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Wahlen Malier hoffen auf Veränderung

Die Präsidentenwahl im westafrikanischen Krisenstaat Mali verläuft ruhiger als erwartet.

Sicherheitskräfte beschützen die Wahllokale in Mali
Die Sicherheitsvorkehrungen vor den Wahllokalen sind hoch. Foto: rtr

Ohne nennenswerte Zwischenfälle ist der Wahltag in Mali verlaufen, wo neben anderen Friedenstruppen auch rund 1000 Bundeswehrsoldaten stationiert sind. Millionen Malier gaben am Sonntag ihre Stimme in dem westafrikanischen Krisenstaat ab, dessen nördliche Hälfte vor sechs Jahren vorübergehend von extremistischen Islamisten und sezessionistischen Tuaregs besetzt worden war. Eine französische Eingreiftruppe beendete ein Jahr später die Herrschaft der Rebellen. 

Seit der Wahl im August 2013 kontrolliert Präsident Ibrahim Boubacar Keïta offiziell das Land – allerdings nehmen die Überfälle der mit der Terrorgruppe Al-Kaida verbündeten Islamisten inzwischen wieder zu. Der unabhängige Online-Dienst Malilink registrierte allein in der ersten Hälfte dieses Jahres 932 einzelne Überfälle, mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr und drei Mal so viele wie 2015. Seit Januar sollen mehr als 300 Zivilisten getötet worden sein, darunter auch Kinder.

Glichen Wahlkämpfe in Mali einst Karnevalsumzügen, so erinnerte dieser eher an Trauermärsche: Wie in der legendären Wüstenstadt Timbuktu konnten Wähler in einigen Landesteilen aus Sicherheitsgründen gar nicht zu den Urnen gehen. „Wir alle wissen, dass wir unter diesen Umständen keine perfekte Abstimmung haben können“, räumte Premier Soumeylou Boubeye Maiga ein: „Aber wir können Wahlen haben, die von allen akzeptiert werden.“ Soumaila Cissé machte allerdings klar, dass dies ein frommer Wunsch bleiben könnte: „Wir haben bereits massive Wahlfälschungen festgestellt“, sagte der 68-jährige Herausforderer: „Dies ist eine betrügerische Regierung.“

Cissé war bereits vor fünf Jahren gegen den 73-jährigen Keïta angetreten – und verlor in der Stichwahl klar mit weniger als 33 Prozent der Stimmen. Trotzdem werden unter den 24 Oppositionskandidaten – darunter ein Astrophysiker und nur eine Frau – auch dieses Mal lediglich ihm Chancen eingeräumt, den amtierenden Präsidenten zu besiegen: Vor allem, wenn es zu einer Stichwahl kommen sollte, in der sich die Wähler der anderen Oppositionskandidaten hinter den einstigen Finanzminister stellen könnten. „Die Malier wollen Veränderung“, ist sich der ausgebildete Informatiker sicher.

Tatsächlich ist dem einstigen Geschäftsmann Keïta während seiner fünfjährigen Regierungszeit nicht viel geglückt. Immer weiter dehnen sich die Übergriffe der Islamisten auch aufs Zentrum des Landes aus, bis nur wenige Hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako. Im Juni gelang den Extremisten sogar ein Anschlag auf das Hauptquartier der G5 genannten Antiterror-Truppe der fünf Sahelstaaten in Severe, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Selbst der Präsident kann sich nur mit größtem Sicherheitsaufgebot in manche Regionen seines Landes begeben. Im September vergangenen Jahres unterzeichnete Keïta zwar einen Friedensvertrag mit den Tuaregs. Doch selbst wenige Tage vor den Wahlen in Timbuktu wieder aufflammende Kämpfe zwischen Tuaregs und aus dem Süden des Landes stammenden dunkelhäutigen Afrikanern zeigen, was von der Vereinbarung zu halten ist.

Die in der Stadt Gao im unsicheren Norden des Landes stationierten Bundeswehrsoldaten sind vor allem damit beschäftigt, sich selbst zu schützen – was ihnen bislang ganz gut gelang. Außer der Besatzung eines abgestürzten Hubschraubers hatten sie bisher keine Verluste zu beklagen. Das kann von der 12 000 Mann starken UN-Friedenstruppe Minusma leider nicht behauptet werden. Sie gilt als die derzeit gefährlichste Mission des Staatenbundes. 170 Blauhelme kamen in den vergangenen Jahren ums Leben. Ob Keïta oder Cissé die Wahlen gewinnt, wird auf die Präsenz fremder Truppen im Land kaum Auswirkungen haben: Beide Kandidaten begrüßen die ausländische Militärhilfe. Neben den Bundeswehrsoldaten ist auch noch ein 4500 Köpfe umfassendes französisches Kontingent in Mali und seinen Nachbarstaaten stationiert, das die Bedeutung Malis für Europa nicht nur wegen des Anti-Terror-Kampfes unterstreicht. Neben dem Niger gilt Mali als Quelle und Durchgangsland für Migranten auf dem Weg in den Norden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Mali

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