen halb elf am Freitagabend zeigte der arabische Fernsehsender online einen Film über Misshandlungen von Gefangenen in irakischen Gefängnissen. „Al-Dschasira hat unser Embargo um eine halbe Stunde gebrochen, wir entlassen alle aus der Sperrfrist für die Irak-Kriegstagebücher“, lautete die Nachricht, die daraufhin im Kurzmitteilungsdienst Twitter von Wikileaks versendet wurde. Im Minutentakt stellten die New York Times, der britische Guardian, die französische Le Monde, der Spiegel und das Bureau of Investigative Journalism ihr Berichte online. Ihnen hatte Wikileaks die fast 400.000 geheimen Militärberichte vor etwa zehn Wochen zur Analyse überlassen.

Außergewöhnlich ist, wie breit die Internet-Plattform Wikileaks dieses Mal mit traditionellen Medien kooperiert hat. Bei den im Sommer veröffentlichten Berichten aus Afghanistan hatten nur drei Print-Redaktionen vorab Zugang zum Material. Während Wikileaks diesmal die Berichte selbst erst am Samstag auf seiner Internetseite publizierte und diese zwischenzeitlich wohl wegen des Ansturms überlastet war, verbreiteten sich die Informationen trotzdem zuverlässig im Netz. Ein eindrucksvoller Beweis für die Schlagkraft des Netzwerkes, das zuletzt vor allem mit internen Querelen und Kritik von Insidern am Führungsstil von Gründer Julian Assange auch sich aufmerksam machte.

Bemerkenswert ist auch die Art der Aufbereitung der Datenmengen. Für den „Daten-Journalismus“ sind die „Irak-Protokolle“ ein Meilenstein. So haben etwa der Spiegel oder der Guardian sämtliche Zwischenfälle auf interaktiven Karten eingetragen, sortiert werden können die Daten nach inhaltlichen, geografischen und zeitlichen Kriterien. Auch haben die Redaktionen die Fülle der Berichte mit Suchbegriffen durchforstet und so etwa Zwischenfälle mit zivilen Opfern dokumentieren können.

Besonders eindrucksvoll ist der interaktive Beitrag des Guardian „One day in Iraq“. In einer Animation sind alle berichteten Zwischenfälle des 17. Oktober 2006 zusammengetragen: Erschießungen, Bombenanschläge, getötete Soldaten, enthauptete Zivilisten. In ihrer tatsächlichen zeitlichen Abfolge werden die Vorfälle nach und nach berichtet, während auf einer Karte für jedes Ereignis ein Punkt eingeblendet wird – und die Zahl der Todesopfer rechts oben immer weiter steigt: 146 sind es, wenn dieser Kriegstag endet.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen