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Vor Preisverleihung Pädophilie-Vorwürfe gegen Cohn-Bendit

Waren Cohn-Bendits Äußerungen zu Intimitäten mit Kindern provozierend gemeint, oder Beschreibung tatsächlicher Übergriffe? Landtagsabgeordnete von CDU und FDP fordern, die Verleihung des Heuss-Preises an ihn abzusagen.

12.04.2013 21:05
Cohn-Bendit: Alles nur eine Provokation? Foto: REUTERS

CDU und FDP in Baden-Württemberg haben die Theodor-Heuss-Stiftung dringend aufgefordert, die Ehrung für den Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit abzusagen. „Kindesmissbrauch ist kein Kavaliersdelikt“, sagte CDU-Fraktionschef Peter Hauk am Freitag in Stuttgart. In einem Video aus dem Jahr 1982, das die CDU der Presse präsentierte, schwärmt Cohn-Bendit über ein „wahnsinnig erotisches Spiel“ mit einem fünfjährigen Mädchen. Hauk folgerte: „Man muss davon ausgehen, dass er auch Täter war.“ Der Christdemokrat, der seine Einladung zur Preisverleihung nicht wahrnimmt, fügte hinzu: „Ein Pädophiler ist nicht preiswürdig.“

In dem von Hauk und FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke unterschriebenen Brief heißt es, mit einer Absage der Veranstaltung würde weiterer Schaden von der Stiftung und der bislang hohen Reputation ihres Preises abgewendet werden. Denn: „Die geplante Verleihung verhöhnt die Opfer von sexueller Gewalt.“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sowie Grünen-Fraktionschefin Edith Sitzmann hatten bestritten, dass Cohn-Bendit Kinder missbraucht habe. Der Regierungschef wollte auch am Freitag trotz der Kritik bei der Preisverleihung am 20. April in Stuttgart ein Grußwort halten. Damit schade Kretschmann nicht nur seinem Amt, vor allem aber dem Land, sagte Hauk.

Voßkuhle sagt Rede ab

Der 68-jährige Cohn-Bendit soll wegen seiner Verdienste um die Demokratie ausgezeichnet werden. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle hatte seine Festrede bei der Preisverleihung wegen der Äußerungen des Politikers bereits abgesagt. Er wolle den Anschein vermeiden, das Gericht würde solche Aussagen billigen, erklärte Voßkuhle.

CDU-Landeschef Thomas Strobl betonte, auch Kretschmann müsse jeden Anschein vermeiden, dass ein Verfassungsorgan, der Bundesrat, den er gerade leitet, die Äußerungen Cohn-Bendits akzeptiere oder toleriere. Diese könnten auch nicht mit dem Zeitgeist der 70er Jahre erklärt werden: „Sexuelle Handlungen mit Kindern waren damals widerlich und zu verurteilen, sie sind es heute, sie werden es morgen sein.“
Cohn-Bendits Statements in einem französischen Sender liegen sieben Jahre nach der Beschreibung von Intimitäten zwischen ihm und Kindern in einem Kindergarten. In dem Buch „Der große Basar“ aus dem Jahr 1975 hatte er seine Zeit als Betreuer erstmals thematisiert. Cohn-Bendit sowie Kinder und Eltern von damals betonten jedoch später, es sei zu keinem Missbrauch gekommen. Der Grüne erklärte zudem, diese Passagen seien „Blödsinn“ und eine „Provokation“ ohne realen Hintergrund gewesen.

Nach Auffassung von Hauk versucht Kretschmann, das Geschehen totzuschweigen und es damit zu verharmlosen. Bei der Landtagsdebatte am Donnerstag hatte er nicht auf die Vorwürfe reagiert. Kretschmann müsse sich aber klar vom Verhalten seines Parteifreundes distanzieren, verlangte Hauk. „Wer die Geschehnisse von damals als Lappalie abtut oder diese sogar verleumdet, schlägt Opfern sexueller Übergriffe ins Gesicht.“

Der CDU-Abgeordnete Reinhard Löffler sieht auch keinen Grund Cohn-Bendit für etwaige Leistungen für die Demokratie zu würdigen. Denn er habe als Herausgeber des Frankfurter Stadtmagazins „Pflasterstrand“ Solidarität mit den Terroristen der RAF und sogar Verständnis für deren Morde gezeigt. (dpa)

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