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VroniPlag-Gründer Heidingsfelder Anarchist mit Geltungsdrang

Plötzlich war sein richtiger Name in der Welt: Der Gründer der Plattform VroniPlag ist enttarnt. Doch statt Rache von gestürzten Politikern zu fürchten, geht Martin Heidingsfelder in die Offensive und sucht die Öffentlichkeit.

Gründer der Plattform VroniPlag: Martin Heidingsfelder. Foto: action press

Franz war's, soviel ist sicher. Ein Anonymus namens "Franz Müller" hat den bekanntesten Plagiatsprüfer im Internet enttarnt. Am vergangenen Freitagnachmittag schrieb er den echten Namen von "Goalgetter" in einem Kommentar auf taz.de und ergänzte wenig später auf ich-sag-das.de, dass "Goalgetter" SPD-Mitglied ist.

"Goalgetter" ist der Gründer der Plattform VroniPlag. Ohne diese Plattform hätten vermutlich die Tochter von Edmund Stoiber, Veronica Saß, und die beiden FDP-Politiker im Europäischen Parlament, Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis ihre Doktortitel noch.

"Goalgetter" ist eigentlich Martin Heidingsfelder, Unternehmer, Programmierer, leidenschaftlicher Golfspieler, 45 Jahre alt, nach eigener Aussage Sozialdemokrat - und alles andere als ein stiller, der Wissenschaft verpflichteter Plagiatoren-Jäger.

Glaubwürdigkeit der Politiker im Zentrum

Martin Heidingsfelder ist zutiefst politisch, das wird schnell klar, wenn man mit ihm chattet oder spricht. Besonders im Fall von Silvana Koch-Mehrin empörte ihn, wie lange sie geschwiegen hat. Unvorstellbar war es für ihn, dass jemand mit so einem Betrug durchkommen könnte. Am 9. Mai, zwei Tage bevor Koch-Mehrin ihren Rücktritt als Leiterin der FDP-Delegation im Europa-Parlament verkündete, sagte Heidingsfelder: Sie könne "unmöglich des Plagiats überführt werden und dann im Amt bleiben. Das wäre ein Sargnagel für die Demokratie und für die politische Glaubwürdigkeit".

Glaubwürdigkeit der Politiker - darum geht es eigentlich der ganzen Gruppe auf VroniPlag. Das betonten ebenfalls "AnnaNym" und "PlagDoc" in einem Interview, das die FR mit den beiden am 20. Mai veröffentlicht hatte. Doch im Gegensatz zu der Mehrheit der Aktivisten auf VroniPlag wollte "Goalgetter" viel mehr Aufmerksamkeit für das Projekt, für seine Plattform und damit für sich. Schon im ersten Telefonat im Frühling verriet er seinen klaren Namen, sein Hobby, seine familiäre Situation.

Am Ende doch selbstkritisch

Während die VroniPlag-Gruppe Politiker in die Enge trieb, indem sie Abgeordnete des Betrugs überführte, gab sich "Goalgetter" damit nicht zufrieden. Er forderte stets auch Konsequenzen: Rücktritte und Niederlegung der Mandate. Das jedoch war zu keinem Zeitpunkt ein gemeinsam erklärtes Ziel von VroniPlag.

Der interne Streit eskalierte vor knapp zwei Wochen, als der Spiegel einen Artikel über die Plagiatsprüfer brachte und "Goalgetter" als einen Selbstdarsteller erscheinen ließ. Danach entmachtete die VroniPlag-Gruppe ihren Gründer, und er fügte sich.

Dass er jetzt in die Offensive geht und sich selbst in einem Spiegel-Online-Interview als Gründer der Plattform vorstellt, scheint nur der nächste logische Schritt eines Mannes zu sein, der Nächte durcharbeitet und von sich sagt: "Ich mache immer 100 Prozent."

Der Frankfurter Rundschau sagte Martin Heidingsfelder gestern, dass der Stress der vergangenen Monate sich gelohnt habe: Spätestens bei den nächsten FDP Wahlergebnissen müssten Philipp Rösler und die FDP handeln." Es besteht nach meiner Einschätzung großer Unmut auch innerhalb der FDP. Die Partei und das EU-Parlament haben den Schaden. Der schlechte Ruf der Politiker wird durch solche Dinge noch schlechter."

Und auf die Frage, welche Fehler er selbst innerhalb der VroniPlag-Gruppe gemacht habe, antwortete Heidingsfelder: "Dazu brauche ich länger um das alles aufzuzählen." Es scheint, mit dem echten Namen, wird auch die selbstkritische Seite des VroniPlag-Anarchisten sichtbar.

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