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Wie Guttenberg die Plagiatsaffäre angeht Die Methode Clinton

Guttenberg agiert in der Krise nach amerikanischem Vorbild . Der Verteidigungsminister folgt in der Plagiatsaffäre dem Modell der Praktikantenaffäre von Bill Clinton. Die Bild-Zeitung unterstützt ihn dabei.

"Wir alle machen Fehler", auch Karl-Theodor zu Guttenberg. Foto: dpa

Guttenberg agiert in der Krise nach amerikanischem Vorbild . Der Verteidigungsminister folgt in der Plagiatsaffäre dem Modell der Praktikantenaffäre von Bill Clinton. Die Bild-Zeitung unterstützt ihn dabei.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein guter Kenner und ein großer Bewunderer der USA. Seine von traditioneller Parteipolitik weitgehend entkleidete Attitüde des Politikers neuen Typs, der eher mit den Kategorien des Showgeschäfts als mit denen der Politik zu fassen ist, hat ihr Vorbild in Amerika. So überrascht es nicht, dass sein Versuch, sein politisches Überleben im Bündnis mit dem gesunden Volksempfinden der Menschen draußen im Lande gegen die verhetzten Medien der Hauptstadtpresse zu sichern, ebenfalls einem prominenten Beispiel aus den USA folgt.

Als 1998 die Affäre des US-Präsidenten Bill Clinton mit der Praktikantin Monica Lewinsky publik wurde, empörten sich große Teile der Medien und der Washingtoner politischen Klasse über den moralischen Verfall dieses Präsidenten. Die Republikaner nutzten den Skandal als Wahlkampfmunition und betrieben sogar die Amtsenthebung des Präsidenten.

In seinen Erinnerungen zitiert Clinton Finanzminister Robert Rubin aus einer Krisensitzung seiner engsten Berater im Weißen Haus: „Es steht fest, dass Sie Mist gebaut haben. Aber wir alle machen Fehler, manchmal auch große. In meinen Augen ist die unverhältnismäßige Medienberichterstattung und die Heuchelei einiger ihrer Kritiker das wichtigere Thema.“ Könnte das nicht auch ein Zitat aus einem Gespräch zwischen, sagen wir, Angela Merkel und Karl-Theodor zu Guttenberg sein?

Clinton jedenfalls folgte fortan dem von Rubin gewiesenen Weg. Er mied die Hauptstadtkorrespondenten und kommunizierte mit Hilfe von TV-Ansprachen in demütigem Ton über deren Köpfe hinweg mit dem Volk, und zwar erfolgreich. Dort fand man überwiegend, dass so ein Fehltritt jedem passieren könne, und Clinton ansonsten ein guter Präsident sei. 62 Prozent der US-Bürger hießen die Arbeit Clintons damals gut.

Man sieht: Guttenberg folgt in der Plagiatsaffäre dem Modell Clinton. Er ist bisher allen Situationen ausgewichen, in denen er Fragen kritischer Journalisten hätte beantworten müssen, und er ging noch weiter: In seiner Rede am Montag in Kelkheim übte er den Schulterschluss mit der ihm zujubelnden Menge, er stellte sich symbolisch an die Seite der hier versammelten kleinen Leute gegen die arroganten Medien.

Er sei hierher und nicht zur Hauptstadtpresse gekommen, um deutlich zu machen, „dass uns die Öffentlichkeit als Öffentlichkeit wichtig ist und dass Sie erfahren können aus erstem Munde, was mir am Herzen liegt (…), und nicht erst, was durch Kommentierung Sie letztlich wieder erreicht“. Hier fühle er sich unter Freunden und gestärkt „für den Zinnober, der in Berlin wahrscheinlich schon heute Nacht wieder losgeht“.

Es ist eine für die Demokratie fatale Masche, dieses Ausspielen der „einfachen Bürger“ gegen „die in Berlin“, die auf feinere Weise schon Bundespräsident Horst Köhler gesponnen hat, auch er zuverlässig unterstützt von der Bild-Zeitung. Es ist auch fatal, dass die auflagenstärkste Zeitung im Lande dieses Spiel mitmacht, ja, sogar in seinem Zentrum steht. Sie versteht sich ausdrücklich nicht als Teil jener Hauptstadtpresse, die ihrer Aufgabe einer kritischen Berichterstattung über Politiker, deren Arbeit und deren Fehler ernsthaft nachkommt.

Pakt mit der Bild-Zeitung

Es finden sich immer wieder Politiker, die dennoch einen Pakt mit der Bild-Zeitung schließen. Das ist nicht neu. Schon Kanzler Helmut Kohl wusste sich des Massenblatts zu bedienen gegen die intellektuellen Kritiker seiner Politik, und Nachfolger Gerhard Schröder dröhnte über Bild, BamS und Glotze, mit denen er die Republik schon führen werde.

Die amtierende schwarz-gelbe Regierung allerdings hat sich dem Boulevardblatt aus dem Springer-Konzern ausgeliefert wie keine vor ihr. Die Bild-Zeitung dient ihr als zentrales Kommunikationsorgan mit dem Volk.
Doch auch hier sticht Guttenberg noch hervor. Er habe sich Bild zum „strategischen Partner“ seiner Vermarktung auserkoren, hat die FAZ festgestellt.

Das zahlt sich aus. Gestern erschien das Blatt mit der Schlagzeile: „Heute stimmt Deutschland ab ? Der Guttenberg-Entscheid!“ Als könne das Blatt mit den Stimmen seiner Leser darüber befinden, ob der Minister im Amt bleibt oder nicht. Die Zeitung macht sich zum Organ des Volkes gegenüber der Politik. Das ist ihre Macht über die Politiker. Sie wissen, dass sie nicht dagegen ankommen, wenn Bild einmal angefangen hat, in einer Sache zu trommeln.

Im Kommentar klagt indes der Hauptstadtbüro-Chef von Bild, Nikolaus Blome, scheinheilig über den tiefen Graben zwischen Politikbetrieb und Bürgern. „Wie weit und tief dieser Graben schon ist, macht Angst“, schreibt er in dem Blatt, das Tag für Tag daran arbeitet, den Graben noch ein wenig zu vergrößern.

Dass der Politiker Guttenberg in der kommenden Woche ein Buch des Journalisten Blome über das Verhältnis von Politikern und Bürgern vorstellen will, ist da nur noch eine, sagen wir, Fußnote zu diesem sich gegenseitig nährenden System.

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