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Westbank Massaker an Siedlerfamilie

Der brutale Überfall auf eine Siedlerfamilie durch palästinensische Mörder schockt Israel. Netanjahu beschuldigt Abbas, nichts gegen antijüdische Hetze in palästinensischen Schulen, Moscheen und Medien zu unternehmen.

Trauer und Schmerz über den Tod der Siedlerfamilie Fogel. Foto: rtr

Zu Tausenden sind die Israelis am Sonntag auf den Jerusalemer Friedhof in Givat Schaul gekommen, um fünf Totenbahren zu Grabe zu tragen: drei kleine für die Kinder, zwei große für die Eltern, die Freitagnacht in der nördlichen Westbank-Siedlung Itamar auf barbarische Weise von mutmaßlich zwei Palästinensern ermordet wurden.
Das Massaker an der Siedlerfamilie hat die ganze Nation geschockt. „Es gibt Situationen, in denen man um Worte ringt“, gesteht Oberrabbiner Yisrael Meir Lau, der die Trauerfeier leitet. „Man fühlt den Schmerz, fühlt den Zorn und vor allem die Machtlosigkeit“.
Aus der Siedlerführung sind andere Töne zu hören. Einige haben dort auf eigene Faust grausige Bilder vom Tatort ins Internet gestellt. Man wolle damit die internationale Gemeinschaft aufrütteln, mit welcher Art palästinensischem Terror man es zu tun habe.
Dabei sind die Täter trotz Großrazzia noch nicht gefasst. Bislang hat nur eine obskure Splittergruppe, die sich nach dem getöteten Militärchef der Hisbollah „Imad Mughnijah Gruppe“ benennt, zu dem Anschlag bekannt. Die Hamas, obgleich manche ihrer Anhänger die Tat bejubeln, bestreitet jede Beteiligung.
Klar ist am Sonntag nur der Tathergang: Zwei Männer hatten Freitagabend ein Loch in den Sicherheitszaun von Itamar geschnitten. Ein Alarm sprang an. Aber da die Wachmänner nichts Auffälliges entdeckten, drangen die beiden Täter unbemerkt gegen 22.30 Uhr durch ein Fenster in das Haus der Familie Fogel ein. Im Schlafzimmer schlitzten sie dem Vater und dem dreimonatigen Baby die Kehle auf. Die aus dem Bad kommende Mutter setzte sich heftig zur Wehr, wurde aber ebenfalls erstochen. Zwei Söhne töteten die Täter mit einem Stich ins Herz. Zwei andere Kinder, zwei und sechs Jahre alt, wurden übersehen und kamen mit dem Leben davon. Ebenso die zwölfjährige Tochter, die nach ihrer Heimkehr von Freunden, das Blutbad entdeckt hatte.
Bewegend berichtet Premier Benjamin Netanjahu am Sonntag vor dem Kabinett von seinem Gespräch mit den Großeltern, die nun für die überlebenden Enkel Sorge tragen. Aber auch er versucht, die Empörung in eine Kampagne zu lenken. Sie richtet sich gegen die Autonomieführung in Ramallah, die nichts gegen antijüdische Hetze in palästinensischen Schulen, Moscheen und Medien unternehme. Diese Vorwürfe hat Netanjahu Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas gemacht, als der ihn anrief, um sein Mitgefühl auszudrücken. Die moderate palästinensische Führung hat die Tat verurteilt. Aber damit sei es nicht getan, hielt Netanjahu Abbas vor. Wer Frieden wolle, müsse sein Volk dazu erziehen.
Doch als Antwort auf das Massaker fällt auch Israels Kabinett nichts Besseres ein, als im Schnellverfahren 400 neue Siedlungsbauten zu genehmigen. Militante Siedler lassen derweil ihre Wut an unbeteiligten Palästinensern aus. Sie schlagen am Wochenende palästinensische Autos ein, attackieren Insassen und setzen mehrere Fahrzeuge in Brand. „Preisschild-Aktionen“ nennen die Siedler das, wenn sie es den Palästinensern heimzahlen. Ein Preis, der jede Chance auf friedliche Koexistenz ruiniert.

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