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Wehrdienst Wer in Israel nicht dient, gehört nicht dazu

In Israel spielt das Militär eine prägende Rolle - seine Bedeutung ist historisch gewachsen.

Kampftraining
In Israel muss jeder zum Wehrdienst, auch junge Frauen. Foto: rtr

Das Militär ist in Israel omnipräsent – ganz gleich, ob man durch die Jerusalemer Altstadt spaziert, am Strand von Tel Aviv liegt oder ein Museum besucht. Überall sieht man junge Frauen und Männer in olivfarbener Uniform, manche tragen ein Maschinengewehr über der Schulter. Was hierzulande undenkbar und eher verstörend wirken würde, ist in Israel Normalität.

In Israel muss jeder zum Wehrdienst, auch junge Frauen. Das Land hat damit eine der strengsten Wehrpflichtordnungen. Mit 18 Jahren werden Frauen und Männer zum Wehrdienst eingezogen. Frauen müssen rund zwei Jahre zum Militär gehen, Männer fast drei Jahre. Besonders für Männer ist es kaum möglich, sich dem Dienst zu entziehen. Wer den Dienst verweigern will, muss mit einem langen und aufwendigen Prozess rechnen.

Für die jungen Menschen ist die Zeit in der Armee ein besonderer und prägender Lebensabschnitt, durch das Militär müssen sie schneller erwachsen werden – auch wenn es für Mütter und Väter nicht immer einfach ist, ihre Kinder loszulassen, stehen die meisten dahinter.

Die Mehrheit der jungen Soldatinnen und Soldaten ist stolz, den Militärdienst leisten zu dürfen; sie tragen die Uniform auch in der Öffentlichkeit gern. All das ist auch Teil einer Heroisierung, dem Militär wird vertraut. In Souvenirläden gibt es sogar T-Shirts mit den Logos der Israeli Defence Forces (IDF) zu kaufen. Wer nicht in der Armee gedient hat, gehört nicht richtig dazu. In Deutschland ist eine vergleichbare Verehrung undenkbar.

Die Armee hat in Israel einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert und damit auch eine andere Selbstverständlichkeit als in Deutschland. Die Jahre im Militär schweißen zusammen – die Jugendlichen wie auch die israelische Gesellschaft. Die Zeit in der Armee soll die jungen Menschen auch auf das Berufsleben vorbereiten. Es gibt sogar eine Spezialeinheit beim Militärgeheimdienst für Autisten.

Ultraorthodoxe sind befreit

Bei späteren Bewerbungsgesprächen wird nicht selten gefragt, welche Position man bei der Armee ausgeübt hat. Zugleich ist das Militär einer der größten Arbeitgeber im Land.

Die Bedeutung ist historisch gewachsen, Israel ist anders als Deutschland von Feinden umgeben. Das Militär ist eine Verteidigungsarmee, die den Bürgern Sicherheit gewährleisten soll. Die Anwesenheit von Soldatinnen und Soldaten wird daher nicht als Bedrohung empfunden. Aktuell gibt es rund 170 000 aktive Soldatinnen und Soldaten und rund 445 000 Reservisten – bei etwa 8,3 Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: Bei der Bundeswehr sind aktuell rund 170 000 Berufs- und Zeitsoldaten und 8500 freiwillige Wehrdienstleistende.

Nur wenige Menschen müssen keinen Militärdienst in Israel absolvieren: arabische Staatsbürger, Mütter, verheiratete Frauen und ultraorthodoxe Juden, die an einer Religionsschule studieren, sind befreit vom Militärdienst. Staatsgründer David Ben-Gurion hatte im Jahr 1948 zugestimmt, jüdische Religionsstudenten vom Dienst zu befreien. Da lebten einige Hundert Strenggläubige in Israel. Inzwischen leben schätzungsweise 70 000 Ultraorthodoxe in dem Land.

Ob es jedoch bei dieser Ausnahme für streng religiöse Juden bleibt, ist unklar. Aktuell streitet die Regierung über die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden. Es gibt aber auch Strenggläubige, die den Wehrdienst freiwillig absolvieren.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel

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