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Wahlen in den USA Pitbull mit Lippenstift

Frauen drohen bei der US-Wahl in Scharen zu den Republikanern überzulaufen. Für Obama kann das gefährlich werden: Den weiblichen Wählern verdankt Obama nämlich seinen Sieg.

26.10.2010 19:03
Dietmar Ostermann
Die Frauen wenden sich von Obama ab. Foto: ddp

Unter all den schlechten Nachrichten der Demoskopen für Barack Obama ist das vielleicht die schlechteste: Amerikas Frauen wenden sich von den Demokraten ab. 49 Prozent wollen laut Gallup-Institut bei der US-Kongresswahl am 2. November für einen Republikaner stimmen, nur 46 Prozent für die Partei des Präsidenten. Traditionell wählen Frauen in den USA mehrheitlich Demokraten, Männer Republikaner. Bei der Präsidentschaftswahl 2008 gaben noch 56 Prozent der Frauen Obama ihre Stimme, 49 Prozent der Männer. Den weiblichen Wählern verdankte Obama seinen Sieg.

Es gibt viele Gründe, warum es diesmal anders kommen könnte. Einer sind die „Mama Grizzlys“, konservative Frauen, die sich nach dem Vorbild Sarah Palins mit spitzen Krallen in die Wahlschlacht stürzen. Die Republikaner, lange die Partei der weißen Männer, haben erstaunlich viele Kandidatinnen aufgestellt: Die Ex-Ebay-Chefin Meg Whitman will in Kalifornien Gouverneurin werden, Susana Martinez in New Mexico, Nikki Haley in South Carolina. Ob die Republikaner den Senat erobern, hängt entscheidend davon ab, wie Carly Fiorina (Kalifornien), Sharron Angle (Nevada) und Christine O’Donnell (Delaware) abschneiden.

Dass sich etwa Angle und O’Donnell in den Vorwahlen mit Hilfe der „Tea Party“-Bewegung gegen männliche Konkurrenz durchsetzten, ist kein Zufall: Laut Umfragen sind die Anhänger der erzkonservativen Graswurzelbewegung mehrheitlich weiblich – ebenso wie deren Ikone, Sarah Palin. Wenn sich jetzt auch Amerikas konservative Frauen nicht mehr damit begnügen, Küche und Kinder zu hüten, ist das maßgeblich ein Erfolg der früheren Alaska-Gouverneurin. Schon als Vizepräsidentschaftskandidatin 2008 hatte Palin sich als „Pitbull mit Lippenstift“ empfohlen und von den „Mama-Grizzlybären“ gesprochen, die „sich auf die Hinterbeine stellen, wenn jemand ihre Jungen attackiert“. Diesen Sommer unterstützte die fünffache Mutter bei der Aufstellung republikanischer Kandidaten gezielt weibliche Bewerber, die „Rosa Elefanten“.

Palin will den Demokraten Wählerinnen abspenstig machen und sich selbst eine Hausmacht bei den Republikanern schaffen – wohl nicht zuletzt mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2012. Zwar mussten sich einige der Palin-Schützlinge ähnlich wie ihre Mentorin derben Spott der US-Medien gefallen lassen. In Nevada verhaspelte sich Angle in den Verfassungspassagen zur Staatsferne der Religion, in Delaware wurden O’Donnell frühere Thesen zu Hexerei und Masturbation um die Ohren geschlagen. Gut möglich aber, dass die Häme bei einigen Wählerinnen nur zu einer Solidarisierung führt, wie das schon bei Palin zu beobachten war.

Noch ein anderer Trend könnte Obama und seine Partei treffen: Viele Frauen, die in der Vergangenheit den Demokraten ihre Stimme gaben, dürften diesmal zu Hause bleiben. Weil in Umfragen gerade Frauen wahlmüde sind, rief der Radiosender NPR 2010 zum „Jahr der erschöpften arbeitenden Frau“ aus. Für die steht Velma Hart, die Obama in einer Bürgerstunde vorhielt: „Ich bin erschöpft, Sie zu verteidigen, erschöpft, den Mantel des Wandels zu verteidigen, für den ich gestimmt hatte, und tief enttäuscht, wo wir heute sind.“ Alleinstehende, schwarze und hispanische Frauen leiden besonders unter der Krise. Im Weißen Haus hat man die Gefahr erkannt. First Lady Michelle Obama soll Wählerinnen mobilisieren. Ein jüngst veröffentlichter Bericht listet auf, wie Obama die wirtschaftliche Lage von Frauen verbessert habe.

Viele dürften indes eher wie Velma Hart empfinden: „Wir dachten, die Hot-Dogs-und-Bohnen-Phase unseres Lebens läge hinter uns. Aber sie klopft wieder an unsere Tür. Herr Präsident, sagen Sie mir ehrlich: Ist das meine neue Realität?“

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