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Vietnam-Krieg Kim Phuc kann wieder hoffen

Das Bild, das sie als Neunjährige zeigt, wird zum Sinnbild für die Brutalität des Vietnam-Kriegs. Nun, 43 Jahre später, hat das „Napalm-Mädchen“ eine Chance auf Schmerzfreiheit. In Miami wird Kim Phuc mit Lasern behandelt.

Kim Phuc, Fotograf Nick Út - und das Bild, das um die Welt ging. (Archiv) Foto: rtr

Keine Schmerzen mehr zu haben, das war für Kim Phuc eine Utopie. „So viele Jahre lang dachte ich, dass ich erst dann keine Narben und keine Schmerzen mehr haben werde, wenn ich im Himmel bin“, hat die Frau noch vor wenigen Wochen gesagt: „Aber jetzt ist das der Himmel auf Erden für mich.“ Kim Phuc hat eine Laserbehandlung in Miami begonnen. Das „Napalm-Mädchen“, dessen Foto vor 43 Jahren zu einem Sinnbild für die Brutalität des Vietnam-Kriegs wurde, hat wieder Hoffnung auf ein Leben ohne Schmerzen.

Kim Phuc ist neun Jahre alt, als der Kriegsfotograf Nick Ut am 8. Juni 1972 auf einer Landstraße in Vietnam ein Bild von ihr macht. Es zeigt ein Mädchen mit vor Schmerz und Angst verzerrtem Gesicht. Es ist nackt, hat sich die Kleider vom Leib gerissen, als die Flammen der Napalm-Bombe immer heißer wurden. Im Auto, mit dem der Fotograf das Mädchen kurze Zeit später in ein Krankenhaus fährt, schreit Kim Phuc: „Ich glaube, ich sterbe. Zu heiß. Zu heiß.“ Es ist ihr Bild, das wie kein anderes die Sinnlosigkeit eines Kriegs zeigt. Und es ist ein Foto, das Wirkung zeigt. Truong Tran Sang, heute Präsident Vietnams, glaubt, dass die Schwarz-Weiß-Aufnahme „einen enormen Beitrag dazu leistete, den Krieg in Vietnam zu beenden“. Ob das zutrifft, ist schwer zu belegen.

Die Brandbombe hat das Kind schwer verletzt: 30 Prozent der Hautoberfläche sind verbrannt. Erst nach zehn Jahren und vielen Operationen, unter anderem 1982 in einer Klinik in Ludwigshafen, kann sich Kim Phuc wieder bewegen. Die Narben am Rücken und am linken Arm jedoch bleiben, dort ist das vernarbte Gewebe viermal so dick wie gesunde Haut. Seit mehr als vier Jahrzehnten muss Kim Phuc, die heute mit ihrer Familie in Kanada lebt, Schmerzen ertragen.

Es liegt an einer besonderen Therapie, dass die 52 Jahre alte Frau heute hoffen kann, einmal schmerzfrei zu sein. Die Hautärztin Jill Waibel aus Miami in Florida will mit Laserstrahlen, die normalerweise zur Entfernung von Falten in den Augenwinkeln eingesetzt werden, das vernarbte Gewebe an Kim Phucs Körper weich machen. Dadurch werde der Schmerz nachlassen, sagt Waibel, die kein Honorar verlangt.

Zur ersten Behandlung in Miami ist Kim Phuc mit dem Fotografen Nick Ut angereist, den sie Onkel nennt. Nach der ersten Behandlung gibt sie der Nachrichtenagentur AP ein kurzes Interview. Ihre Narben hätten sich rötlich verfärbt und juckten. Sie bleibe aber eine Optimistin. „Vielleicht dauert es ein Jahr. Aber ich bin wirklich völlig aufgeregt. Und dankbar.“

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