Lade Inhalte...

Wahlen in der Türkei Hohe Wahlbeteiligung unter Deutsch-Türken

Die Türkische Gemeinde in Deutschland sieht den Erdogan-Konkurrenten Muharrem Ince vorn. „Diese Wechselstimmung spüre ich auch in Deutschland“, sagt der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu.

Türkei-Wahl
Vor dem türkischen Generalkonsulat in Berlin: Dieses Mal gaben mehr Menschen als beim Referendum ihre Stimme ab. Foto: dpa

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sieht bei der Parlaments- und Präsidentschaftswahl in seinem Land wachsende Chancen für den Oppositionskandidaten Muharrem Ince. „Der Oppositionskandidat wird immer beliebter in der Türkei“, sagte Sofuoglu der Frankfurter Rundschau. „Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Diese Wechselstimmung spüre ich auch in Deutschland.“ Im Zentrum stünden die wirtschaftlichen Perspektiven und die Frage der internationalen Verankerung der 80 Millionen Einwohner zählenden Nation am Bosporus.

Im Gegensatz zum Referendum über die Präsidialverfassung im vorigen Jahr verlaufe der Wahlkampf sowohl in der Türkei als auch in Deutschland sehr ruhig, fügte Sofuoglu hinzu. Und das sei gut so. Präsident Recep Tayyip Erdogan habe „immer durch Polarisierung gewonnen. Dieser Polarisierungseffekt ist jetzt nicht da.“ Mit Blick auf die Türkische Gemeinde erklärte deren Vorsitzender: „Wir halten uns da raus. Wir empfehlen, dass die Menschen von ihrem Recht Gebrauch machen und zur Wahl gehen, wenn sie eine andere Türkei wollen.“

Der grüne Außenexperte Cem Özdemir sagte der FR, die Lage der Wirtschaft habe sich wegen der hohen Inflation und des Wertverlusts der Lira dramatisch verschlechtert, und die Türkei sei international isoliert.

Auch merkten die Menschen, dass es dem Präsidenten allein um seinen Machterhalt gehe. „Unter normalen Umständen müsste Erdogan deshalb mindestens in den zweiten Wahlgang um die Präsidentschaft, und die Mehrheit für seinen nationalistisch-fundamentalistischen Block im Parlament wäre weg.“ Die Umstände in der Türkei seien jedoch alles andere als normal, so Özdemir. Die Wahlkampfbedingungen für die Opposition seien extrem unfair gewesen. Er erwarte darum nicht, dass die Wahl am Sonntag demokratischen Standards gerecht werde.

Der Politiker kritisierte ferner die deutschtürkischen Erdogan-Anhänger mit den Worten: „Das Kopfschütteln über Anhänger von Erdogan beschränkt sich keineswegs auf Deutschland. Viele in der Türkei sind sauer auf ihre deutschtürkischen Verwandten, die in Deutschland Demokratie und Wohlstand genießen, im Herkunftsland aber Diktatur und wirtschaftliches Chaos wählen, ohne selbst dort zu leben oder Steuern zu bezahlen.“

Beim Referendum über die neue Präsidialverfassung im Frühjahr 2017, die Erdogan mehr Macht verlieh, hatten rund 63 Prozent der türkischstämmigen Wähler in Deutschland für die Reform gestimmt. Doch das Resultat sollte nicht überbewertet werden: Von den 3,5 Millionen türkischstämmigen Einwohnern in Deutschland sind bloß 1,4 Millionen türkische Staatsbürger und damit wahlberechtigt. Von diesen 1,4 Millionen haben rund 700 000 abgestimmt. 450 000 votierten für die Präsidialverfassung. Das bedeutet unter dem Strich: 450 000 von 3,5 Millionen Deutschtürken stärkten Erdogan den Rücken. Ungeachtet dessen hat er es immer wieder vermocht, seinen Einfluss in Deutschland zu sichern – so etwa über den türkischen Geheimdienst MIT oder über den türkisch-islamischen Religionsverband Ditib, den verlängerten Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen