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Verstorbener Ex-Präsident George Bush - Fürsprecher der Einheit

Der verstorbene frühere US-Präsident George Bush senior hat für die deutsche Wiedervereinigung eine wichtige Rolle gespielt.

George Bush
Trauernde tragen sich in der George-H.-W.-Bush-Präsidentenbibliothek in Texas in ein Gästebuch ein. Foto: afp

Als „wahren Freund“ der Deutschen haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel George H. W. Bush gewürdigt. Der frühere US-Präsident war am Freitagabend im Alter von 94 Jahren in seinem Haus in Houston im Bundesstaat Texas gestorben. Was er für Deutschland bedeutet hat, erklärt ein Blick zurück:

Die Rheingoldhalle in Mainz, ungeachtet ihres Namens ein nüchterner Betonbau aus den 60er Jahren, ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Es liegt eine gespannte Erwartung über dem weitläufigen Raum. Etwa 2000 Menschen wollen an diesem 31. Mai 1989 den neuen amerikanischen Präsidenten erleben, der zu einem Kurzbesuch nach Deutschland gekommen ist. George Bush hat eine außenpolitische Grundsatzrede angekündigt. Es sind aufregende Zeiten in Europa. Michail Gorbatschow versucht die Sowjetunion zu reformieren, in Ungarn und Polen bröckelt die Macht der Kommunisten, in der DDR ergreifen Tausende Menschen die Flucht. Der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene sowjetische Machtblock steht nicht mehr so festgefügt wie gewohnt. Was tut nun der Westen, was tun die USA?

George Bush kommt bestens gelaunt von einem Nato-Gipfel, Helmut und Hannelore Kohl holen ihn und Barbara Bush in Mainz am Hubschrauber ab. Es wird sich in den folgenden Jahren zeigen, wie gut die beiden Paare sich verstehen. Die Hand lässig in der Hosentasche, zieht Bush unter großem Beifall in die Halle ein. Es ist keine zwei Jahre her, dass sein Vorgänger Ronald Reagan am Brandenburger Tor in Berlin gefordert hat, Gorbatschow solle die Mauer einreißen. Seitdem ist nichts passiert in dieser Frage, das will Bush ändern. Er war Vizepräsident von Reagan, er fühlt sich dessen Politik verpflichtet. Er spricht also darüber, dass die Teilung Europas auf den Prüfstand müsse, nachdem Ungarn schon begonnen habe, seine Grenzzäune abzubauen. „Lasst Berlin die nächste Station sein“, fordert Bush. „Die Mauer muss fallen.“ Er erntet freundlichen Beifall, mehr nicht.

Später in der Rede bietet er der Bundesrepublik „partnership in leadership“ an, die Deutschen sollten Partner der Amerikaner bei der Führung der westlichen Welt werden. Das löst wesentlich mehr Interesse aus, wie sich auch im Medienecho auf die Rede zeigt. Zu diesem Zeitpunkt kann noch niemand ahnen, wie bedeutsam dieses Angebot schon ein Jahr später sein wird, als es um die deutsche Einheit geht. Und wie sehr die deutsche Frage die Präsidentschaft von Bush prägen würde.

Dessen Sicherheitsberater Bent Scowcroft wundert sich über die maue Reaktion auf die Mauerpassage. Er fragt später bei einer Schiffsfahrt der Delegationen auf dem Main den deutschen Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg, ob die Deutschen denn gar nicht so an einer Wiedervereinigung interessiert seien? Der CDU-Politiker antwortet höflich, dieses Thema solle man in Ruhe weiterverfolgen, aber es stehe ja nicht wirklich auf der Tagesordnung. „Die Bundesregierung veranschlagt für die Vereinigung Zeiträume, mit denen sonst Geologen rechnen“, notiert Scowcroft entgeistert in seinem Tagebuch. Es wird sich bald zeigen, dass Bush und seine Leute die Dynamik der Ost-West-Frage viel deutlicher erkannt haben als Kohl und seine Berater. Die halten noch im Sommer 1989 alle Vorstellungen von einer Überwindung der deutschen Teilung für unrealistisch.

Der wirtschaftliche Erfolg reicht nicht

Im US-Wahlkampf 2016 hieß es oft, noch kein Kandidat sei besser auf die Präsidentschaft vorbereitet gewesen als Hillary Clinton, die ehemalige First Lady, Senatorin und Außenministerin. Doch tatsächlich gilt das noch mehr für George Herbert Walker Bush. Der 1924 in Massachusetts geborene Spross einer Bankiersfamilie steht wie ein Modell für die politisch-gesellschaftliche Elite der Vereinigten Staaten im letzten Jahrhundert. Er ist der Sohn des langjährigen Senators der Republikanischen Partei, Prescott Bush. Nach seinem Schulabschluss am feinen Internat von Andover meldet er sich 1942 freiwillig zum Kriegsdienst bei der Luftwaffe und wird mit knapp 19 der jüngste Pilot der US-Navy. Er fliegt zahlreiche Kampfeinsätze im Krieg gegen Japan und wird vielfach ausgezeichnet. Nach dem Krieg studiert er in Yale Wirtschaftswissenschaften und geht dann in die florierende Ölindustrie von Texas, wo er sich in den 50er Jahren selbstständig macht.

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