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Weltkulturerbe Schatz von Timbuktu zerstört

In Timbuktu sind vermutlich Teile des wertvollsten Kulturguts Malis in Flammen aufgegangen. De Bürgermeister der Stadt spricht von einem "kulturellen Verbrechen".

Eine uralte Handschrift aus der Bibliothek in Timbuktu. Ob auch sie ein Opfer der Flammen wurde, ist bislang nicht bekannt. Foto: DPA

In Timbuktu sind vermutlich Teile des wertvollsten Kulturguts Malis in Flammen aufgegangen. De Bürgermeister der Stadt spricht von einem "kulturellen Verbrechen".

In Timbuktu, der „Stadt der 333?Heiligen“ im Norden Malis, sind vermutlich Teile des wertvollsten Kulturgutes des Landes in Flammen aufgegangen. Vor vier Tagen hätten die Islamisten, die den Ort seit über acht Monaten kontrollierten, das Ahmed-Baba-Institut für Höhere Studien und Islamische Forschung in Brand gesteckt, ehe sie sich vor den anrückenden französischen Truppen zurückzogen, berichtete am Montag der nach Bamako geflüchtete Bürgermeister der Stadt, Hallé Ousmane Cissé. Von diesem „kulturellen Verbrechen“ habe er über seinen Pressechef erfahren, der am Sonntag von Timbuktu in den Süden gereist sei.

Im Gebäude, das von der südafrikanischen Regierung errichtet wurde, waren etwa 20 000 wertvolle Manuskripte aufbewahrt. Das Institut setzte sich zum Ziel, die vom Zerfall bedrohten Pergamente zu retten, auszuwerten und zu katalogisieren. Wie viele davon nun unwiderruflich verloren sind, ist noch nicht geklärt. Vermutlich haben Bibliothekare schon kurz vor der Machtübernahme der Islamisten im vergangenen April einen Teil der Sammlung an einen sicheren Ort gebracht.

Mittelpunkt islamischer Gelehrsamkeit in Afrika

Timbuktu war jahrhundertelang nicht nur Zentrum des Trans-Sahara-Handels und bedeutender Umschlagplatz für Sklaven, sondern auch der Mittelpunkt islamischer Gelehrsamkeit in Afrika. An der Medrese der Sankoré-Moschee wurden arabische Sprache, Rhetorik, Astronomie und Rechtsprechung doziert. In der Stadt gab es im ausgehenden 15. Jahrhundert zwischen 150 und 180 Koranschulen.

Experten gehen davon aus, dass es in Timbuktu an die 100 000 historische Manuskripte gibt, von denen die ältesten aus dem 13. Jahrhundert stammen dürften. Es sind Traktate über Musik und Botanik, über Geschichte und Literatur, über Handel und Religion. Viele von ihnen wurden aus Ägypten importiert und dann von professionellen Schreibern kopiert.

Zahlreiche Dokumente sind in afrikanischen Sprachen verfasst und in arabischer Schrift niedergelegt. Viele dieser Schriften, die oft nur aus einer oder zwei Seiten bestehen, sind allerdings in privatem Familienbesitz, gehütet von den Nachkommen berühmter Marabouts: islamischer Gelehrter, die von der Bevölkerung bis heute verehrt werden.

Islamisten ist der Volksglaube zuwider

Den Islamisten ist dieser Volksglaube, der stark mit mystischen Elementen des Sufismus durchsetzt ist, zuwider. Aus diesem Grund haben sie in Timbuktu schon im vergangenen Jahr ein halbes Dutzend Mausoleen demoliert, die – ebenso wie die historischen Schriften des Ahmed-Baba-Instituts – von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden waren.

Bürgermeister Hallé Ousmane Cissé sagte damals im Interview: „Nur das Äußere ist zerstört, die Lehmgebäude. Die Verehrung ist in unseren Herzen. Es ist nicht das Material, was zählt. Der Geist ist weiterhin da. Er ist nicht im Lehm. Er ist in unseren Herzen.“ Die Mausoleen könne man wieder aufbauen.

Anders sieht es bei der Zerstörung von Schriftdokumenten aus. Bei einer vorübergehenden Auslagerung von Beständen der Bibliothek der Medrese von Sankoré in die Kongressbibliothek in Washington waren zwar zahlreiche Manuskripte auf Mikrofilm aufgezeichnet worden. Andere aber dürften nun für immer verloren sein.

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