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Weltweiter Waffenhandel Das Geschäft mit dem Krieg boomt

Der Handel mit Waffen boomt - und die deutsche Rüstungsindustrie verdient kräftig mit. Deutschland ist einem aktuellen Rüstungsbericht zufolge der Exporteur mit den höchsten Zuwachsraten. Experten fordern eine bessere Rüstungskontrolle.

17.03.2012 23:03
Nadja Erb und Hannes Gamillscheg
Eines der wichtigsten russischen Exportgüter: Rüstung. Foto: imago

Die Wirtschaft kriselt, die Finanzmärkte auch, nur der Rüstungsindustrie geht es nach wie vor blendend: Der Handel mit Waffen hat in den vergangen Jahren stark zugenommen. Der Umfang des weltweiten Waffenhandels lag in den Jahren 2007 bis 2011 um 27 Prozent über der davor liegenden Fünfjahresperiode – nur regional von der Wirtschaftskrise gebremst. Das geht aus dem jüngsten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervor.

Dabei geben Asiens Wirtschaftsmächte inzwischen auch im Waffenhandel den Ton an. Indien stieg zum größten Absatzmarkt für die Rüstungsindustrie auf, fünf asiatische Staaten gehören zu den wichtigsten Käufern von Kriegsmaterial. Die größten Waffenexporteure bleiben die USA und Russland, aber kein anderer der Hauptlieferanten wies in den letzten fünf Jahren so hohe Zuwachsraten aus wie der Ranglistendritte Deutschland.

Von einem globalen Wettrüsten will Bernhard Moltmann, Rüstungsexperte bei der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), dennoch nicht sprechen. Vielmehr sei ein Hochrüsten in einzelnen Konfliktregionen wie Indien und Pakistan oder im südlichen Pazifik mit China einerseits und seinen Nachbarn wie Singapur oder Südkorea andererseits zu beobachten, sagte Moltmann der Online-Ausgabe dieser Zeitung.

China setzt auf eigene Waffen

Auf Indien, Südkorea, Pakistan, China und Singapur entfallen 30 Prozent der globalen Rüstungsimporte. Indien, das zu 80 Prozent von Russland beliefert wird, ist dabei klare Nummer eins. China setze hingegen inzwischen auf den Aufbau einer eigenen Rüstungsindustrie, sagt Paul Holtom, Sipri-Chefexperte für Waffenhandel. Die chinesischen Exporte stiegen zuletzt um 95 Prozent, vor allem dank großer Lieferungen an Pakistan.

Die USA liegen mit einem Marktanteil von 30 Prozent und Russland mit 24 Prozent weiter vorn. Der Verkauf von 154 US-Kampfflugzeugen vom Typ F-15 an Saudi-Arabien sei der „größte Waffenhandel der letzten zwei Jahrzehnte“, schreibt Sipri. "Im Nahen und Mittleren Osten sehen wir das Ausrüsten von Stellvertretern, etwa wenn die USA Saudi-Arabien und die Golfstaaten ausstatten, um eine Bastion gegen den Iran zu haben", urteilt HSFK-Experte Moltmann.

Mit neun Prozent des globalen Waffenhandels nimmt Deutschland Rang drei ein, gefolgt von Frankreich mit acht und Großbritannien vier Prozent. Die deutsche Rüstungsindustrie steigerte ihre Ausfuhren in der letzten Fünfjahresperiode um 37 Prozent und ist damit der Exporteur mit den höchsten Zuwachsraten. Größte Abnehmer deutscher Waffen waren in den vergangenen fünf Jahren Griechenland, Südkorea und Südafrika. Gemeinsam erreichen die EU-Staaten mit fast einem Drittel aller Exporte ein größeres Volumen als die USA.

"Autoritäre Regimes sind gute Kunden"

"Die autoritären Regime sind gute Kunden der deutschen Rüstungsindustrie", kritisiert Rüstungsexperte Moltmann. Die aktuellen Mechanismen zur Rüstungskontrolle reichten bei weitem nicht aus um zu verhindern, dass deutsche Waffen in unliebsame Hände gerieten. Ein erster wichtiger Schritt dazu ist aus Moltmanns Sicht, die Waffenexporte aus der Zuständigkeit des Wirtschaftsministeriums zu nehmen, und deren Kontrolle dem Auswärtigen Amt zu übertragen. "Wer mit wem Waffen handeln darf, ist eine politische Frage und keine Frage des Außenhandels", so Moltmann.

Des Weiteren forderte er eine Koordinierung der Waffenexporte auf EU-Ebene. "Es ist unverantwortlich, dass sich einzelne EU-Mitglieder auf den Märkten für Rüstungsgüter Konkurrenz machen, die Preise nach untern treiben und so die Dynamik des Aufrüstens weiter befeuern."

Weltweit wurden deutsche Waffen an 63 Länder verkauft, darunter Pakistan, Israel, Iran, Irak, Ägypten und China. Der Verkauf eines sechsten Dolphin-U-Boots an Israel und Abkommen über Panzerfahrzeuge und Schiffe an Algerien seien die wichtigsten deutschen Aufträge, so Sipri.

Griechenland, Europas größter Waffenkäufer, fiel in der Importliste von Platz vier auf zehn zurück und werde künftig wohl keine große Rolle mehr als Handelspartner spielen.

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