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Welthungerhilfe Je früher die Hilfe, umso wirksamer

Weltweit sinkt die Zahl der Hungernden. Doch laut Welthungerhilfe könnte viel mehr getan werden, wenn Staaten schon auf erste Warnsignale reagieren würden.

Verhungerter Esel
Wenn der Hunger da ist, Menschen bis auf die Knochen abmagern und Kinder sterben, wenn Felder verdorren, das Vieh verendet und Brunnen austrocknen, rollt die Hilfsmaschine an. Foto: rtr

Das Mitleid kommt fast immer zu spät. Wenn der Hunger da ist, Menschen bis auf die Knochen abmagern und Kinder sterben, wenn Felder verdorren, das Vieh verendet und Brunnen austrocknen, wenn ARD und ZDF zu Spenden aufrufen und Sondersendungen ausstrahlen, dann erst rollt die große Hilfsmaschine an. Um das Allerschlimmste abzuwenden, konzentrieren internationale, staatliche und private Hilfsorganisationen ihre Anstrengungen auf die am stärksten von Hunger betroffenen Regionen.

Diese Hilfe ist ohne Frage wichtig und im Verbund mit langfristig angelegten Entwicklungsprojekten und steigender Wirtschaftskraft der armen Länder mit dafür verantwortlich, dass der Hunger in der Welt seit Jahren auf dem Rückzug ist. Laut UN-Welternährungsprogramm sank die Zahl der Hungernden global von mehr als einer Milliarde im Jahr 1990 auf 795 Millionen im vergangenen Jahr, während die Weltbevölkerung im gleichen Zeitraum um 2,1 auf 7,3 Milliarden Menschen wuchs. Noch weitaus größere Fortschritte wären nach Ansicht von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) allerdings möglich, wenn bereits vor dem Ausbruch einer Hungerkatastrophe geholfen würde.

„Wir haben bereits vor Monaten vor einer lebensbedrohlichen Versorgungskrise in Teilen Ostafrikas gewarnt. Wir konnten fast auf die Woche genau vorhersagen, wann die Nahrungsvorräte erschöpft sein würden“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe, Till Wahnbaeck. Genutzt hat dieses Wissen allerdings nichts, weil der Welthungerhilfe ebenso wie anderen NGO die Mittel fehlten, um beizeiten gegen Dürre und Hunger vorgehen zu können.

Das Ergebnis ist erschütternd: Rund 20 Millionen Menschen im östlichen Afrika sind derzeit vom Hungertod bedroht. Die nun anlaufende Hilfe wird für viele Menschen zu spät kommen.

Vor diesem Hintergrund fordert Wahnbaeck eine grundlegende Reform der Finanzierung, die vorbeugende Hilfsmaßnahmen ermöglichen soll. „Jeder Euro, den wir frühzeitig ausgeben, um Notsituationen zu vermeiden, ist vier bis fünfmal so wirksam wie Gelder gegen eine akute Hungersnot“, sagt Wahnbaek. Der Rekordbetrag von 263,9 Millionen Euro, der der Welthungerhilfe 2016 zur Verfügung stand, hätte demnach ein Vielfaches bewirken können, wenn die Mittel nur rechtzeitig verfügbar gewesen wären.

Als geeignete Instrumente, um künftig Prävention zu finanzieren, nennt Wahnbaeck Fonds und Dürre-Versicherungen.: Mit den daraus verfügbaren Geldern könnten sich Staaten und Hilfsorganisationen wie auch Kleinbauern und Kooperativen gegen wetterbedingte Hungersnöte wappnen. Die Mittel stünden zur Verfügung, noch bevor die Katastrophen eintreten.

Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann hofft dabei auf die Hilfe der Bundesregierung, die Afrika zum Schwerpunktthema ihrer aktuellen G20-Präsidentschaft erhoben hat. Und das völlig zu Recht, wie Wahnbaeck meint: Zum einen ist Afrika der einzige Kontinent, auf dem die Zahl der Hungernden seit 1990 angestiegen ist: Von 181,7 auf 232,5 Millionen Menschen.

Zum anderen stehe außer Frage, dass zahlreiche Dürren und andere Wetterextreme, die zu Ernährungskrisen führen, vom Klimawandel bedingt oder begünstigt werden. Für die Erwärmung der Atmosphäre wiederum sind vor allem die Industrienationen verantwortlich.

Das sieht US-Präsident Donalds Trump bekanntlich ganz anders. Er hält den menschengemachten Klimawandel für frei erfunden. Angesichts dessen wäre es laut Dieckmann schon ein Erfolg, wenn sich die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer auf dem G20-Gipfel Anfang Juli in der Hansestadt Hamburg auf eine gemeinsame Absichtserklärung zu einer Dürreversicherung einigen könnten.

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