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Weltneuheit TÜV prüft Hilfsorganisationen

Der TÜV Thüringen prüft nach Informationen der Frankfurter Rundschau erstmals auch Spendenorganisationen. Ein Zertifikat soll Effizienz und Transparenz bei der Verwendung von Spenden garantieren. Von Matthias Thieme

08.10.2009 00:10
Matthias Thieme
Ärzte ohne Grenzen: Ein unterernährtes Baby im Kongo wird untersucht. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Der TÜV Thüringen prüft nach Informationen der Frankfurter Rundschau erstmals auch Spendenorganisationen - eine Weltneuheit. Als erste Organisation hat Ärzte ohne Grenzen das Zertifizierungsverfahren des TÜV durchlaufen und bestanden. "Das Zertifikat entspricht höchsten Ansprüchen", sagt Thomas Kurmann, Leiter der Spenden-Abteilung, "es ist eine Bestätigung, dass wir wirklich effektiv arbeiten." Im Laufe des komplizierten Verfahrens werden alle Arbeitsabläufe der Hilfsorganisation unter die Lupe genommen. "Danach weiß jeder genau, was seine Rolle, seine Funktion und Verantwortung ist", sagt Kurmann.

Jetzt ist Ärzte ohne Grenzen ist die erste Hilfsorganisation mit Spenden-TÜV. Nun sollen weitere folgen. "Das kann für jede Organisation ein Schritt zur Professionalisierung sein", sagt Thomas Kreuzer, Leiter der Fundraising-Akademie Frankfurt, die das Verfahren mit entwickelt hat.

Entstanden ist diese Idee aus den Bemühungen der Hilfsorganisationen, ihre Projektarbeit und Mittelverwendung effizienter und transparenter zu machen. Jetzt wird über den neuen Spenden-TÜV bei den Hilfsorganisationen heiß diskutiert. Werden die Spender bald darauf achten, wer TÜV-geprüft ist und wer nicht? Lohnt sich die Prozedur für alle Hilfsorganisationen? Was unterscheidet das TÜV-Zertifikat vom bestehenden Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI)?

"Wir als Dachverband sehen das TÜV-Zertifikat positiv", sagt Daniela Felser, Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats, der am Donnerstag einen trotz Wirtschaftskrise weiter boomenden Spendenmarkt bilanzieren konnte. Mehr als zwei Milliarden Euro spendeten die Deutschen im Jahr 2008 laut einer Studie (siehe Kasten).

Wo die Bereitschaft zu geben so groß ist, wächst aber auch das Bedürfnis nach klaren Regeln und nachvollziehbarer Verwendung der Spenden. "Transparenz ist der wichtigste Eckpfeiler jeder Spendenorganisation", meint Felser, "die Spender wollen informiert werden." Das neue Zertifikat sei keine Konkurrenz zum DZI-Spendensiegel. Die TÜV-Prüfung für gemeinnützige Organisationen verfolge "einen ganz anderen Ansatz".

So haben die großen Organisationen Ärzte ohne Grenzen und Welthungerhilfe gemeinsam mit dem Deutschen Fundraisingverband ein neues Managementsystem entwickelt, das die Transparenz im Spendenwesen verbessern soll. "Total Quality Excellence (TQE)" heißt das Programm, an dem Experten jahrelang getüftelt haben. Mit dem neuen System könnten Spendenorganisationen endlich beweisen, wie effizient sie arbeiten, heißt es in der Branche. Der TÜV wiederum schult die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen, die das Transparenzsystem intern zum Laufen bringen sollen.

Der Schutz der Spender stehe bei dem TÜV-Zertifikat nicht im Vordergrund, sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des DZI, welches das bekannte Spendensiegel vergibt. Bei der TÜV-Zertifizierung gehe es um die innere Organisation der Hilfswerke. "Es ist natürlich im Interesse der Spender, wenn diese Prozesse reibungslos organisiert sind", sagt Wilke - doch das DZI-Spendensiegel prüfe etwa auch "Wahrheit, Eindeutigkeit und Sachlichkeit" der Spendenwerbung und gelte als allgemeines "Vertrauenssiegel". Wilke sieht die TÜV-Prüfung als eher für große Spendenorganisationen geeignet. "Je kleiner eine Organisation ist, desto weniger lohnt sich das Verfahren, weil es einen großen Aufwand bedeutet."

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