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Weltgesundheitsorganisation Privatisierung der WHO

Die WHO will 300 Stellen streichen. Verantwortlich für diese Maßnahme seien die Wirtschaftskrise und der Wertverlust des Dollars. Mehrere Pharmakonzerne wollen als Sponsoren einspringen.

19.05.2011 21:56
Pierre Simonitsch
„Wir erhalten unsere Mittel in Dollar und bezahlen unsere Angestellten in Schweizer Franken“ Foto: AFP

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht sich gezwungen, etwa 300 Mitarbeiter zu entlassen. Das geht aus dem Bericht hervor, den WHO-Generaldirektorin Margaret Chan diese Woche in Genf auf der Jahresversammlung der Organisation unterbreitet hat. Den Dokumenten ist zu entnehmen, dass bis 2013 das Budget um mehr als eine Milliarde Dollar gekürzt werden muss. Chan machte dafür die Wirtschaftskrise in zahlreichen Ländern und den Wertverlust des Dollars verantwortlich. „Wir erhalten unsere Mittel in Dollar und bezahlen unsere Angestellten in Schweizer Franken“, erklärte sie.

Mehrere der 30 wichtigsten Beitragszahler hätten ihre freiwilligen Zahlungen gedrosselt, weil sie selbst in finanziellen Schwierigkeiten steckten, sagte die WHO-Generaldirektorin. Nach Angabe von Diplomaten gehört Deutschland nicht zu diesen Staaten. Das Zwei-Jahres-Budget 2010/2011 beträgt 4,5 Milliarden Dollar. Über anderthalb Milliarden davon stammen aus freiwilligen Beträgen, die Regierungen, Firmen oder Privatpersonen oft an bestimmte Projekte gebunden der WHO zukommen lassen. Nur 53 Prozent dieser freiwilligen Beiträge werden von Regierungen geleistet; Deutschland steuerte 17,6 Millionen Dollar zum laufenden Haushalt bei.

Der Rest stammt überwiegend aus privaten Quellen, darunter der Bill und Melinda Gates Stiftung. Bill Gates trat übrigens diese Woche bei der Weltgesundheitskonferenz auf und ließ sich ausgiebig feiern. Auch etliche Pharmakonzerne zeigen sich spendabel. So zahlte die Firma Glaxosmithkline über 22 Millionen Dollar für Programme der WHO. Kritiker vermuten, dass diese Spenden nicht uneigennützig sind und Gewinne in mehrfacher Höhe generieren. Dabei wird auf die „Schweinegrippe“ verwiesen.

2009 hatte die WHO auf den Rat von Experten, die teilweise mit der Pharmaindustrie zusammenarbeiten, Epidemiealarm der Stufe eins ausgelöst. Die Regierungen kauften Riesenmengen von Medikamenten, die den Herstellern Milliardenumsätze brachten. Doch das Schweinegrippevirus blieb harmloser als befürchtet.

Eine Reihe von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) warnen jetzt vor einer weiteren „Privatisierung“ der WHO. Die aus Hongkong stammende Chefin will hingegen die Privatwirtschaft stärker einbinden – dies solle eine längerfristige Finanzplanung ermöglichen. Die meisten Länder der nördlichen Hemisphäre finden aber, dass sich die WHO verzettelt. Sie wollen sie durch Budgetkürzungen dazu bringen, „sich wieder auf ihre wesentlichen Aufgaben zu besinnen“.

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