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Vereinte Nationen UN befürchten Millionen Todesopfer im Jemen

Die UN befürchten wegen einer drohenden Hungersnot Millionen Todesopfer im Jemen und fordern die Aufhebung der Blockade durch Saudi-Arabien.

09.11.2017 15:47
Situation im Jemen
Ein Mädchen sucht im Abfall auf einer Straße in Sanaa nach Verwertbarem. Foto: dpa

Angesichts einer drohenden schweren Hungersnot im Jemen hat der UN-Sicherheitsrat das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis aufgefordert, seine Blockade der Häfen und Flughäfen des Bürgerkriegslandes zu beenden. Dadurch sollten Hilfslieferungen wieder möglich gemacht werden, ließ der Sicherheitsrat am Mittwoch in New York erklären. UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock warnte vor der weltweit schwersten Hungersnot seit Jahrzehnten „mit Millionen Opfern“.

Es sei entscheidend, im Jemen „das Funktionieren aller Häfen und Flughäfen aufrecht zu erhalten“, sagte der italienische Botschafter Sebastiano Cardi, der dem Sicherheitsrat derzeit vorsitzt, nach einer Sitzung des Gremiums hinter verschlossenen Türen. Darin hätten die 15 Mitgliedsländer ihre „Beunruhigung“ über die „katastrophale humanitäre Lage im Jemen“ geäußert.

Das Militärbündnis unter Führung Saudi-Arabiens hatte die Häfen und Flughäfen im Jemen sowie die Zufahrtstraßen in das Land dicht gemacht, nachdem am Wochenende eine Rakete der pro-iranischen Huthi-Rebellen in der Nähe der saudi-arabischen Hauptstadt Riad abgefangen worden war. UN-Generalsekretär Antonio Guterres habe am Mittwoch mit dem saudi-arabischen Außenminister Adel al-Dschubeir telefoniert, um eine sofortige Öffnung der jemenitischen Häfen und Flughäfen zu erwirken, sagte UN-Nothilfekoordinator Lowcock. Dieser erstattete nach seinem Besuch im Jemen dem UN-Sicherheitsrat über die humanitäre Lage im Land Bericht.

Bevölkerung des Jemen auf Lebensmittel-Einfuhr angewiesen

Lowcock forderte ein Ende der Blockade des Landes und rief den Sicherheitsrat auf, in Zukunft die Behinderung von Hilfslieferungen durch die Militärkoalition unter Saudi-Arabiens Führung zu verhindern.

Wenn Riad die Blockade nicht aufhebe, „wird es die größte Hungersnot werden, die die Welt seit Jahrzehnten erlebt hat“, sagte Lowcock anschließend vor Journalisten. Dabei werde es „Millionen Opfer“ geben. Die jemenitische Bevölkerung sei auf die Einfuhr von Lebensmitteln und anderen lebenswichtigen Gütern sowie Treibstoff angewiesen.

15 Hilfsorganisationen, darunter Oxfam, Ärzte der Welt und der Norwegische Flüchtlingsrat, hatten zuvor ebenfalls die sofortige Ermöglichung von Hilfslieferungen gefordert. „Angesichts der aktuellen zugespitzten Lebensmittelkrise und der Cholera-Krise könnte jede Verzögerung bei der Wiederherstellung des humanitären Zugangs das Leben von Frauen, Männern, Mädchen und Jungen in ganz Jemen kosten“, so die Organisationen. Das Treffen des Sicherheitsrats erfolgte auf Antrag Schwedens.

Der stellvertretende schwedische UN-Botschafter Carl Skau erklärte, das Leiden der jemenitischen Bevölkerung sei „immens“. „Die Zerstörung ist fast vollständig. 21 Millionen Menschen sind auf sofortige humanitäre Hilfe angewiesen“, mahnte Skau. Im Jemen herrsche „die schlimmste humanitäre Lage auf der Welt“, sieben Millionen Menschen stünden „am Rande einer Hungersnot“ und alle zehn Minuten sterbe ein Kind an Krankheiten.

Der französische UN-Botschafter François Delattre sagte, die Lage der jemenitischen Bevölkerung sei „extrem ernst“. Nötig sei „neuer Schwung für die politischen Verhandlungen, ohne die es keine dauerhafte Antwort auf die humanitäre Krise gibt“.

Im Jemen kämpfen seit 2014 schiitische Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten des gestürzten Staatschefs Ali Abdallah Saleh gegen Truppen des international anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. 2015 griff ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis zugunsten von Hadi in den Konflikt ein. Seitdem wurden mehr als 8600 Menschen getötet. Durch die Cholera starben dieses Jahr bereits 2100 Menschen.

Verschärft wird die Lage durch die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, der aufseiten der Huthi-Rebellen steht. (Philippe Rater, afp)

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