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Vatikan Banker Gottes unter Verdacht

Der Vatikan weist den Geldwäsche-Vorwurf zurück. Die päpstliche Bank habe bis in die 90er Jahre hinein Gelder gewaschen, schreibt der Journalist Gianluigi Nuzzi in dem Buch „Vatikan AG“.

Ettore Gotti Tedeschi, Bankpräsident, soll gegen die neue Informationspflicht verstoßen haben. Foto: rtr

An kaum einem Ort gedeihen Verschwörungstheorien so gut wie in Rom. In der Mitte der italienischen Hauptstadt liegt ein unabhängiger Staat, der sich selbst gern mit Geheimnissen umgibt. Bis heute weiß niemand außerhalb des Vatikans so ganz genau, wie groß dessen Vermögen ist. Etwa fünf Milliarden Euro soll allein die vatikanische Hausbank verwalten. Offiziell heißt sie Institut für die religiösen Werke (IOR), und ihr Geschäftsmodell ruhte bisher auf einem ehernen Grundpfeiler: Diskretion bis zur Geheimhaltung.

Neuerdings aber bemüht sich die Vatikanbank, auch auf Druck von Papst Benedikt XVI., um mehr Transparenz. In Rekordtempo reagierte der Vatikan deshalb auch auf eine Nachricht, die am Montag alle Alarmglocken schrillen lassen musste. Die Römer Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass sie wegen des Verdachts auf Geldwäsche gegen die Bank ermittelt.

Auch der neue Präsident des IOR, Ettore Gotti Tedeschi, und sein Generaldirektor Paolo Cipriani sind Teil der Voruntersuchung. Ihnen wird vorgeworfen, gegen die Informationspflicht verstoßen zu haben, die das Geldwäschegesetz aus dem Jahr 2007 vorschreibt. Danach müssen bei jeder Überweisung ab 5000 Euro genaue Informationen über Absender und Empfänger an die italienische Zentralbank gemeldet werden.

Das Misstrauen der Ermittler erregten zwei Kontobewegungen von 23 Millionen Euro, die der Banca d’Italia schon Mitte September verdächtig vorkamen. Das IOR hatte die Privatbank Credito Artigiano angewiesen, von einem offenbar anonymen Konto aus einen Betrag von 20 Millionen an die Frankfurter Niederlassung von J.P. Morgan zu transferieren, weitere drei Millionen sollten an die italienische Banca del Fucino gehen. Der Heilige Stuhl reagierte mit „Bestürzung und Staunen“ und versicherte Tedeschi sein volles Vertrauen. Auch Tedeschi selbst wies jeden Verdacht zurück und erklärte, dass er sich persönlich gedemütigt fühle. Die umstrittene Überweisung nach Deutschland sei eine „normale Transaktion“, mit der das IOR eine Investition auf eigene Rechnung habe tätigen wollen.

Doch Rom raunt wieder, unterliegt das IOR doch nach wie vor keinerlei Kontrolle von außen. Zur Kundschaft gehören nicht nur Klöster, kirchliche Stiftungen, Diözesen und Mitarbeiter des Vatikans, sondern auch eine sehr weltliche, sorgfältig ausgewählte Klientel, die wenig Interesse daran hat, dass ihre Transaktionen aktenkundig werden.

Papst um Transparenz bemüht

So viel Freiheit macht anfällig. Zu Beginn der 80er Jahre geriet das IOR ins Zentrum eines gigantischen Skandals: Geldwäsche, Korruption, Waffenhandel, kein Geschäft war offenbar zu schmutzig (siehe Box). Das IOR wurde schließlich einem fünfköpfigen Kardinalskollegium unterstellt, das direkt dem Papst verantwortlich ist und einen ebenfalls fünfköpfigen weltlichen Aufsichtsrat ernennt. Doch auch dessen Chef Angelo Caloia wurde vor einem Jahr überraschend abgelöst. Sein Nachfolger ist der norditalienische Banker Tedeschi, der nicht nur Benedikt XVI., sondern auch dem Opus Dei nahesteht. Eine Begründung für die vorzeitige Pensionierung Caloias lieferte der Vatikan, wie bei Personalentscheidungen üblich, nie.

Doch gilt es in Rom als offenes Geheimnis, dass ein kurz zuvor erschienenes Enthüllungsbuch nicht ganz unschuldig war an den Umstrukturierungen. In „Vatikan AG“ belegt der Journalist Gianluigi Nuzzi detailliert, dass die päpstliche Bank bis in die 90er Jahre hinein weiter Gelder gewaschen hat. Als Quelle dienten ihm Dokumente, die ein hoher Vatikan-Geistlicher gesammelt hatte.

Der Papst tauschte nicht nur den gesamten Aufsichtsrat aus. Mit der EU wurde vereinbart, dass auch der Vatikan die innerhalb der EU geltenden Regelungen zur Verhinderung von Geldwäsche anwendet. Denn auch in den vergangenen Jahren hat die Staatsanwaltschaft immer wieder ermittelt. Noch 2007 sollen über anonyme Konten der Vatikanbank bei der Banca di Roma zweistellige Millionensummen gelaufen sein.

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