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Wahl in Italien Der ganz andere Rechte

Tony Iwobi, Italiener aus Nigeria, mag keine Flüchtlinge. Demnächst wird er als erster schwarzer Abgeordneter in den römischen Palazzo Madama einziehen – ein Porträt.

Italien
Tony Iwobi in Mailand. Foto: imago

Die Geschichte von Tony Iwobi ist ein Paradebeispiel für Migration. Mit 22 Jahren kam er aus Nigeria nach Italien, per Studentenvisum. Heute, 40 Jahre später, ist er italienischer Staatsbürger, Inhaber einer Internetfirma mit zwölf Angestellten in der Provinz Bergamo, verheiratet mit einer Frau aus dem Norden, Familienvater und bestens integriert. Demnächst wird er als erster schwarzer Abgeordneter in den römischen Palazzo Madama einziehen, Sitz des Senats, der zweiten Parlamentskammer.

Allein Iwobis Parteibuch sorgt für Irritation. Es ist das der rechten Lega, die im Wahlkampf mit dem Slogan „Stop Invasione“ warb: Stopp der Invasion der Bootsflüchtlinge, die vorwiegend aus Afrika kommen. Die Lega holte am Sonntag mehr als 17 Prozent der Stimmen, ihr Chef Matteo Salvini will Premier werden und unverzüglich 600 000 illegale Zuwanderer aus dem Land werfen. Iwobi ist in der Lega seit vier Jahren für Migration zuständig.

Er selbst sieht keinen Widerspruch zwischen Hautfarbe und Überzeugung: „Steht denn irgendwo geschrieben, dass ein Schwarzer nicht rechts wählen darf?“ Er sei stolz darauf, der Lega seit 25 Jahren anzugehören – als „schwarzes Schaf“, wie er scherzt. Die Idee des Föderalismus habe ihn in den 90er Jahren angelockt. Damals hieß die Partei noch Lega Nord und bestand aus Separatisten, die den Norden wegen der von ihnen als „Schmarotzer“ beschimpften Süditaliener abspalten wollten. Erst unter Salvini driftete sie sehr weit nach rechts, strich den Zusatz „Nord“ und sorgt sich nun um den Fortbestand der weißen Rasse. Als Italien 2013 eine aus dem Kongo stammende Ministerin bekam, beleidigte ein Lega-Politiker sie als „Orang-Utan“.

Die Lega sei aber nicht rassistisch, beteuert Iwobi. Das sei „nicht sympathisch“, in der politischen Auseinandersetzung, aber nicht schlimm. „Was meinen Sie, was ich selbst an Beleidigungen erlebt habe. Ich hänge das nicht an die große Glocke“, sagt er. Seine Partei habe auch nichts gegen Zuwanderer. „Uns ist klar, dass Migration in der DNA des Menschen liegt. Aber solange es Staatsgrenzen gibt, ist illegale Zuwanderung eine Straftat.“ Und überall in Italien sehe er Flüchtlinge, die völlig sich selbst überlassen seien. „Eine soziale Bombe.“

Iwobi sieht sich als Kämpfer für alle, die legal ins Land kommen – so wie er. „Deshalb wählen viele von denen mit ordentlichen Papieren die Lega.“ Auch viele Schwarze, behauptet Iwobi. Er, der in Nigeria in einer katholischen Familie mit zehn Geschwistern aufwuchs und sich in Italien anfangs als Straßenkehrer durchschlug, fühlt sich heute durch und durch als Italiener. Das habe er sich mit vielen Opfern verdient, betont er.

Italiens Fußballstar Mario Balotelli, Sohn ghanaischer Einwanderer und aus den Stadien an Affenlaute und Bananenwürfe gewöhnt, reagierte schockiert auf die Nachricht über den ersten afrikanisch-stämmigen Lega-Senator. „Vielleicht bin ich blind oder vielleicht haben sie ihm noch nicht gesagt, dass er schwarz ist. Schande!!!“, schrieb Balotelli auf Instagram.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Italien

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