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Venezuela Leichtes Spiel für Maduro

Venezuelas Präsident will sich mit den Wahlen am Sonntag sechs weitere Jahre im Amt halten. Die Opposition ist komplett zerstritten.

Venezuela
Oppositionskandidat Javier Bertucci fordert Maduro heraus. Foto: afp

Mauricio Mora lässt in voller Fahrt das Lenkrad einen Moment los und zeigt auf die Wahlplakate, die an den Autobahnen hängen. Dann sagt er wild gestikulierend: „Wenn der da und der da sich zusammenschließen, dann gehe ich wählen.“ Aber da das nicht passieren würde, zürnt Mora: „Pa‘ qué? „Wofür“?

Der 51-Jährige beruhigt sich und greift wieder nach dem Steuer, während der evangelikale Prediger Javier Bertucci und der Ex-Gouverneur des Bundesstaates Lara, Henri Falcón, ernst von den vorbeifliegenden Propagandatafeln schauen. „Es kommen bessere Tage“, verspricht Bertucci. „Retten wir Venezuela“, fordert Falcón. „Zusammen haben die beiden eine Chance, aber nicht getrennt“, betont Mora.

Falcón und Bertucci wollen erreichen, was seit gut 15 Jahren keinem Oppositionspolitiker gelungen ist. Den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ zu beenden, den Hugo Chávez erfunden und durchgesetzt hat und den seit dessen Tod 2013 nun sein Nachfolger Nicolás Maduro bis zum bitteren Ende weiterführt.

Seit 1999 regieren die Linksnationalisten in dem südamerikanischen Ölstaat – und vor allem Maduro und seine Regierung haben das Land in den Kollaps gewirtschaftet. Hyperinflation, Deindustrialisierung, Medizinnot, Nahrungsmittel- und Wasserknappheit, steigende Kriminalität, hungernde Bevölkerung. Dazu die Verfolgung Andersdenkender und Ausschaltung der Opposition. „Venezuela ist ein gescheiterter Staat“, sagt der Ökonom Jean-Paul Leidenz nüchtern. „Der Staat kann die Grundbedürfnisse und öffentlichen Dienstleistungen nicht mehr sicherstellen.“ Das Ende sei nah, orakelt Leidenz. Aber es sei nicht klar, ob das Schiff sinke oder vorher doch der Kapitän von Bord gekippt werden. Am Sonntag hätten die Venezolaner dazu die Chance. Die Umfragen sagen den Wahlsieg von Maduro oder den von Falcón vorher. Je nachdem, aus welchem Lager sie kommen.

„Man kann hier keinen Umfragen glauben“, so ein internationaler Beobachter. Und der Wahlforscher Luis Vicente León versichert, die Abstimmung sei keine Wahl im demokratischen Sinne. Sie sei weder frei noch gleich. Die größten Oppositionsparteien seien von der Wahl ausgeschlossen und die bekanntesten Kandidaten wie Leopoldo López und Henrique Capriles dürften nicht antreten. „Zudem sind Wahlrat und Gerichte fest in Hand der Regierung“, sagt der Chef des Umfrageinstituts Datanálisis.

Das größte, aber völlig zerstrittene Oppositionsbündnis MUD hat zudem zum Boykott der Wahl aufgerufen und wendet sich nun gegen das ehemalige Führungsmitglied Falcón, weil er ausgeschert ist und auf eigene Faust antritt und so angeblich „eine illegitime Wahl legitimiert“. Während mindestens 50 Prozent der Oppositionsanhänger nicht zur Wahl gehen, verstehen Menschen wie Mauricio Mora nicht, warum sich Falcón und Bertucci nicht zusammentun, um ihre Chancen zu erhöhen. Während also die Opposition zerstritten ist und zum Boykott aufruft und Falcón und Bertucci sich gegenseitig Stimmen wegnehmen, schließt der Chavismus seine Reihen und lockt seine Wähler mit dickeren Rationen in den staatlichen Fresspaketen sowie der Vergabe des sogenannten „Carnet de la Patria“ (Heimatausweis). Mit dieser Bankkarte kommt man bei Wohlverhalten in den Genuss von allerlei Sonderzahlungen.

Maduro habe eine Stammwählerschaft von 25 Prozent, sagt Wahlforscher León, die entweder aus alter Verbundenheit zu Hugo Chávez oder durch die „soziale Kontrolle“ an Maduro gebunden sei. „In der Hyperinflation sind die staatlichen Nahrungsmittelpakete lebenswichtig“, betont León.

Tatsächlich muss sich Maduro seiner Sache tatsächlich sehr sicher sein, wenn er sich nur ein Jahr nach den größten Protesten gegen ihn vorgezogen wieder zur Wahl stellt. Drei Monate protestierten im Frühjahr 2017 Junge, Alte, Mittelklasse, Ober- und auch Unterschicht gegen den Mann mit dem Schnauzer und dem messianischen Eifer und wollten ihn mit massiven Demonstrationen stürzen. Doch Maduro brachte Polizei und Panzer gegen die Protestierer auf die Straße. Mehr als einhundert Menschen starben. Die Proteste kosteten nicht nur Leben, sondern auch Kraft, Mut und viel Zeit, waren aber am Ende vergeblich.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Venezuela

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