Lade Inhalte...

V-Leute Zu nah am Ku-Klux-Klan

Der Verfassungsschutz half möglicherweise bei der Gründung der deutschen Sektion des Ku-Klux-Klan. Das zeigen Akten, die dem NSU-Untersuchungsausschuss vorliegen.

18.04.2013 17:16
Andreas Förster
Vorbild USA: Ein Ku-Klux-Klan-Mitglied in Virginia. Foto: dpa/Jim Lo Scalzo

Erneut gerät der Verfassungsschutz durch Akten ins Zwielicht, die dem NSU-Untersuchungsausschuss vorliegen und die diese Zeitung einsehen konnte. Es geht um Vorgänge in dem 1998 gegründeten deutschen Ableger der rassistischen US-Organisation Ku-Klux- Klan (KKK). Zwei Aktivisten der bis 2003 aktiven K-Gruppe sollen diesen Akten zufolge V-Leute des Verfassungsschutzes gewesen sein.

Der Gründer und Anführer, Achim S. alias Ryan Davis, soll von 1994 bis 2000 für das Landesamt (LfV) in Stuttgart gearbeitet haben; seine rechte Hand im KKK, Thomas R., war dem Bundesamt (BfV) unter dem Decknamen „Corelli“ zu Diensten. Der Bundesverfassungsschutz sol „Corelli“ 1998 beauftragt haben, sich dem KKK-Gründer S. als Helfer anzudienen. Offenbar war S.’s Anbindung an das LfV in Stuttgart dem Bundesamt damals nicht bekannt. „Corelli“ lieferte in den folgenden Jahren detaillierte Berichte aus dem Inneren der Gruppe.

Dank "Corelli" stets online dabei

Die Quelle habe „umfangreich und werthaltig über Mitglieder, Sympathisanten und Veranstaltungen“ berichtet, heißt es in einer dem Ausschuss jetzt vorgelegten Auswertung der V-Mann-Berichte. So habe er auch Hinweise auf die Zugehörigkeit von Polizeibeamten aus Stuttgart und Umgebung zum SKK gegeben. Im Klan war „Corelli“ zuständig für die Rekrutierung neuer Mitglieder sowie für den Betrieb eines geschlossenen Internet-Forums.

Dank „Corelli“ war das BfV stets mit online, wenn sich die KKK-Mitglieder im Netz trafen. Auf diese Weise hätte der Geheimdienst eine Genehmigung der G-10-Kommission des Bundestages für die Kommunikationsüberwachung umgehen können, um seine Quelle nicht zu gefährden.

Allerdings drohte V-Mann „Corelli“ zwischenzeitlich Gefahr aus den eigenen Reihen. Ausgerechnet ein Stuttgarter Verfassungsschützer, der mit dem Neonazi Achim S. in Verbindung stand, warnte den Akten zufolge den KKK-Chef vor einem Verräter in den eigenen Reihen. Der Beamte arbeitete damals im Landesamt, durch seine Hände waren die vom Bundesamt an das LfV weitergeleiteten „Corelli“-Informationen gegangen. So konnte der Verfassungsschützer eine Reihe von Details an S. berichten, woraus dieser auf Thomas R. als Quelle hätte schließen können. Das BfV konnte seinerzeit eine Enttarnung von „Corelli“ gerade noch verhindern.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen