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Wahlen Das Krokodil verteidigt seine Macht in Simbabwe

In Simbabwe wird ein neuer Präsident gewählt. Amtsinhaber Mnangagwa setzt im Wahlkampf auf Mittel seines Vorgängers Mugabe – des Diktators, den er aus dem Amt jagte.

Harare
Im Simbabwes Haupstadt Harare macht nur die Regierungspartei Wahlkampf. Foto: rtr

Die ungewöhnliche Begegnung findet ausgerechnet in Borrowdale statt, dem noch immer luxuriösen Stadtteil der simbabwischen Hauptstadt Harare, in dem Robert Mugabe seinen erzwungenen Ruhestand fristet. Von seiner Villa mit ihren 25 Schlafzimmern aus könnte der 94 Jahre alte Ex-Präsident fast den Vorgang verfolgen, der sich auf der Borrowdaler Pferderennbahn abspielt. Angesichts der seltsamen Szene würde er seinen greisen Augen allerdings ohnehin nicht trauen.

Auf dem nur leicht verwahrlosten Parcours sucht Mugabes einstiger Kampfgefährte und Nachfolger Emmerson Mnangagwa einem Häuflein Weißer, die dem zerrütteten Land noch treu geblieben sind, gut zuzureden: „Für uns gibt es keine schwarzen, braunen oder weißen Mitbürger mehr“, sagt der Präsident: „Wir sind alle Simbabwer.“ Rund 200 von der afrikanischen Sonne gegerbte, weiße Händepaare klatschen artig Beifall, doch bei der anschließenden Nationalhymne bleiben die Münder geschlossen. „Wir kennen den Text nicht so genau“, räumt eine blonde Apothekerin verlegen ein.

Wahlkampf in Simbabwe: Es ist der erste Urnengang in der 38-jährigen Geschichte des südafrikanischen Staates, bei dem der Name Robert Mugabe nicht auf dem Wahlzettel steht. Seit der berüchtigte Autokrat Ende des vergangenen Jahres mit einem Militärputsch aus dem Amt gejagt wurde, schmollen er und seine fast 40 Jahre jüngere Gemahlin Grace in ihrer Villa vor sich hin – während „Brutus“ Mnangagwa, der Drahtzieher des November-Coups, seine Macht zu zementieren sucht. Die für Montag angesetzte Präsidentenwahl soll den neuen Chef der Regierungspartei Zanu/PF auch demokratisch legitimieren – damit keiner mehr sagen kann, der 75-Jährige übe das höchste Staatsamt widerrechtlich aus.

Putsch hat Bewegung in den Krisenstaat Simbabwe gebracht

Auf der Pferderennbahn kommt es dem „Krokodil“ genannten einstigen Scharfmacher seiner Partei wohl weniger auf die 200 potenzielle Stimmen an – die er ohnehin nicht bekommen wird – als auf den weiteren Imagegewinn, den seine noble Geste vor allem im westlichen Ausland mit sich bringen könnte. „Lasst uns die Vergangenheit vergessen und nach vorne blicken“, sülzt der Politiker, der als hartnäckiger Verfechter der verheerenden Landreform galt. Und mancher Zuhörer zeigt sich beeindruckt. „Das hört sich doch alles sehr vernünftig an“, sagt ein vor zwölf Jahren von seinem Gut vertriebener weißer Farmer.

Mnangagwas Putsch hat zweifellos Bewegung in den verkrusteten Krisenstaat gebracht. In den vergangenen 20 Jahren standen sich Mugabe und Morgan Tsvangirai, Chef der oppositionellen Bewegung für demokratischen Wandel (MDC), in mehreren Showdowns als ewiger böser Gewinner und armer Verlierer gegenüber. Inzwischen ist das Bild komplizierter geworden. Selbst im westlichen Ausland wird Mnangagwa als Befreier gefeiert, weil er Grace Mugabe als designierte Nachfolgerin ihres Gatten gerade noch rechtzeitig ausschaltete. Nun will er die Lorbeeren zunächst in Stimmen und dann in ausländische Investitionen verwandeln. „Simbabwe ist offen für Business“, lautet Mnangagwas Mantra. Das sind Töne, wie sie die westlichen Gesandten in Harare nur zu gerne hören.

Auch ins Lager der Opposition ist Bewegung geraten, nachdem MDC-Chef Tsvangirai im Februar einer Krebserkrankung erlag. Aus dem kurz, aber hart geführten Nachfolgekampf ging Nelson Chimasa – nach einer weiteren Spaltung der Oppositionspartei – als neuer Führer hervor. Außer Vorname und Beruf teilt der Präsidentschaftskandidat auch Nelson Mandelas Vorliebe für blumige Hemden. Von der Statur der südafrikanischen Ikone ist der 40-Jährige allerdings weit entfernt. Ein weiterer Grund dafür, dass sich das westliche Ausland erstmals seit 20 Jahren einen Zanu-Wahlsieg wünscht: Dem mächtigen „Krokodil“ wird der Wiederaufbau des ruinierten Landes eher zugetraut als Babyface Chamisa.

Sonntagmittag im Stadion der Provinzstadt Gweru: Nachdem das Umfrageinstitut „Afrobarometer“ die MDC nur noch drei Punkte hinter der Regierungspartei bei 37 Prozent liegen sieht, könnte die Stimmung auf dem staubigen Gelände nicht besser sein. „Chisa, Chamisa!“, rufen Tausende in Rot gekleidete Oppositionsanhänger: „Feuer, Chamisa!“. Sie sind sicher, dass ihre Partei gewinnen wird – wie schon im April 2008, als allerdings Schlägerbanden der Regierungspartei den im ersten Wahlgang errungenen Oppositionstriumph in einer Gewaltorgie erstickten. Zur Stichwahl trat Tsvangirai damals erst gar nicht an, nachdem fast 200 Menschen getötet und mehr als 800 verprügelt oder vergewaltigt worden waren.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Simbabwe

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